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Mit „You Only Live Twice“ sollte, trotz Reaktivierung bekannter Elemente, frischer Wind in die Franchise gebracht werden und so erkor man Japan zum Schauplatz des 5. Bond-Abenteuers aus. Regisseur Lewis Gilbert („The Spy Who Loved Me“, „Moonraker“) feiert hier seinen Einstand und sieht sich mit der schwindenden Motivation seines Hauptdarstellers Sean Connery („The Name of the Rose“, „The Rock) gleich vor ein größeres Problem gestellt. Dem Medienrummel in Japan war es schließlich zu verdanken, dass Connery, der dort nur als James Bond bekannt war und angesprochen wurde, zunächst aus der Reihe ausstieg, um nach George Lazembys einmaligem Auftritt wieder in seine Paraderolle zu schlüpfen.

Mal abgesehen vom Kulissenwechsel Südsee gegen Fernostexotik viel niemandem etwas Neues ein und so wird die einmal mehr den Weltfrieden bedrohende Organisation SPECTRE (die deutschen Übersetzer nannten sie in den vorrangegangenen Filmen Phantom) reaktiviert, um Bond auf den Plan zu rufen. Indem sie im Orbit befindliche Kapseln nebst Astronauten kidnappen, will sie die beiden Supermächte gegeneinander aufhetzen und einen 3. Weltkrieg provozieren.

Das ist angesichts der üblichen Feindbilder leider keine sonderlich ausgefuchste Geschichte und so müht man sich redlich möglichst viel japanische Exotik unterzubringen. Da darf Sean Connery dann später mit mächtig viel Make-Up zum Japaner umfunktioniert werden und mit einer Armee Ninja trainieren, um später dann zum Großangriff auf SPECTREs Basis zu blasen. Dort ist übrigens zum ersten Mal das Gesicht des Katzen kraulenden Oberschurken Blofeld (Donald Pleasence, „Halloween“) zu sehen. Seiner Mieze entledigt er sich übrigens final eigenartig fix...

Wo es an der Story mangelt, macht die Action einiges wieder wett. Insbesondere der Hubschrauberkampf und die lange Autoverfolgungsjagd sind einmal mehr in ihrer Zeit außergewöhnlich gut inszenierte, mit Spezialeffekten vollgestopfte, Spektakel, die Maßstäbe setzten, heute allerdings nur noch Nostalgiker auf den Plan rufen. Dazwischen sind immer wieder typische Franchisemotive vorzufinden. James Bond darf mit etlichen Gimmicks aus dem Hause Q spielen, Blofeld verschleißt seine Mitarbeiter und die knapp bekleideten Frauen reißen sich um den smarten Geheimagenten. Dabei sind die Bond-Girls diesmal, besonders auf japanischer Seite, beliebig austauschbare Gesichter, während unser Export Karin Dor („Der letzte Mohikaner“, „Topaz“) zumindest ein bis zwei gute Szenen hat. Neben Sake trinken und viel zu simplen Nachforschungen in einem verdächtigen Konzern fällt James Bond leider kaum Arbeit zu, was dann wiederum ein weiterer Beweis für das arg dünne und spannungslose Skript ist.

Sean Connery selbst ist seine schwindende Lust leider deutlich anzumerken. Die Lockerheit ist verflogen und die trockenen Kommentare haben hier Seltenheitswert. Viel zu ernst und ohne die seine Figur sonst so prägende Abgeklärtheit gegenüber jeglichen Problemen, scheint er endgültig den Spaß an seiner Rolle verloren zu haben. Der erzböse, machthungrige Donald Pleasence ist dann in seiner kurzen Screentime der einzig positiv auffallende Schauspieler.


Fazit:
„You Only Live Twice“ ist Bestandteil einer, nach „Goldfinger“ einsetzenden, Schwächeperiode, die dann erst mit „Live and Let Die“ ihr Ende fand. Trotz seiner Kulissenauffrischung gehört dieser Bond-Film dank seines schwachen Plots und eines kaum noch motivierten Sean Connery eindeutig zu den schwächeren Teilen der Reihe. Das soll nicht heißen, dass sich hierhinter keine Qualität verbirgt, nur von dem Perfektionismus eines „Goldfinger“ ist man hier einfach meilenweit entfernt.

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