Niemand erwartet sich aus dem Genre des Slasherfilms eine wirkliche Innovation, dennoch finden sich seit dem Erscheinen von Freitag der 13. immer wieder mal gut gemachte Varianten, die das altbekannte Thema aufgreifen und der treuen Fangemeinde eine neue Version der Dezimierung einer (Teenager-)Schar darbieten. Daß dabei logischerweise auch einige fürchterliche Gurken abgedreht werden, versteht sich von selbst - Fear Island ist so ein Kandidat.
Die junge Jenna (Haylie Duff) ist die einzige Überlebende einer Gruppe Teenies auf einer Insel - als sie von der Polizei aufgegriffen und verhört wird, kann sie sich zunächst an nichts erinnern, erst langsam kommt ihr Gedächtnis zurück, und so verläuft der Film auch in rückblickenden Episoden. Daraus ergibt sich das bekannte Bild eines unsichtbaren Killers, der die Jugendlichen eine/n nach dem anderen abschlachtet und dabei, wie sich herausstellt, einem Rachemotiv folgt. Ganz am Schluß des Films gibts dann noch einen erwartbaren Plottwist, der allerdings viel zu spät kommt, um Fear Island noch eine spannende Wende zu geben... die mittlerweile eingeschlafenen Zuseher wachen gerade noch rechtzeitig auf, mehr aber auch nicht. Bis dahin gibt es jede Menge Logiklöcher, schwach umgesetzte kills und eine an den Haaren herbeigezogene Hintergrundstory à la Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.
Am traurigsten ist die schwache technische Umsetzung. Dies beginnt schon bei der Abfahrt der Yacht, als Jennas Ex-Freund zu spät kommt und per Hechtsprung noch an Bord gelangen will... wie er aber an der Reling ankommt, hat man mangels Stuntman dezent weggeschnitten, man sieht ihn abspringen - Schnitt - und er wird an Bord gezogen.
Das erste Opfer ist eine dunkelhaarige Hundebesitzerin, die ihren Handtaschenhund in einem beheizbaren winzigen Pool auf der Veranda vermutet und unversehens dort hineingestossen wird. Während der unbekannte Killer die Persenning (mit einem einfachen Clip-Verschluß!) schließt und das Thermostat aufdreht, verbrüht sich die Hundebesitzerin tödlich, wie an ihrer geröteten Haut erkennbar ist, als sie kurz danach von den Anderen wieder rausgezogen wird. Daß solche kleinen Pools niemals solch hohe Temperaturen erreichen können, da sie ja Freizeit-Sportgeräte und keine Kochtöpfe sind, wird dabei geflissentlich ignoriert.
Und weiter: Mehrere Teenies gehen im leicht hügeligen, aber nicht zu dichten Wald auf eine Lichtung zu und erkennen nicht, daß dort kaum 2 Meter über ihnen jemand kopfüber aufgehängt ist... rein technisch kann man dies gar nicht übersehen... aber auch Biologie-Freunde werden bedient: Giftschlangen warten in bewohnten Häusern geduldig auf Menschen und springen diese dann mit ausgeklinktem Kiefer an... und in dieser Tonart gehts den ganzen Film hindurch.
Schließlich die grenzenlosen Logiklöcher: Zunächst eine blinde Passagierin, über die sich niemand wundert, die im Haus mitaufgenommen wird und anscheinend alle Anwesenden kennt, jedoch nie gefragt wird, woher sie ihr Wissen hat... als klar wird, daß ein unbekannter Killer auf der Insel sein Unwesen treibt, zieht es die Hundebesitzerin vor, sich erstmal hinzulegen - allein, während die anderen suchen gehen... die verbliebenen Teenies bemerken am Steg, daß das Boot weg ist. Statt nach einem Rettungsboot zu suchen oder eventuell zu schwimmen fangen sie lieber ein Ratespiel an aus auf der Insel vorgefundenen Warnungen wie "Guilty", "Revenge" oder "Innocent". Und tatsächlich kommen sie auf einen Namen, den Namen einer schon länger vermissten Person... einfach unglaublich, was für Bocksprünge in Sachen Logik Fear Island den Zusehern zumutet.
Auch die Morde geschehen höchst unblutig und unspektakulär. Einer kriegt eine Schaufel auf den Hinterkopf, zwei springen beim Raufen über eine Ballustrade, wobei sich der eine anscheinend das Genick bricht, ein weiterer gerät in eine Bärenfalle und taucht erst begraben wieder auf, am Dämlichsten ist jedoch der Typ, der unterwegs über Walkie-Talkie von der Anwesenheit des Killers im Haus informiert wird und schnurstracks dorthin läuft. Im Haus jedoch schaut er als erstes in einen kleinen Küchenschrank (ja, da wird sich der Killer sicher verstecken) und wird dann von einer Cobra angesprungen (lachhaft umgesetzt) und stirbt...
Ein unausgereiftes Drehbuch, zum Teil miserabel umgesetzte, blutlose Morde, grenzenlose Logiklöcher im Verhalten der Teenies, eine billige Rachestory von einem gemobbten, häßlichen Entlein und dazwischen Schnipsel aus den Verhören der Gegenwart.
Zumindest aus den Differenzen des zuständigen Inspektors (der die Überlebende für eine Schwindlerin hält) und der Anwältin der Überlebenden (die ihr glaubt) hätte man etwas machen können, aber auch diese Chance wurde vertan. Am Ende verkehren sich deren Standpunkte, bis sie drauf kommen daß alles ein großer Schwindel war, aber da ist der Film schon vorbei. Dass die Darsteller zumindest ihre Rollen zumindest glaubwürdig rüberbringen oder die location "Ferieninsel" nett anzusehen ist, rettet Fear Island auch nicht mehr.