Eine englische Kinderbuchverfilmung mit Fantasy-Elementen, noch dazu inszeniert von „Downton Abbey“-Schöpfer Julian Fellowes, Maggie Smith ist mit an Bord, das klang eigentlich nach einem attraktiven, stilvollen Häppchen, bei dem der Erfolg garantiert sein müsste. Die DVD liegt in den Geschäften rum, ein großer Erfolg war dem Film aber nicht beschieden – als nutzt man eine Dämmerungsausstrahlung des Film bei den Öffentlich-Rechtlichen (gut versteckt um 5.00 Uhr morgens) für eine Sichtung.
Hinterher ist man immer schlauer: die Verfilmung des zweiten Buchs von Lucy M.Boston vielgeliebter sechsteiliger Green-Knowe-Saga (aus den 50er/60ern) ist zwar eine nett ausgestattete und hübsch inszenierte Affäre, aber für diejenigen, die keinerlei Kontakt mit den Büchern hatten, ein schwer verständliches Kuddelmuddel.
Figuren und Story hat man im Wesentlichen beibehalten (der junge Tolly besucht den Landsitz „Green Knowe“ und seine Großmutter, Mrs. Oldknow, die ihm Geschichten über die vorherigen Bewohner und Familienmitglieder erzählt, wenn er nicht selbst als „Geist“ durch die Zeiten rutscht und an den Ereignissen der Vergangenheit teilhat), allerdings wurde eine zusätzliche Backstory hinzu erfunden, in dem man das Geschehen in den Kriegswinter 1944 verlegt hat und Tolly sich um seinen im Einsatz vermissten Vater sorgt, während seine Mutter noch unabkömmlich ist.
Liest man sich zusätzliche Infos zu der Buchserie durch, erscheint alles in einem viel klareren Licht, als Film allein rätselt ziemlich viel: wie sind die seltsamen Familienverhältnisse mit den sich wiederholenden Namen, warum weiß jeder im Haus so viele Details aus der Vergangenheit, wieso können die Familienmitglieder durch die Zeit reisen, wieso können ausgewählte Leute der Vergangenheit den Reisenden sehen und mit ihm interagieren, wieso kann Tolly in die Vergangenheit eingreifen?
Die Nebenhandlung spielt episodisch rund um das 1800 herum und dreht sich um ein blindes Mädchen, dass von ihrem liebenden Kapitänsvater (Downton Abbey-Star Hugh Bonneville leider nur mit Kurzauftritten) einen ehemaligen Sklavenjungen als Freund und Helfer gestellt bekommt, was seiner unzufriedenen Gattin, dem intriganten Butlerfaktotum (hier wird Dominic West in einer Nebenrolle leider verschwendet) und dem feinsinnigen Arschlochbruder gar nicht gefällt.
Da gibt es Anfeindungen und Intrigen und da und dort wird man in Lebensgefahr gebracht, doch alles löst sich immer wieder in Wohlgefalen auf oder wird nicht weiter ausgearbeitet. Interessante Entwicklungen werden nachträglich berichtet und das zentrale Mysterium rund um einen Hausbrand mit voran gegangenem Juwelenraub braucht zu lange, um dann noch Wirkung zu erzielen.
Die emotionalen Schlüsselszenen – etwa der frühe Tod der historischen Protagonisten aufgrund von Krankheiten – werden wie nebenbei entsorgt und der finale Dreh mit „Dad“ ist eigentlich angesichts des Geisteraufkommens schon organisch zu nennen.
Das soll nicht heißen, hier würden nicht alle ihr Bestes geben, wobei Smith die Märchenoma mit links spielen kann, der als „Tolly“ agierende Alex Etel aber leider weder sonderlich sympathisch wirkt, noch mit wahnsinnig viel Talent geprügelt scheint. Hübsche Locations und die netten Tricks sind dann aber leider doch nicht alles, wirkt der Film dann doch mehr wie ein Liebhaberstück, das man in einer Sommer- bzw. Winterpause von „Downton“ mal eben in benachbarten Bauten zügig runterspielen musste, auch wenn keine Zeit blieb, das Geschehen im Kosmos der Geschichten zu verankern und die Handlung so als Insel im Nichts schwebt.
Für Britannia-Fans gibt es dennoch genug zu sehen und wer darauf steht, dass alles wieder gut wird, der wird hier zwar nicht eines Schlimmeren bekehrt, darf sich aber darauf verlassen, dass die schlimmsten Bilder zugunsten eines Off-Kommentars ausgelassen werden.
Gute Absicht, aber mir zu antiseptisches Feelgood-TV, dass man in den 70er mit mehr Ecken und Kanten inszeniert hätte. 5/10