Review

Wenn man denn schon das Remake bespricht, kann man auch gleich noch einen Blick aufs Original werfen – wenn auch etwas schwerer zu kriegen, ist Youtube in der OV ausnahmsweise mal dein Freund!
Die Neuauflage von „Sorority Row“ bestach durch bewährte Moderne: bitchige Uschis, die sich einen üblen Witz geleisteten hatten und dafür entsprechend ein Radkreuz durch Kopf, Hals und Eingeweide bekamen – übel, aber im Kontext durchaus berechtigt.

Ähnliches gilt auch für „The House on Sorority Row“ von 1983, mit kleinen, aber feinen Unterschied, daß man es nicht mit einer Horde mieser Weiber zu tun hat, denen man einzeln herzlichst und gewalttätig den Tod wünscht, sondern mit ein paar Mädels, die nach einem drastischen Joke einige falsche Entscheidungen treffen, die dann tödliche Folgen haben.

Regisseur Mark Rosman war und ist sicherlich kein wahrer Meister seiner Kunst (immerhin ein etablierter TV-Regisseur heutzutage), aber für einen 24jährigen, der einige Jahre (die Dreharbeiten datieren schon auf 1981) in sein Debüt investierte – und eine Menge Geld noch dazu – ist das Ergebnis dieser Rachestory beachtlich.
Er arbeitet so sauber wie möglich und so blutig wie nötig, hatte aber nicht die Möglichkeiten, wie andere Genregrößen rasanten herumzusauen. Stattdessen baute er auf Atmosphäre und kreierte so einen kleinen, aber soliden Slasher.

Während im Remake eine Mitstudentin ums Leben kommt – als Folge eines mißglückten und fehlinterpretierten Scherzes, handelt es sich bei „House“ um die drakonische Hausmutter, die zum Semesterende stets ihr Verbindungshaus geleert haben will. Diesmal wollen die Abschlußstudentinnen aber noch einen heben und ziehen den Zorn der stockbewehrten Dame auf sich. Als man sich am nächsten Tag rächen will und ihr mittels Pistole einen Schreck einjagen möchte, löst sich ein Schuß und die Dame landet im Pool – bar jeder Lebenszeichen. Also versenkt man sie richtig drin, obwohl man nicht bedacht hat, daß ja abends die Abschlußparty läuft.

Immerhin: hier sind nach dem fatalen Ereignis alle extrem mitgenommen, aber die Ereignisse wirken hier auch noch frisch nach – keine Party für die 7 Mädels. Was ergänzend hinzukommt, ist die Backstory, die vor dem Vorspann schon mal blaugetintet über das Kommende dräut: die böse Mrs.Slater hat einstmals entbunden und der Arzt war anschließend untröstlich – ein Schelm, wer sich da nichts denkt. (Keine großen Spoiler, wirklich, wer die ersten zwei Minuten gesehen hat, weiß, wohin die Pferde reiten.)

Und so ist es dann auch, denn auch wenn die Leiche alsbald verschwindet – taucht sie doch bald wieder auf und im Dunklen geht der schwarze Mann dann auch alsbald um. Rosman verschwendet nicht (wie im Remake) seine Zeit auf rote Heringe und Mengen an Verdächtigen, er läßt seine Protagonistinnen einfach in ihren Bemühungen fortfahren, die Leiche zu entsorgen – obwohl sie alle wissen, daß noch jemand davon wissen muß.
Derweil meuchelt sie der Killer mit dem Stock (samt hackender Spitze) und zwar so, daß nicht sofort Massenpanik ausbricht – im Gegenteil, die wirklich friedliche Popparty (Pop bezieht sich in diesem Fall auf die Musikrichtung, denn außer ein bißchen Geknutsche passiert hier nichts) geht unvermittelt neben dem Gemetzel weiter – was wohl auch daran liegt, daß der Täter nur einen Unschuldigen um die Ecke bringt und nicht weiter auffallen will.

Der Rest des Plots ist von der Stange: der Arzt, der Täter, das Final Girl, von dem wir von Szene 1 an wissen, denn sie hat die größten Gewissensbisse. Mittenmang wenigstens eine legendäre Szene von damals noch ungewöhnlicher Bauart, ein abgetrennter Kopf in der Kloschüssel, schön graphisch ins Bild gerückt. Blut gibt es auch, wenn auch in homöopathischen Mengen, dafür gleicht die erhabene Spät-70er-Atmo das alles wieder aus.
Schön „creepy“ die Heimstatt des Butzemanns, das ewige Kinderzimmer und sein finales Outfit, wie überhaupt das Finale – angelegt zwischen der üblichen Fluchtpanik und diversen, durch ein Beruhigungsmittel ausgelösten Halluzinationen – das Beste am Film ist.
Wer sich nicht für altes Spielzeug und Clowns begeistern kann, ist hier übrigens genau richtig, ansonsten ist der Film eher von Carpenters „Halloween“ inspiriert, was aber ausnahmsweise mal nicht das Schlechteste ist.

Das Genre wird zwar nicht neu erfunden, aber Rosman inszeniert jenseits von Fremdschämen und Facepalm-Benehmen und kriegt sein Debüt sauber unter die Haube. Das reicht zwar nicht an die Altmeister oder die findigen Kanadier ran, aber sorgt für flotte Unterhaltung. (6/10)

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