Gäbe es im Guinnes Buch der Rekorde die Kategorie "Blutigster Film aller Zeiten", "Braindead" hätte den Eintrag sicher. Um kaum einen anderen Film rankten sich damals auf dem Schulhof so viele Gerüchte und Legenden wie um Peter Jacksons vierten Film. Keiner hatte ihn gesehen aber jeder meinte, er wär das härteste, was wohl jemals auf Film gebannt wurde.
Inzwischen hat er natürlich viel von seinem damaligen Zauber verloren, da er im Grunde nur ein weiterer Funsplatter ist, bei dem es eben blos etwas mehr Blut als gewöhnlich gibt. Seine Anzeihungskraft liegt eher in den Details, welche ihm von der Masse seiner Konkurrenten abhebt.
So ist die Story nicht nur Mittel zum Zweck sondern ein wichtiger Bestandteil des Filmes und Peter Jackson lässt sich nach der blutigen Einleitung auch sehr viel Zeit bis zum nächsten Schlag in die Magengrube des Zuschauers und arbeitet erstmal ausführlich die Charaktere aus.
Diese overacten ganz im Stile des Films, in dem sowieso alles übertrieben ist und der so fast zur Karikatur eines ganzen Genres wird. Das Muttersöhnchen Lionel wird perfekt von Timothy Balme verkörpert, der im Verlaufe des Films eine glaubwürdige Entwicklung vom schüchternen postpubertären Teenie zum durchsetzungsfähigen Erwachsenen durchmacht und so am Ende seine große Liebe Paquita erobern kann.
Und um diese Thematik dreht sich auch der Film (nicht etwa um die Effekte) und gerade das macht ihn so sehenswert, da er eben nicht nur Kost für eine kleine Zielgruppe bietet sondern neben all dem Splatter und Humor auch noch eine ernste Geschichte vermitteln kann.
Trotzdem ist der Blutgehalt natürlich einer der "must-see" Argumente von Braindead, denn wenn es hier nach der Hälfte des Films erstmal losgeht, dann richtig! Ganz im Sinne feinsten britischen Humors àla Monthy Python wird hier gegen jede Moral und Regel verstoßen, die es im Kino gibt. Und das sieht garnichtmal schlecht aus, denn das Organisationstalent Jackson hat das Budget wirklich gut genutzt und stellenweise beängstigend glaubwürdige Effekte geschaffen. Diese sind trotz der unglaublichen Gewalt (und hier ist das Wort "unglaublich" auch angebracht) immer mit einem Augenzwinkern und einer netten Idee versehen, so dass man nie den Drang wegzusehen hat. Im Gegenteil, man schaut noch genauer hin, lacht und erfreut sich an dem offensichtlichem Spaß, den die Macher dieses Filmes hatten.
Ein überdurchschnittlicher Splatterfilm also, der besonders Freunden guter Effekte und von schwarzem Humor ans Herz gelegt sei.
9/10