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Nach seinem Spielfilm-Erstling „Bad Taste“, der splatterlastigen Muppet-Show- Variation „Meet the Feebles“ und einigen neuseeländischen Filmförderungen hatte Regisseur Peter Jackson, heutzutage hinlänglich bekannt durch das hier zu besprechende und mittlerweile zum Kultstatus avancierte Werk sowie „Heavenly Creatures“ und der Tolkien – Verfilmung „Der Herr der Ringe“, endlich das Budget für sein Traumprojekt „Braindead“.

Und Jackson schaffte es, seine Vision zu verwirklichen:
Jenseits aller Horrorkonventionen und Genrevorgaben etablierte er mit viel schwarzem Humor den vielleicht blutigsten und in der Darstellung härtesten Horror-Splatter-Streifen aller Zeiten: „Braindead“.

Dabei fängt der Film noch harmlos an: Eine absurd – exotische, zufällig bei einer Expedition gefundene, bissige Stopmotion-Knet-Effekt – Kreatur auf der einen Handlungsebene, eine Teenie – Story mit Pubertätsproblem und Mutterdominanz auf der anderen, alles noch wenig spektakulär; erst Jacksons Zusammenführung der Storylines, ein einziger Biß, der im Effekt zombieartige Mutationen inklusive kannibalistischen Neigungen nach sich zieht, macht „Braindead“ zu dem, was er ist:
Ein ultrahartes und ultrablutiges Dauergemetzel mit nie gesehenen Splattereffekten aller Coleur und Metzeleien in allen nur erdenklichen Variationen, liter-, ach, fässerweise Blut, Tonnen von Gedärmen, und, sagen wir, den „innovativsten“ Amputations- und Fress-Szenen aller Zeiten.
Jackson zelebriert in „Braindead“ sein Schlachtfest in nie gekannter und erlebter Intensität und rief damit sämtliche Jugendschützer auf den Plan, die den gesamten Film wegindizierten, da man die Kürzung auf, na ja, vielleicht zehn „ungefährlich einzustufende“ Minuten“ wohl doch nicht verantworten wollte, nur um die Popularität des Films indirekt damit noch weiter zu steigern.

Doch zum Glück gab und gibt es genügend Kritiker, die abseits des unbestrittenen Über – Härtegrades des hier Gezeigten hinter die Holzhammerfassade der Splatterorgie blickten: Und dann entdeckt man eben sehr schnell, dass Jackson nicht nur den Höhepunkt des Splatterfilm -Genres, sondern auch den ironischsten Abgesang auf dieses, das größte eigene „auf die Schippe nehmen“, mit seinem Werk vorgelegt hat.
Die absurde Szenerie, die grotesken Abläufe und Einfälle, die gesamte Inszenierung ist derart übertrieben, selbstironisch und voll von derbe schwarzem Humor, dass das Gemetzel zwangsläufig wirklich witzig wirkt und als echter Comedy – Splatter gewürdigt werden muss.

Wenn man sich als Zuschauer dabei erwischt, herzhaft über eine eigentlich abstoßende Szene zu lachen, in der jemand von seinen eigenen Gedärmen verfolgt wird, muss doch ein Funken Genialität in der Inszenierung mitschwingen, oder...?
Den kultigen Höhepunkt des Metzelfestes bildet selbstverständlich die vielzitierte Rasenmäherszene, darüber muss kein Wort mehr verloren werden.

Man mag an „Braindead“ sicherlich bemängeln, dass die Darsteller, die ihre Sache gemäß den hier gestellten Anforderungen wirklich OK machen, natürlich keine wirkliche Schauspielklasse besitzen, ebenso ist an der vielfach gelobten „Hintergrundstory“ sicherlich kaum nennenswertes zu finden.

Aber um all das geht es Jackson bei „Braindead“ auch gar nicht: Er hat mit seinem Werk jenseits von Suspense-Horror einerseits und Genreklischees andererseits zweifelsohne den ironisch - schwarzhumorigen Höhepunkt der Zombie- und Splatter – Filmwelt vorgelegt, kein (!) cineastisches, aber ein genreinternes Meisterwerk, das wohl niemand jemals wird kopieren können.

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