Bond Nummer 5 kam 1966 heraus, und es sollte Sean Connerys letzter Auftritt als Agent 007 werden. Sollte - tatsächlich ließ er sich dann doch noch zweimal zu der Rolle überreden. "Man lebt nur zweimal" stellt aber auch ansonsten einen gewissen Schlusspunkt der Filmreihe, wie sie bisher bekannt war dar.
Blofelds Verbrecherorganisation SPECTRE versucht erneut, einen Krieg zwischen den USA und der UdSSR zu provozieren, indem man mehrere Raumkapseln beider Nationen im Weltraum entführt. Während die Großmächte schon mit den Säbeln rasseln, schickt der MI6 Bond nach Japan, wo er die Raketenbasis der Entführer finden soll. Doch um das zu schaffen, muss Bond zum - Japaner werden...
"Man lebt nur zweimal" ist eindeutig der bis dahin schwächste Bond-Film. Das heißt aber noch lange nicht, dass er nicht sehenswert wäre - im Gegenteil.
Der teaser präsentiert mit der US-Raumkapsel in der Erdumlaufbahn eine mehr als ungewohnte Umgebung selbst für die Bond-Filme. Leider waren sämtliche dazugehörigen Trickaufnahmen schon in den 60ern allenfalls durchschnittlich, heutzutage sind sie nur noch lächerlich. So wirkt das Raumschiff, das die Kapsel "verschluckt", wie aus einem japanischen Trash-Spektakel. Apropos Japan, nach dem originellen Auftakt in Hong Kong verschlägt es Bond nun in das Land der aufgehenden Sonne, das damals noch viel mehr als heute technologisch weit voraus war und kulturell völlig fremd wirkte. So darf Bond einen Sumo-Kampf besuchen, die Wände aus Papier begutachten und zusammen mit dem Zuschauer die technischen Spielereien der Japaner bewundern. Ebenso kurzweilig wie originell diese anfängliche Handlung auch ist, kleine Mängel fallen doch auf: Wie Bond in die Zentrale des Osato-Konzerns gelangt, grenzt schon an ein Wunder. Außerdem zeigt sich, dass es dem Film an echten Schurken mangelt: Osato selbst und Karin Dor als böses Bond-Girl Helga (?) sind kaum mehr als simple Handlanger Blofelds, den man bis kurz vor Schluss überhaupt nicht zu sehen bekommt. Somit fehlt dem Film, was den Vorgängern immer den gewissen Biss gegeben hat, nämlich das "Schäkern" Bonds mit dem jeweiligen Schurken über den ganzen Film über. Außerdem mangelt es an markanten Gegnern, die Bond auch mal im Zweikampf gegenüberstehen könnten (wie zuvor Grant, Oddjob, oder sogar Largo). Vom Drehbuch dieser Stärken beraubt, verliert sich "Man lebt nur zweimal" etwas in einer Mischung aus Action, Leerlauf und wieder Action. Immerhin ist die Action sehr gut, besonders die Hubschrauber-Schlacht mit Little Nellie beeindruckt.
Bonds Maskerade als Japaner, die Tarn-Hochzeit und die Ausbildung im Kampfsport wirken etwas seltsam, da er letztlich nichts von alldem wirklich braucht, um in Blofelds Basis einzudringen. Wie so manche anderen, kann man diese Elemente als Verbeugung vor den Bond-verrückten Japanern verstehen, wirklich nützlich sind sie für den Film nicht. Die erwähnte Basis ist dann aber ein wahrlich mehr als beeindruckendes Set, das in seinem Ausmaß und seinen Details ohne Computer heutzutage gar nicht mehr finanzierbar wäre. Hier kommt auch endlich richtig Spannung auf, Infiltration, Countdowns und Blofelds Piranhas sei dank. Blofeld, der erstmals sein Gesicht zeigt, wirkt seltsam. Zwei Vorgänger haben ihn als skrupellosen, gefährlichen König der Bösewichter angedeutet, aber Donald Pleasence kann in seinen wenigen Szenen die gespannten Erwartungen nicht erfüllen. Sein Abgang ist auch wenig spektakulär.
Das abschließende Schlussspektakel nutzt das riesige Set nochmal gut aus und bietet die ausgedehntesten Actionszenen der gesamten Reihe. Was bei "Goldfinger" gut funktioniert hat, nämlich Bond vs. Countdown und Technik, zieht auch diesmal. So bietet der Film einen spannenden Abschluss, der vieles wieder ausgleicht.
"Man lebt nur zweimal" ist ein grandioser Actionfilm, aber nur ein mittelguter Bond-Film. Vieler Stärken der Vorgänger beraubt er sich selbst und wirkt in der Handlung manchmal etwas zäh. Dazu muss man sagen, dass der Film mit seinen antiquierten Weltraumszenen und seiner Konzentration auf technische Spielereien deutlich angestaubter wirkt, als seine Vorgänger. Langweile gibt es ebensowenig wie höchste Spannungswehen. Insgesamt ein weiterer guter Bond-Film, der allerdings klar der schwächste der Reihe bis dahin ist.
7,5/10