Heutzutage kennt ihn jeder - Peter Jackson. Mit seiner monumentalen "Herr der Ringe"-Trilogie ist ihm längst ein Denkmal in der Filmgeschichte sicher. Er machte das für unmöglich Gehaltene möglich, schuf eine Welt, die als unverfilmbar galt. Doch vor "Herr der Ringe" gab es auch noch eine Zeit. In dieser - alle Fans der hyperbolisch spritzenden Blutfontänen werden es natürlich wissen - erarbeitete sich Peter Jackson einen etwas anderen Ruf - einen Ruf als Splattergott. Mit "Braindead" erreichte er zweifellos seinen Höhepunkt als Splatterregisseur. Er erschuf eine wahre Legende, den Film, der in allen "Was-ist-der-blutigste-Film-aller-Zeiten?"-Aufzählungen immer ganz oben auf dem Throne weilt. "Braindead", der Olymp des Splattergenres - so hieß es zumindest immer in den ehrfürchtigen Erzählungen.
Der Erzähler war ein selbstbewusster Typ und zog stets in unnachahmlicher Abgeklärtheit an seiner Zigarette, erzählte mit künstlich aufgeblähter Brust von diesem einen Film, diesem "Braindead", und schwor rülpsend auf seinen Bierkodex, dieser sei das ultimative Gehacke, es gäbe nichts Vergleichbares. Ja, es ist schon ein unheimlich gehyptes Werk, dieser "Braindead". Erklingt der Titel, werden die Genossen von der Splatterfront gleich ganz pathetisch. Dann lässt sich beobachten, wie ihre Augen blitzen und der Speichel in einem Automatismus aus ihren Mündern trieft. Wer will es ihnen verdenken? In "Braindead" leiden die Akteure, ob tot oder untot, zugegeben unter extremem Bluthochdruck. Der rote Saft spritzt in alle Richtungen. Es ist ein gewaltiges Schlachtfest, was Peter Jackson hier feiert. Einmalig exzessiv, überzogen und innovativ. Auf die Frage nach etwas Vergleichbarem würde man wohl "Premutos" am ehesten zu Rate ziehen - obwohl dieser in seinen Ausuferungen noch klassisch mit dem Holzhammer zu Werke geht und das Wörtchen Innovation gleich mit in den Boden stampft.
Den Sinn des Ganzen hier zu erschließen, fällt nicht schwer - es sei denn, man ist fundamentalistischer Jugendschützer. "Braindead" ist Unterhaltung, vornehmlich Unterhaltung durch Gewalt. Wenn man Splatter und Slapstick kreuzt, dann ist das Produkt Splatstick. Und Peter Jackson perfektioniert diese Kreuzung, bisweilen mit viel außergewöhnlicher Kreativität und schier unbeirrbarem Einfallsreichtum. Seine Ideen sind reichlich sonderbar. In "Braindead" führen Eingeweide ein Eigenleben, Priester beherrschen die Karatekampfkunst und Zombies zeugen Babys. Die Überzeichnung gewaltbeinhaltender Aktionen kennt keine Grenzen; sie gipfelt schließlich in der Szene, in der eine Zombiearmee mit einem Rasenmäher zerhäckselt wird. Einerseits ein Grund, kräftigst rumzusauen, andererseits mehr denn je Ausdruck für diese einzige filmische Hyperbel.
Jacksons Einfälle sind wahrhaft unheimlich und reichen von abgedreht und schwarzhumorig bis hin zu ekelig und pervers, ohne dabei ihren zwerchfellvergewaltigenden Charakter zu verlieren. Die Intelligenz ist nicht gefragt, wird jedoch auch nicht beleidigt; dem Charme des Werkes sei Dank. Die Hauptfiguren Paquita und Lionel sind in ihrer Naivität, Kindlichkeit und Ungeschicklichkeit ausgesprochen sympathisch. Insbesondere die ersten Annäherungsversuche der beiden inszeniert Jackson mit einem ordentlichen Schuss karikaturistischer Infantilität und Klischeebeladenheit, sodass der Film selbst hier weitab des Splatters gut funktioniert. Nur gelegentlich füttert er den Zuschauer in dieser ersten Hälfte mittels comichaften Gewalteinlagen an und bereitet ihn auf das Bevorstehende vor. Doch getragen wird der Film in dieser ersten Phase vielmehr von gewaltfreiem, charmantem Humor.
Letztendlich kann man den im Übrigen technisch fast einwandfreien und mit einer überdurchschnittlich guten Kameraarbeit aufwartenden "Braindead" deshalb durchaus auch Abwechslung bescheinigen. Jackson versuchte nicht nur mit Fließbandsplatter zu glänzen, sondern seinem Film ebenso Charakter und Charisma zu verleihen. Der überdimensionale Lorbeerkranz ist dennoch den originellen, exzessiven und unglaublich humorvollen Splatterszenen zu verdanken. Zurecht wird "Braindead" deshalb als Referenzwerk des Genres und als Eldorado für Splatterbegeisterte gefeiert. Er ist ohne Zweifel erstklassige, irreal überzogene Unterhaltung - mehr aber auch nicht. Die Kirche kann also im Dorf gelassen werden.