Nach dem spannend umgesetzten „Midnight Meat Train“ konnte es mit den Verfilmungen von Clive Barkers Kurzgeschichten eigentlich nur bergab gehen und gerade bei der Geschichte „Moloch Angst“ wäre ein Drehbuchautor gefragt gewesen, der auf psychologischer Ebene sogar über jene Vorlage hinaus geht.
Dass das Werk des Regiedebütanten Anthony DiBlasi nicht völlig in die Hose geht, ist am ehesten seinem Gespür für eine bedrückend morbide Stimmung zu verdanken, - wenn der Rest schon keine sonderliche Tiefe betritt.
Es soll eine Projektarbeit der Studenten Quaid, Steven und Cheryl werden: Kommilitonen und Bekannte werden vor laufender Kamera nach ihren schlimmsten Ängsten befragt, doch das genügt dem psychisch labilen Quaid nicht, der als Sechsjähriger miterleben musste, wie seine Eltern von einem nie gefassten Killer mit einer Axt getötet wurden.
Erst setzt er seine Beruhigungspillen ab, dann will er den Ängsten seiner Projektfreunde etwas drastischer auf die Schliche kommen…
Die Idee einer Mischung aus Psycho-Thriller und reinem Terror-Kino ist durchaus willkommen, doch dafür bedarf es handfester Figuren mit Hintergrund oder zumindest einer beiläufigen Erklärung wie im Fall von Quaid, bei dem das Kindheitstrauma der einzig sichtliche Beweggrund für seine späteren Taten ist.
In seiner Oberflächlichkeit wirkt das im Kontext allerdings fast so, wie bei diesen unzähligen Slashern aus den 80ern: Kind sieht einen als Clown verkleideten Killer, der seine Eltern tötet und als Erwachsener zieht er sich selbst ein Clownskostüm über und beginnt das Morden.
Nur, dass hier die Anzahl der potentiellen Opfer an einer Hand abzuzählen ist.
Dabei kann DiBlasi stimmungsmäßig von Begin an Akzente setzen, verpackt das spärliche Ambiente in triste Farben und unterstreicht die dreckige Atmosphäre durch die grobkörnigen Bilder der Handkamera, die für die Aufzeichnungen der Interviews verwendet wird.
Dazu kommen Schauplätze wie eine schummrige Bar, ein Atelier im Keller oder ein schwach beleuchtetes Krankenhaus, während die dazugehörige Musikauswahl zwischen ruhigen Independent Songs und fast unauffälligen, dumpfen Hüllkurven all dies in angemessene Töne taucht.
Die überaus unaufgeregte Erzählweise, die zwischen Halluzinationen Quaids und der kleinen Dreiecksgeschichte um Cheryl wechselt, ist im Zusammenhang noch nicht einmal sonderlich störend, sondern eher die Tatsache, dass man zu keiner Figur eine sonderliche Nähe aufbaut, nicht einmal im negativen Rahmen. Diese Distanz führt letztlich auch dazu, im letzten Drittel kaum mit den Figuren mitfiebern zu können, obgleich einige Vorgänge durchaus intensiv und drastisch in Szene gesetzt werden, wodurch der Streifen im Gesamtbild auch noch einmal ein wenig die Kurve bekommt.
Jedoch zu spät, um das mangelhafte psychologische Fundament kaschieren zu können.
Ergo kommt erst im letzten Drittel ein wenig Spannung auf, während im Vorfeld bereits erahnbar ist, worauf die Sache hinauslaufen könnte. Mit dem Showdown erfüllt man somit lediglich gewisse Erwartungen, die an Vorlagen von Clive Barker geknüpft sind.
Darstellerisch durchwachsen (Jackson Rathbone ist als ruhiger Student Steven eine gute Wahl, Shaun Evans als traumatisierter Quaid eine völlige Fehlbesetzung), handwerklich solide, birgt der Streifen leider keinerlei Überraschungen und somit auch keine Pointe, die dem Kernthema des Streifens – die Ängste eines Menschen und deren Abgründe des jeweiligen Traumas – angemessen wären.
Phasenweise nett für Freunde psychischer Gewalt, aber nicht ordentlich genug ausgearbeitet, um mit irgendeiner Figur intensiv mitfiebern zu können.
4,5 von 10