Review

Uwe Boll, der sich einen mehr oder weniger guten Ruf durch substanzlose Viedeospielverfilmungen erarbeitete, probiert mittlerweile mit ernsteren Themen, auf seine Filme auf sich aufmerksam zu machen. Und meine Fresse - nachdem ich letzte Woche nach dem Abspann von "Siegburg" (Stoic) im Schlafanzug applaudierend vor der Couch klatschte, bekam ich mehr Lust, mir die Boll-Jawoll-Sachen  anzuschauen. Diesmal an der Reihe: "Rampage".

"Rampage" handelt von einem Amoklauf - und wie bei Siegburg kann man fast behaupten, dass es auf wahren Begebenheiten beruht. Boll´s Inspirationen, wenn man es denn so nennen kann, hat er klar von den Amokläufen aus Winnenden oder Erfurt oder Columbine verwendet. Auch wenn es sich hier nicht um den "typischen" Schulen-Massaker-Amoklauf handelt.

Diesmal schickt er Evan Drice (Shaun Sipos) ins Rennen, der einen unglaublichen Hass auf die Menschheit hat, bei seinen Eltern wohnt, und den Weltuntergang in der sich vermehrenden Bevölkerung sieht. Während die Eltern denken, dass ihr Sohn artig College-Bewerbungen schreibt, baut sich Evan fleißig einen Kevlar-Anzug (=kugelsicher) zusammen, und zieht durch seine Heimatstadt, für möglichst viele, wahllose Menschen zu töten.

Man kann das Teil jetzt sehen (je nach Sympathie), wie man will. Sicherlich ist es nicht von der Hand abzuweisen, dass Bollo verdammt viele selbstzweckhafte Gewaltszenen eingebaut hat (die Spladder-Kiddies wird es freuen), jedoch wie geht man mit solch einem Thema um? Sollte man alles im Off zeigen?!? Das wäre meines Erachtens auch nicht die richtige Wahl.

Boll setzt dem Charakter des Evan Drice (Shipos spielt diese Rolle verdammt gut) wenige Klischees auf, die man normalerweise erwartet (Täter wird gemobbt, spielt Killerspiele etc.), sondern Drice ist einfach einer, der das ganze "System" nach dem wir leben, total scheiße findet und ein Ausrufezeichen setzen will. Demnach werden die Themen Nächstenliebe oder auch der Kapitalismus gut in Szene gesetzt. Höhepunkt ist der Besuch in der Bingo-Halle, in der Evan in voller Kampfmontur keinem das Haar krümmt, da er in allen einfach nur "gebeutelte Opfer der Gesellschaft" sieht. Und meine Fresse, ich weiß nicht ob ich schizzo bin, dennoch konnte ich manchmal kleine Sympathien für Evan empfinden (wehe, von euch Eumels sendet meine IP an die Cops), weil seine Moral im Ansatz nicht komplett verkehrt ist.

Jedoch gibt es einige Minuspunkte, da die Themen fast schon im Zeitraffer ohne große Substanz abgehandelt werden, und im letzten Kapitel dann doch noch in die Schiene abgedriftet wird, die dem Film nicht ebenbürtig ist.
Klar, solch ein Amoklauf ist ein sensibles Thema und wie oben schon geschrieben, kann ich mir dieses Thema nicht vorstellen, dass man komplett auf brutale Szenen verzichten kann.

Man kann sich "Rampage" schon anschauen, jedoch muss man es nicht. Es ist keine Unterhaltung, und wirklich schocken kann das Ding auch nicht. Dennoch ein ziemlich gelungener Beitrag in diesem Genre.

Wie bei vielen anderen Filmen, sollte man auch hier auf die Fassung achten, dass man sich den Film uncut anschauen sollte. Mittlerweile gibt es auch eine Uncut-Fassung, die in Deutschland erhältlich ist. Wer diese nicht bekommt, kann mal wieder den Einkauf in Österreich tätigen.

7,5/10

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