Review

ACHTUNG SPOILER

Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.
(Hinweis: Dieses Review beruht auf der ungeschnittenen FSK 18 - Version)

NIGHTMARE 3 - FREDDY KRUEGER LEBT

Story:
In der Jugendpsychiatrie von Springwood wird die völlig verstörte Kristen Parker eingeliefert – sie scheint sich von irgendjemandem bedroht zu fühlen und setzt alles daran, nicht einzuschlafen. Für die inzwischen zur Psychologin herangereifte Nancy Thompson, die ihre Alpträume vor nunmehr sechs Jahren selber nur um Haaresbreite überlebte, steht fest: Freddy Krueger ist zurück und nistet sich in den Träumen der Jugendlichen ein. Den behandelnden Psychologen, Dr. Neil Goldman, kann Nancy von der Wahrheit überzeugen, die anderen Mitarbeiter der Station jedoch erkennen die Gefahr nicht. Nach kurzer Zeit sind die ersten Todesfälle zu beklagen. Ein Jugendlicher begeht allem Anschein nach Selbstmord, ein Mädchen wird mit dem Kopf im zwei Meter über dem Boden installierten Fernseher hängend gefunden. Als ein weiteres Mitglied der Gruppe ins Koma fällt, müssen die verbleibenden Teens handeln. Sie schließen sich zusammen um Freddy im Traum gegenüberzutreten . . .

1987 sollte für die NIGHTMARE – Reihe das bis dato größte Jahr werden. Denn obgleich das Budget für DREAM WARRIORS nur um eine Million auf insgesamt $4 Mio. erhöht wurde, machte der Film rein optisch einiges mehr her als die eher düsteren, ‚schlichten’ ersten beiden Teile. Alleine auf dem amerikanischen Markt über $66 Mio. Einnahmen (Video inkl.) – das ließ den dritten Teil zum bis dato erfolgreichsten Horrorfilm überhaupt aufsteigen und war die Diamantenkrone in NEW LINE CINEMA’s bisheriger Goldgrube.

Mit Wes Craven als Executive Producer an der Seite zeigte Chuck Russel, wie stimmig man auch mit relativ kleinem Geldbeutel einen Horrorfilm inszenieren kann. ‚Massentauglicher’ als der bisherige Stoff und dennoch bei weitem nicht so knallig wie der Nachfolger, bot NIGHTMARE 3 etwas, was nicht viele Filme dieser Art schaffen – sowohl die breite Masse, als auch den spezifizierten Fan zufrieden stellen.
Nachdem FREDDY’S REVENGE einen mehr oder weniger eigenen Storypfad eingeschlagen hatte und eher auf mittelmäßige Begeisterung gestoßen war, ließ man hier wieder Freddy in Reinkultur zurückkehren – tatsächlich sind die Sprüche hier die bislang dreckigsten, tatsächlich lässt sich phasenweise sogar eine kleine Portion schwarzer Humor ausmachen, was der Reihe bis dahin völlig fremd gewesen war. Nancy Thompson aus dem Original wurde reanimiert, um mit ihrem Wissen nun anderen Jugendlichen die Haut zu retten.
Diese bestehen aus zufrieden stellenden bis drögen Akteuren, von denen sich zwei noch in Teil 4 zeigen sollten. Patricia Arquette hat es ja inzwischen mehr oder weniger zu Starruhm gebracht, ihr Bruder David genießt in der Horrorszene aufgrund seiner Figur in den SCREAM – Filmen Kultstatus.
Bereits die Eingangsszene gibt die Linie klar vor – hier wird auf den Schock, auf die Effekte Wert gelegt. Ein Raum voller aufgehängter Leichen, ein skeletttiertes kleines Mädchen – und zack ist der Alptraum vorüber. Doch er wird wieder kommen. Und das macht er dieses Mal experimenttierfreudiger denn je. Ob Freddy nun als gigantischer Wurm aus dem Boden geschossen kommt, sich in einem Fernseher versteckt hält oder als Marionette an der Wand hängt – er ist überall; die Tricktechniker bekamen also einiges mehr zu tun. Logisch, dass der Film mit der ‚Marionetten’-, der ‚Fernseher’- oder auch der ‚Krankenschwester’ – Szene eine leicht augenzwinkernde Note erhält.

Dass somit die finstere Keller-Hatz endgültig vorbei ist, stört hier noch relativ wenig. Die Story spult das ausgeleierte Wenn-du-einschläfst-stirbst-du-also-versuch-wachzubleiben-Band nicht vollends motivationslos runter. Sie verlegt die Location in die Anstalt, bringt eine neue Palette Personen ins Spiel und kann mit einigen Neuheiten aufwarten, wie zum Beispiel, dass sich dieses Mal mehrere Leute in ihren Träumen verbünden können und somit nicht alleine sind.

Optisch ist die Farbpalette dieses Mal deutlich abwechslungsreicher und großzügiger ausgefallen. So existierten für den Film viele verschiedene, teilweise recht aufwändige Sets, sei es für die Räume in der Klinik, die Finalszenen in Freddy’s ‚Zuhause’, die ‚Hexenmeisterszene’ oder auch Taryn’s Konfrontation mit dem Narbengesicht. Was der Film dabei nicht außer Acht lässt: dass er ein Horrorfilm ist und somit zwischen den schön anzusehenden Bauten und special effects auch gute Schocks und zwischendurch einige düstere Bilder bieten muss. Und diese Balance hat Regisseur Chuck Russel sehr gut hinbekommen. Dunkelheit auf dem Autofriedhof, auf dem Freddy’s Überreste liegen – Rottöne beim Heizungskeller am Ende, kühles Blau und Schwarz, wenn der ‚Hexenmeister’ Krueger besiegen will, ebenso dunkle Farbauswahl in der Anfangsszene im Elm Street – Haus, warme und einladende Farbtöne im Fernsehzimmer in dem Jennifer umgebracht wird. Somit gelingt dem Film etwas, was Teil 4 leider nicht mehr beherrschte: optische Abwechslung bieten, ohne den Film bunt oder zu poppig wirken zu lassen.

Dass man bei einem Elm Street – Movie die Rottöne allerdings nicht nur im Heizungskeller sehen will, ist klar. Dennoch muss man leider sagen, dass die MPAA einiges an Gore entfernte, so dass der Film wieder einmal wahrscheinlich um seine schönsten Momente beraubt wurde. Die Aktionen, die Freddy dieses Mal mit den Teens und Twens abzieht, sind dafür extrem kreativ und in einigen Szenen wie immer auch ganz schön graphisch (besonders hervorzuheben ist hier natürlich die ‚Marionetten’ – Sequenz, bei der Krueger die Adern von Phillip als Fäden missbraucht). Zartbesaitete werden also mehr als ordentlich bedient werden, eingesessene Gore-Junkies müssen sich nun mal mit dem begnügen, was da ist.

Was zu sagen bleibt: Teil 3 wirkt wieder um einiges ausgewogener als der Vorläufer, man merkt einfach, dass Wes Craven wieder am Drehbuch mitgebastelt hat. Abgerundet wird das Ganze durch den schönen Titeltrack „Dream Warriors“ der damals noch weit erfolgreicheren Rockband DOKKEN. Fans der finsteren Töne, welche in Teil 1 und 2 herrschten, werden kräftig schlucken müssen, ich denke aber, dass trotzdem Freddy’s Umwandlung vom Kellermonster zum Massenentertainer mehr als gut gemeistert wurde. Somit ist der Ruf des Films, hinter dem Original der beste NIGHTMARE zu sein, gar nicht mal so unberechtigt.

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