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Sie gelten bei vielen auch noch heutzutage als etwas eigentümliche Typen: Leute, die sich mit Kartenspielen ihren Lebensunterhalt verdienen. Auch wenn sich insbesondere im Poker-Bereich für etliche Spieler dies zu einem heute völlig normalen und teilweise auch lukrativen Beruf entwickelt und in der Öffentlichkeit eine breite Akzeptanz gefunden hat, eine bestimmte Distanz ist immer noch vorhanden. Und was heute als normal durchgeht, war vor dreißig Jahren noch mit anrüchiger Hinterzimmermentalität behaftet. Genau so ein Typ ist Pokerspieler Michel Gerfaut, wahrlich eine Paraderolle für Alain Delon. Denn seit seinem „Eiskalten Engel" war selten ein französischer Schauspieler so sehr auf sein Image festgelegt wie er auf das eines stillen Einzelgängers mit der undurchsichtigen Fassade. Sein kalter Blick ohne Emotionen, und trotzdem ein Typ, der beim weiblichen Geschlecht hoch im Kurs stand.

Ich weiß nicht, ob es an dem späten Zeitpunkt liegt, dass dieses Werk nicht ganz an die düsteren Zeiten der 60er und 70er anknüpfen mag, denn auch wenn uns hier eine im Grunde trostlose Gangsterballade geboten wird, wirkt Delon als Michel Gerfaut wesentlich offener als in seinen früheren Rollen. Sicherlich, unnötige Worte sind auch hier nicht sein Ding, und die Art und Weise, mit seinen lange Zeit unbekannten Gegnern umzugehen, gerät mit fortlaufender Zeit immer mehr zu einer atemlosen Hatz. Doch sein Privatleben und seine hier offenbarte Gefühlswelt werden deutlich mehr mit eingebunden und setzen einen eigentümlichen Kontrast zu seinem auferzwungenen Handeln. Gerfaut lebt in einer noch jungen Beziehung mit der hübschen Bea. Sie akzeptiert ihn so, wie er ist, findet seinen Beruf in Ordnung und mag seine Unkompliziertheit. Er macht am Morgen das Frühstück und erfüllt ihr auch sonst jeden möglichen Wunsch.

Doch trotz dieser einfühlsamen Charakterisierung offenbart sich von Anfang an ein kleines Manko des Films: Es mag eigentlich kaum Spannung aufkommen, da alle für den Zuschauer wichtige Fakten genüsslich ausgebreitet werden. Da ist der Waffenkonzern, der mehrere unliebsame Männer umbringen lässt. Gerfaut wird nur zufällig Zeuge eines angeblichen Autounfalls. Er gerät nun selbst ins Fadenkreuz der Waffenhändler, da er dem Opfer aus dem Autowrack hilft. Der Konzern glaubt, dass Gerfaut selbst auf eigene Rechnung Geschäfte macht, nur der Zuschauer weiß bereits mehr als die beiden sich gegenüberstehenden Parteien. Bemerkenswert, wie sich Gerfaut im Laufe der auf ihn veranstalteten Jagd, gleich einem angeschlagenen Tier, sich immer kaltblütiger verhält. Schlüsselszene ist hierbei die Flucht vor den Killern per Auto, als er urplötzlich den Spieß umdreht und seinerseits die Verfolger zu jagen beginnt. Die Rollen in diesem Katz-und-Maus-Spiel werden damit völlig umgekrempelt und wenigstens hier könnte man auf den Gedanken kommen, ob Gerfauts Rolle als Pokerspieler doch nur eine vorgeschobene sei.

Doch von diesem Glauben gewinnt der Zuschauer bald wieder Abstand. Denn eigentlich sind es auch die hier auf die neue Situation übertragenen Eigenschaften, die auch einen als guten Spieler auszeichnen: Mut zum Risiko, die Fähigkeit, seine Gegner richtig zu lesen oder das Ansetzen zu einem großen Bluff. Doch Gerfaut bleibt trotz seiner zunehmenden Kaltschnäuzigkeit stets in seiner Rolle als normal wirkender, ja auch zuweilen genervter Mensch gefangen. Er ist kein typischer Held, der seine Gegner reihenweise aus den Latschen kippen lässt. Und bei einem an ihm verübten Mordversuch an einem belebten Strand sehen wir auch den erschöpften und hilflosen Gerfaut, der aus dem Wasser kommend, erst einmal keuchend zusammenbricht.

Streckenweise erinnert der Film in seiner Hoffnungslosigkeit an frühere Zeiten des Film noir, denn neben einem immer noch gut aufgelegten Alain Delon kann vor allem die pessimistische Grundstimmung überzeugen, bei der man nie weiß, ob und wie der Protagonist heil aus dieser heiklen Lage wieder heraus kommt. Nun hätte man der Geschichte allerdings mehr Reiz verleihen können, wenn sich die angestauten Irrtümer im Laufe der Ereignisse langsam aufgeklärt hätten. Wie hätten die Protagonisten wohl reagiert und ihr weiteres Handeln darauf abgestimmt? Doch beide Seiten verharren zu sehr in ihren festgefahrenen Positionen, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Geschichte nur durch ein finsteres Finale auf abrupte Art und Weise beendet werden kann.

Bis dahin allerdings treibt der Film etwas ziellos vor sich her, so als ob man sich nicht richtig für ein Genre entscheiden konnte. Als Thriller hätte „Killer stellen sich nicht vor" einfach mehr Substanz verdient, und die rar gesäten - wenn auch stimmig eingefangenen - Actionszenen wie wilde Autoverfolgungen, Explosionen oder blutige Schusswechsel wirken eher wie verirrte Einsprengsel. Und doch ist es trotz mancher Unvollkommenheit ein immer noch reizvoller Film, der auf angenehme und unaufdringliche Art und auch fast wehmütig an eine Zeit erinnert, in der Filme nicht im allgemeinen Einheitsbrei versanken und uns ihr eigenes Gesicht zeigten. Für Freunde des nostalgischen Films umso mehr eine Empfehlung.

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