Beim Start in der Nähe von Nizza kollidiert ein deutsches Flugzeug leicht mit einer kleineren französischen Maschine. Zwar kommt es dabei nicht zum Absturz, aber nun ist die Steuerung der Passagiermaschine defekt. Da der Absturz Stunden später genau über Berlin erfolgen könnte, bereitet das Militär bereits Maßnahmen vor, um das Flugzeug notfalls abzuschießen, während die Mannschaft an Bord versucht, die Kontrolle über die Maschine wiederzuerlangen.
Deutsche TV-Produktionen haben in aller Regel nicht unbedingt den besten Ruf und wer beispielsweise die Funny-Movie-Reihe auf Prosieben verfolgt hat, dürfte auch wissen, warum dem so ist. Aber "Crashpoint", dessen Trailer im TV nicht allzu viel versprachen, ist überraschend gut geraten und hat mir als Genre-Fan hervorragend gefallen.
Sicherlich kann man "Crashpoint", wie im Grunde allen Genre-Vertretern, dabei durchaus eine gewisse Kalkulierbarkeit anlasten. Daher dürfte es wohl keinen Zuschauer so recht überraschen, dass ein paar vergebliche Versuche unternommen werden, um die Maschine kontrollieren zu können, ziemlich schnell zwei Militärflugzeuge mit geladenen Geschützen für den Ernstfall hinter dem Passagierflugzeug herfliegen, genauso, wie sehr schnell ersichtlich ist, dass es beim Showdown wohl zum Countdown kommen dürfte, der dann irgendwann unterbrochen wird. Aber diese Schwächen fallen nicht allzu stark ins Gewicht.
Denn spannend ist das Geschehen auch so. Die angsterfüllte, ungewisse und klaustrophobische Atmosphäre auf dem Flugzeug wird nämlich hervorragend eingefangen und bietet den Rahmen für diesen spannenden und hochdramatischen Katastrophen-Thriller, dessen Grund-Szenario wohl so ziemlich den düstersten Alpträumen eines jeden Zuschauers entsprechen dürfte.
Die Charaktere unterliegen zwar größtenteils gewissen Klischees, angefangen beim alten, recht ausgebrannten Piloten, über den jungen, engagierten Co-Piloten, bis hin zu den Passagieren, unter den sich eine handvoll echter Helden befindet, bzw. anfangs panischer Passagiere, die sich schließlich als solche erweisen und dies zieht sich bis hin zum Quoten-Arschloch durch die Bank. Aber alle Beteiligten agieren zu jedem Zeitpunkt verständlich und realistisch und dies gilt auch für die Beteiligten am Boden, die mit aller Macht versuchen, die Maschine doch noch zu retten, bzw. Maßnahmen treffen, um den Absturz über Berlin verhindern zu können. Und genau hier liegt die Stärke des Films: Die ausweglose, alptraumhafte Situation wird trotz der einen oder anderen Wendung, die ein wenig über das Ziel hinausschießt, unterm Strich realistisch eingefangen und so sind Spannung, Dramatik und Atmosphäre vorhanden und steigern sich bis zum Ende hin permanent.
Eine gute Regieleistung also von Thomas Jauch, der zuvor eigentlich nur durch Krimis wie "Tatort" oder "Schimanski" aufgefallen war. Wäre noch zu erwähnen, dass die wenigen Effekte zwar nicht allzu gut gelungen sind, für eine deutsche TV-Produktion aber durchaus einiges hermachen, dass der Erzählfluss konstant ist und keine Längen aufkommen lässt und so hervorragende Unterhaltung geboten wird, auch wenn die Dramaturgie zum Ende dann doch ein wenig zu überzogen und aufgesetzt daherkommt.
Die Darsteller runden die erfreulich gute Eigenproduktion von Prosieben ab, wobei die altbekannten Routiniers wie Hannes Jaenicke oder Michael Brandner sehr positiv auffallen. Sie besonders hervorzuheben wäre den anderen, teilweise relativ unbekannten Darstellern gegenüber aber auch nicht fair, denn alle Beteiligten füllen ihre schablonenhaften Charaktere sehr gut aus und dies wäre auch bei einer amerikanischen Großproduktion vermutlich nicht besser gewesen.
Fazit:
Zwar finden so ziemlich alle Genre-Klischees Verwendung, aber "Crashpoint" bietet dennoch sehr gute Unterhaltung. Die ausweglose, alptraumhafte Situation auf dem Flugzeug wird nämlich eindringlich und vor allem anfangs und im Mittelteil recht authentisch vermittelt und so werden Spannung und Dramatik permanent gesteigert, zumal auch narrativ und darstellerisch Versiertes geboten wird. Hat mir als Genre-Fan sehr gut gefallen, ist aber auch ansonsten eine klare Empfehlung wert.
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