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Steven ist ein junger Student, der eine Videoarbeit für sein Studium abgeben muss. Eines Abends trifft er den mysteriösen Quaid, dessen charmante, aber doch zynisch-boshafte Art ihn sofort faszinieren. Was Steven jedoch nicht weiß, ist das Quaid ein massives Trauma hinter sich hat, nämlich den Tod seiner Eltern, welche von einem unbekannten eines Nachts mit einer Axt grausam vor seinen Augen getötet wurden. Die beiden gehen zusammen einen Kaffee trinken, und am nächsten Tag taucht Quaid bei Steven's Arbeit auf, und lädt ihn zu sich nach Hause ein, aufgrund eines Projektes, welches ihm vorschwebt, und welches auch gleichzeitig Steven's Arbeit für die Uni darstellen sollte. Dieses Projekt dreht sich um Urängste, und beinhaltet, dass freiwillige zu Quaid nach Hause kommen und vor laufender Kamera über ihre Urängste, und die Traumata, welche dazu geführt haben erzählen. Also fangen Quaid, Steven, und eine Mitschülerin von Steven, welche bald eine Beziehung mit ihm eingehen wird, dieses Projekt an. Quaid verheimlicht jedoch, dass er dieses Projekt nur gestartet hat, da er sich erhofft, durch die Konfrontation der Urängste anderer mit seinen eigenen Urängsten abschließen zu können. Als dies nicht fruchtet, fängt Quaid an, drastischere Maßnahmen zu ergreifen.

Nach dem erhabenen Midnight Meat Train nun die nächste Verfilmung einer der genialen "Books of Blood" Geschichten, der meiner Meinung nach besten Ansammlung von Horrorgeschichten überhaupt. Anders als Midnight Meat Train, dessen Geschichte ja nicht wirklich schwer zu verfilmen sei, ist die Geschichte "Dread" (zu Deutsch "Moloch: Angst") um einiges subtiler und theoretischer, und die Möglichkeit einer verhunzten Verfilmund ist weitaus größer. Obwohl die Resonanzen bisher durchweg positiv waren, habe ich mich natürlich direkt gefragt, ob selbige gerechtfertigt sind; Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden.

Fangen wir mal mit der Inszenierung an. Diese ist wirklich sehr gut, und vermitteln schon ab der ersten Sekunde ein sehr mulmiges und flaues Vorgefühl, obwohl der Film seinen wahren, destruktiven Charakter erst sehr spät offenbart. Die intensivsten und längsten Szenen finden in Quaids verkommen Haus statt, wo alles sehr rar beleuchtet und in warmen Farben gehalten ist, meiner Meinung nach genau die richtige Wahl, um die Handlung richtig zu unterstreichen. Die Kameraführung ist teilweise sehr interessant und aktiv, wirkt jedoch nie allzu verspielt, und die Schauspieler liefern allesamt eine sehr gute Arbeit ab, vor allem Quaid wurde sehr gut gecastet und spielt seine Rolle fabelhaft.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, und erst nach der Hälfte der Spielzeit zeigt die Geschichte ihr wahres, makaberes Gesicht. Zu Anfang beschäftigt sich der Film großteils mit den Ängsten der Teilnehmer, welche alle vor laufender Kamera ihre Kindheitstraumata erzählen. Zwar passiert hier aktiv nichts schlimmes, aber der psychische Druck der sich hier entfaltet ist wirklich grandios umgesetzt worden, und sanfteren Gemütern (sofern mal eines davon eine Barker Verfilmung schauen sollte) wird es wohl hier schon zu hart werden. Ein weiterer Aspekt, der diesen Grundtenor unterstreicht sind die Szenen, in denen Quaid Alpträume hat, und den grausigen Tod seiner Eltern immer und immer wieder Revue passieren lässt, denn diese werfen immer neue Fragen um die eigentlichen Motive Quaids auf. Die letzte halbe Stunde des Filmes ist dann absolut schrecklich, und gehört zu den wohl intelligentesten Psycho-Spielchen, die man jemals in einem Film sehen durfte; das Gefühl des absoluten Terrors, welche man beim Lesen der Barker Geschichte empfand, ist auch im Film absolut präsent, und keiner wird sich dem entziehen können. Man ist komplett gefesselt, abgestoßen und auch überrascht, denn die Geschichte schlägt am Ende unzählige Haken, und immer wenn man denkt, dass gleich das Ende kommt, wird es eigentlich noch schlimmer. Die ultimative Achterbahnfahrt, sehr diabolisch und fesselnd zugleich.

Es gibt auch Gewalt, aber meines Erachtens entfaltet die Wirkung des Filmes sich voll und ganz durch den angesprochenen unterbewussten, psychischen Aspekt, denn Urängste sind ja etwas allgemeines, womit sich jeder Mensch identifizieren kann, folglich ist die letzte halbe Stunde auch so grandios geworden. Deswegen überrascht es nicht, dass die graphische Gewalt nie ausufert, zwar gibt es einige sehr gut platzierte Splattermomente (wo dann auch wirklich drauf gehalten wird), aber diese stehen keinesfalls im Vordergrund. Daher überrascht mich die uncut Auswertung der FSK auch kaum. Nach dem psychischen Aspekt der Urangst ist das faszinierendste zweifellos der Charakter von Quaid, welcher sich erst nach und nach dem Zuschauer öffnet, obwohl paradoxerweise das Motiv seines Handelns schon direkt am Anfang bekannt gegeben wird.

Am Ende kommt dann die ultimative Auflösung, und die abartigen Handlungen Quaids bekommen einen philosophischen, fast schon faustischen Mantel verliehen, was die Eskalationen am Ende noch widerwärtiger und härter werden lässt.

Vom Ende werden auch einige sehr überrascht sein, und ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, würde ich sagen, dass die letzte Sequenz dem "normalen" Filmfan, aber auch so manchem Horror- und Splatterfan dann den endgültigen, metaphorischen Todesstoß geben dürfte, der die unruhigen Nächte und unguten Erinnerungen an die Aussage dieses Filmes endgültig machen dürfte.

Schlußendlich kann man sagen, dass "Dread" ein absolutes Meisterwerk ist, der den Geist des jungen, wilden Clive Barkers perfekt einfängt, und als eines der intelligentesten und zugleich verstörendsten Werke überhaupt bezeichnet werden darf, welches durch seine Faszination abstößt, und durch seine Realitätsnähe schockiert. Ich bin ernsthaft begeistert von dem Film, empfehle ihn uneingeschränkt und muss sagen, dass mich schon seit langem kein Film mehr so mitgenommen hat. Herausragende Arbeit!

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