Review

Fade Tauchfahrt...06.07.2010

Das U-Boot-Genre ist ja ein recht überschaubares, und seit vielen Jahren gibt es da auch nichts neues zu berichten. Wie denn auch, denn in den beiden wegweisenden Streifen deutscher und amerikanischer Herkunft - Das Boot und die Jagd auf Roter Oktober wurde alles an Dramatik gezeigt, was überhaupt geschehen kann. So ist es nicht verwunderlich, daß auch der Film von Regisseurin Bigelow zum einen alle nur denkbaren Stereotypen bedient und dadurch zum anderen auch relativ schnell auf Grund fährt. Man hätte es vorher wissen können, anhand zweier kleiner Details: die Laufzeit ist mit 132 min. einfach deutlich zu lang für einen wirklich mitreißenden und spannenden Film, und dann noch der Hinweis auf die dem Film zugrunde liegenden wahren Begebenheiten, über die erst heute, nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches, überhaupt berichtet werden darf...Dramatik und trotz Laufzeit doch Spannung pur, nicht wahr?

Leider eben nicht, denn was man hier während fast der gesamten Zeit vermißt, ist eben ein kleines bißchen Nervernzerren. Wir schreiben das Jahr 1961, und der Stolz der Sowjetflotte, das U-Boot K 19, läuft zur Jungfernfahrt aus, unter der Führung von Kapitän Vostrikov, der den ehemaligen, bei seiner Truppe sehr beliebten, Kapitän Polenin von seinem Posten verdrängt. Zunächst klappt alles bestens, einige Drills führen zu einer Verbesserung der Mannschaftsleistung, ein Testraketenabschuß wird erfolgreich durchgeführt, Hurrarufe, Wodka, ein Tänzchen im Boot zu russischer Musik, aber leider hält der Atomreaktor des Bootes nicht sehr lang, typisch russische Bauweise eben, ein Massendefekt. Eine Katastrophe droht, da man ja auch, ganz zeitgemäß, noch ein paar Atomraketen an Bord hat, aber dank russischem Handwerkergeist und einer gewissen Opferbereitschaft kann das Schmelzen des Reaktors vermieden werden, und das ganz ohne amerikanische Hilfe. Toll! Leider ist der Film damit noch nicht zu Ende, denn es folgen noch eine Gerichtsverhandlung und das Wiedersehen nach 25 Jahren samt rührender Ansprache...bäh.

Es liegt nicht an den Herren Ford und Neeson, daß dieser Film in den Sand gesetzt wird. Es liegt auch nicht an der Tricktechnik, nein, es liegt in meinen Augen einzig und allein an der langatmigen und daher auch sehr zäh umgesetzten, spannungsarmen Geschichte. Hier sind der Regie und dem Drehbuchautor einige Vorwürfe zu machen! Jegliche Art von möglichem Konfflikt fehlt völlig, und aus dem an sich beengten Schauplatz wird nichts gemacht - man merkt selten, daß die Geschichte in einem U-Boot spielt. Verschwendete Gelder, wohin man nur schaut...und verschwendete Lebenszeit, denn irgendwie bleibt man doch dabei, wartet, doch es geschieht...nichts, so hart das auch klingen mag. Stattdessen wird alles verschenkt, woraus man hätte Spannung erzeugen können. Die unzufriedenen und Desertation vermutenden Generäle in Moskau...den längsseits liegenden amerikanischen Zerstörer...der Konflikt zwischen altem und neuem Kapitän...aus diesen Bauteilen hätte man einen famosen Streifen basteln können. Hat man aber nicht, und so sehen wir hier nur die öde Schleichfahrt des Atomtodes samt vielen Klischees über das russische Volk - 5/10.

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