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"Was war das schlimmste, dass du je erlebt hast?"

Der charismatische Quaid (Shaun Evans) leidet seit der Ermordung seiner Eltern unter Alpträumen. Gleichzeitig ist er fasziniert von den Ängsten seiner Mitmenschen. Er überredet Filmstudent Stephen (Jackson Rathbone) für seine Abschlussarbeit eine filmische Dokumentation über das Thema Furcht zu erstellen und interviewt mit ihm und Studienkollegin Cheryl (Hanne Steen) diverse freiwillige Personen. Mit dem Ergebnis erreicht Stephen eine außergewöhnlich gute Note. Für Quaid sind die Interviews aber nur die erste Stufe um seinen persönlichen Fluch zu überwinden. Er will wissen, ob eine Person ihre Angst verliert indem man sie mit ihr konfrontiert und schreckt nicht vor härtesten Methoden zurück.

In kurzer Folge ist "Dread" die nun dritte Verfilmung einer Kurzgeschichte aus Clive Barker's Büchern des Blutes. Moloch Angst lautet diese im Roman und handelt ungewöhnlicherweise mal nicht von Monstren, grotesken Figuren oder übernatürlichen Wesen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Abgründe der menschlichen Seele und somit subtiler, psychologischer Horror.

"Dread" lässt es ruhig angehen. Obwohl ein blutiger Axtmord und Alptraumvisionen hin und wieder die erste Stunde begleiten gilt die Aufmerksamkeit während dieser Zeit der Zeichnung der Figuren. Da die Kurzgeschichte von sich aus nicht genug Stoff liefert um ein Handlungsgerüst für einen abendfüllenden Spielfilm herzugeben wurde an dieser Stelle die Geschichte ausgebaut, Charaktere modifiziert oder neu dazu erfunden.
Hier obliegt dann auch das schwerwiegendste Problem von "Dread". Durch die Modifikation kommt es zu einigen Längen. Gleichzeitig wird die Zeit nicht genutzt um eine Nähe zu den Charakteren aufzubauen, zu diffus und klischeebehaftet sind die Figuren.

Entschädigend wirkt dann jedoch die letzte halbe Stunde in der die Spannungsschraube gnadenlos angezogen wird. Selbstverstümmelung sowie der Genuss von vergammelten Fleisch sind absolute Höhepunkte. Eine übersichtliche Anzahl von Wendungen und ein bitterböses Ende runden das temporeichere Finale ab.
Leider können weder die Intensität noch die spätere, durchaus packende Stimmung von "Dread" darüber hinwegtäuschen, dass der Film bezüglich des Potentials seines eigenen Themas, der Angst und ihrer Wirkung auf die menschliche Psyche, nur an der Oberfläche kratzt.

Im visuellen Bereich ist das geringe zur Verfügung stehende Budget sichtbar. Die Kulissen sind zwar schön schäbig, meist allerdings zu gering ausgeleuchtet. Einerseits steigert dies die Atmosphäre, andererseits wirken die Bilder unprofessionell, was das teils körnige Bild zusätzlich unterstreicht. Ein Soundtrack bestehend aus flotten Indiependent Songs untermalt die Bilderflut jedoch ordentlich.

Unterstützt wird "Dread" von einem jungen, noch recht unverbrauchten Cast, der sich allerdings kurioserweise nur mäßig in Szene setzt. Die Möglichkeiten für Jackson Rathbone ("Twilight - Biss zum Morgengrauen", "S. Darko - Eine Donnie Darko Saga") und Shaun Evans ("Cashback") sind durch das teils sperrige Drehbuch sichtbar eingeschränkt. Durch ihre bisherige darstellerische Erfahrung war allerdings mehr zu erwarten als nur präsent zu sein. Hanne Steen steigert sich zumindest noch gegen Ende des Films.

"Dread" muss sich  den Vergleich mit "Book of Blood" gefallen lassen. Beide verbauen sich den soliden Eindruck durch Längen im Erzählrhythmus und klischeebeladene Figuren, beide enthalten ein herrlich wendungsreiches Finale. "Dread" kratzt zudem etwas hilflos an der Oberfläche seines Themas, enthält ausdruckslose Darsteller in wichtigen Positionen und eine visuelle Präsentation, über die man sich streiten kann. Viele Kritikpunkte die zumindest die spannende, letzte halbe Stunde etwas schmälern kann. Knappe...

6 / 10

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