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Henri Verneuil, Ennio Morricone, Jean Gabin, Alain Delon, Lino Ventura: Namen die sich lesen, wie das Beste was es damals im französischen Kino gibt, es fehlt einzig vielleicht Belmondo (abgesehen von De Funes, aber das ist ein anderes Genre). So vielversprechend das alles ist, so perfekt ist die Inszenierung über den Fall einer sizilianischen Gangsterfamilie.

Alles fängt damit an, dass man das Kuckucksei Alain Delon ins Nest läßt, indem man ihn in einer spektakulären Befreiungsaktion (Zugegebenermaßen eine etwas übertriebene Wiedergabe der Tatsachen) gerade noch vor der Guillotine rettet.
Delon ist unberechenbar, unterkühlt, sexy, ein Raubtier, und er möchte einen großen Coup landen. Dafür braucht er die Hilfe des Clans der Sizilianer, angeführt vom Oberpatriarchen Jean Gabin, perfekt und würdevoll dargestellt wie fast immer.
Ihnen auf den Fersen ist ein unerbittlicher Kommissar, dargestellt von Lino Ventura, der für diese Rolle geboren zu sein scheint.

Die Sizilianer geben dem Polizistenmörder Delon während der Vorbereitungen für den -sagenhaft in Szene gesetzten - Coup Unterschlupf und merken nicht, dass er eine Affäre mit der Schwiegertochter des Hauses beginnt.
Währenddessen verfolgt Ventura verwzeifelt eine Spur nach der anderen, immer einen Schritt in der Nähe des Geschehens, aber immer einen halben Schritt zu langsam.

Dieser Film ist perfekte Unterhaltung made in France.
Verneuil inszeniert sein Gangsterdrama in extrem eleganten Bildern. So überreizt er die Magie seiner Hauptakteure nicht, sondern läßt sie einander nur selten direkt aufeinander treffen.
Ventura und Delon haben nur ein kurzes Gespräch miteinander, dann sind sie einmal in einer Art (aber dann wiederum doch nicht) Splitscreen am selben Ort zu sehen.
Ventura und Gabin sprechen nur zweimal miteinander.
Und selbst Delon und Gabin, die ja alleine schon der Handlung wegen öfter zusammen im Bild sein sollten, treffen kaum öfter aufeinander.
Und entgegen dem gemeinhin bekannten Filmplakat: Die drei sind niemals zusammen in einer Szene zu sehen.
Daher funkt und knistert es dann auch gewaltig, als die drei Giganten gemeinsam vor der Kamera zu sehen sind.

Auch die restliche Darstellerriege gibt sich keine Blöße, alles ist stimmig, jede Gemütsdarstellung wird trefflich dargestellt.

Die Filmmusik von Ennio Morricone ist über jeden Zweifel erhaben, untermalt perfekt die unterkühlte Handlung und Inszenierung, betont dabei dennoch die südländische Herkunft seiner Titelgeber.
Manchmal neigt Morricone ja dazu, zu viel gesang oder Larifari einzubauen oder den Film zu sehr aufzupeitschen, hier hält er sich vornehm zurück und verschafft uns so einen edlen Rahmen.

Verneuils Inszenierung ist ein Phänomen: Sie ist extrem brutal für damalige Verhältnisse, ohne wirklich brutal zu sein, ist extrem freizügig - die erotische Aalsequenz oder der gestörte Pornodreh seien hier als Apetitanreger einfach mal so in den Raum geworfen - ohne wirklich viel zu zeigen und macht seine drei Hauptdarsteller so ganz nebenbei zu unsterblichen Ikonen:
Jean Gabin festigt seine Rolle des stillen, doch brodelnden, Patriarchen, die er noch einige Male spielen wird.
Lino Ventura als brummiger Kommissar, wie gesagt, wirkt als hätte er nie etwas anderes gespielt.
Und Delon? Der Inbegriff dessen, was man heutzutage als Metrosexuell bezeichnen würde, fast vierzig Jahre bevor es den Begriff überhaupt gibt. Sicher, viele werden meinen, er hat andere größere Auftritte, die ihm in seiner Karriere mehr vorangeholfen haben, aber darum geht es auch gar nicht.
Diese drei Akteure sind damals auf ihrem Höhepunkt, auch wegen diesem Film.

Die Handlung und Inszenierung ist kühn und dennoch sehr konventionell, eben wie es sich für einen programmierten Blockbuster gehört, so als könne man die Schablone drüberlegen: Alles verläuft nach Plan, dann gibt es Streitigekeiten im Team mit tödlichem Ausgang und die Polizei sammelt die Überlebenden ein.
Von daher ist es nicht unbedingt die Story, die einen umhaut, sie ist eher sogar ziemlich löchrig.
Nein, es ist die Chemie zwischen den gut aufgelegten Akteuren, die Over-the-Top-Inszenierung, die Musik.

All das hebt diesen Film über den Durchschnitt, man verzeiht dann doch auch das allzu konventionelle Ende, welches trotzdem noch extrem edel und leicht rüberkommt.
Was Coolness betrifft, setzt dieser Film Maßstäbe.

Alles in allem ist dies einer der besten jemals gedrehten Gangsterfilme, vom richtigen Team zur rechten Zeit, ich könnte mir vorstellen, dass ein 1:1-Hollywood-Remake nicht halb so gut abschneiden würde.

9 Punkte

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