Review

"Braindead" gehört zu jenen Filmen, die einst wie "Tanz der Teufel" von hiesigen Jugendwächtern und Moralaposteln ganz schnell verbannt und beschlagnahmt wurden. Auch wenn die Mühlen der Bürokratie ansonsten recht langsam mahlen - zumindest wenn tausende Liter Filmblut, abgetrennte Gliedmaßen und sonstiges Gekröse in Umlauf sind wird selbst der verschlafenste Sesselpupser zum Akkordarbeiter und der Beschlagenahmebeschluss in Lichtgeschwindigkeit ausgestellt.
Umso verwundernswerter, dass es dieses Schlachtfest immer wieder zu einer der vielen Veröffentlichungen geschafft hat, von denen ich mir nun erlaube, die Fassung aus der Blood Edition genauer unter die Lupe zu nehmen.

Peter Jacksons Splatter-Comedy lief zu einer Zeit in den Kinos, als ich selbst noch jung und knackig war und mit meiner damaligen Freundin  in das kleine Lichtspielhaus unseres Vertrauens ging, um in der Dunkelheit alles zu genießen - nur nicht den Film.

Umso überraschter war ich nach gestriger Sichtung darüber, wie gut "Braindead" letzten Endes doch ist. Für meinen Geschmack sicherlich kein Film, den ich mir immer wieder angucken würde, aber immer noch gut genug für einen gemütlichen DVD-Abend.

Peter Jackson, der zuvor mit Low Budget-Produktionen wie "Bad Taste" oder "Meet The Feebles" von sich Reden machte und später mit seiner "Der Herr der Ringe"-Trilogie und dem opulenten "King Kong"-Remake zum Oscar-Abräumer wurde, inszenierte eine splattrige Horrorkomödie jenseits des guten Geschmacks, hatte dabei aber immer ein Auge auf ein großes Vorbild gerichtet: Sam Raimis "Tanz der Teufel" oder vielmehr dessen witzigere Fortsetzung.
Und so wird auch der Zuschauer bei "Braindead" mit Dämonen und Zombies konfrontiert, die nicht durch irgendeine Zauberformel erweckt werden, sondern durch den Biss eines überaus häßlichen Äffchens, dass auf Skull Island beheimatet ist - ebenso wie übrigens sein großer Bruder  Kong.

Zusätzlichen Reiz gewinnt Jacksons Film schon allein dadurch, dass er in den 50er Jahren spielt und schon als kleine Zeitreise sehr viel Laune macht.
Neben der Mode der damaligen Epoche sorgen vor allem das aus vielen skurrilen Personen bestehende Ensemble, eine gesunde Mischung aus Slapstick, Situationskomik und aberwitzigen Absurditäten für viel Spaß und einige lautstarke Schenkelklopfer.

 Timothy Balme als Lionel erscheint mir für die Rolle des von seiner Mum untergebutterten Muttersöhnchens die Idealbesetzung - er ist das, was Bruce Campbell als Ash für "TdT" war.
Auch Elizabeth Moody als Mum ist perfekt besetzt und zählt sicherlich zu den großen Highlights des Films, genauso wie der Karate kämpfende und omnipotente Gemeindepfarrer, Onkel Les, der Glühbirnen- und der Gartenzwergzombie. Nicht zu vergessen Baby Selwyn, dessen Auftritt im Stadtpark unübertrefflich ist, genauso wenig wie Mums Essen mit der Vorstandsvorsitzenden der Wellington-Stiftung.

Ja, ja - "Braindead" ist schon wirklich herrlich schräg und nebenbei gibts dann auch noch ein paar wirklich deftige Splattereinlagen zu genießen.
Der Goregehalt ist natürlich so überspitzt, dass das ganze blutige Treiben schon nicht mehr ernstzunehmen ist. Doch wenn einem Prüfgremium neben Fingerspitzengefühl noch etwas anderes fehlt, dann ist es offensichtlich der Sinn für Humor.

Dass Lionels Mum dann zum Finale zur Grandmum mutiert ist für meinen Geschmack zwar etwas übertrieben, passt sich aber dem grotesken Charme des Werkes nahtlos an.

Darstellerisch und inszenatorisch in allen Belangen ein kleines Meisterwerk des schlechten Geschmacks und für Freunde derben Splatters und obszönen Humors durchaus empfehlenswert.
Allen anderen empfehle ich sich die Zeit mit einem Teller Erbsensuppe zu vertreiben.

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