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Seit eh und je übt das Thema Luftfahrt eine große Anziehungskraft auf die Menschen aus, da es schon faszinierend ist, dass diese riesigen Ungetüme durch die Lüfte gleiten können, ohne herunterzufallen. Ein Gefühl von großer Freiheit und Unabhängigkeit ist eng mit diesem Bereich verbunden und besonders die frühen Luftfahrtpioniere setzten sich großen Gefahren aus, um das Fliegen sicherer und zu dem zu machen, was es heute für uns ist. Kein Wunder, dass sich Hollywood schon früh den Geschichten dieser tollkühnen Männer widmete und sie in Filmen zu Heroen stilisiert wurden. Ein Meister dieses Faches war sicherlich Howard Hawks, der schon in den Dreißiger Jahren anfing, Arbeiten dieser Art auf hohem Niveau zu realisieren. Für „Höhe Null“ gewann er mit James Cagney nicht nur einen hochbegabten Schauspieler, sondern auch eine der Ikonen seiner Zeit, der auch heute noch als einer der besten „bad guys“ der Filmgeschichte gilt. In diesem Werk bricht er jedoch etwas aus diesem Korsett aus:

Dizzy Davis (James Cagney) ist nicht nur ein begnadeter Pilot und Kriegsveteran, sondern auch ein Frauenheld sondergleichen. Zusammen mit seinen Freunden Texas (Stuart Erwin) und Jake (Pat O'Brien) arbeitet er bei einer Fluglinie, bei der auch die hübsche Tommy (June Davis) ausgebildet wird. Schnell hat Dizzy ein Auge auf sie geworfen und wegen einer Verabredung mit ihr tauscht er einen Flug mit seinem Freund Texas. Aufgrund von schlechten Wetterbedingungen verunglückt die Maschine jedoch bei der Landung und sein Freund stirbt wenige Stunden später im Krankenhaus. Von Schuldgefühlen geplagt, startet Dizzy zu einem noch gefährlicheren Erprobungsflug...

Obwohl der Film gleich mit einer dramatischen Szene anfängt, in der sich einer der Piloten im dichten Nebel verirrt und daraufhin mit dem Fallschirm aussteigen muss, konzentriert man sich in der ersten Hälfte von „Höhe Null“ vor allem auf den freundschaftlich, komödiantischen Aspekt, was schon bei der Auswahl der einzelnen Charaktere hervorsticht. Neben Texas, der unter den Pantoffeln seiner Frau steht, gibt es noch Jake, der als Leiter der Gesellschaft zwar eine etwas rauhere Schale hat, dessen Kern dafür um so weicher ist und natürlich Dizzy, den tollkühnen Draufgänger und Frauenheld, der durch viel Charme und Witz die Herzen der Weiblichkeit im Sturm erobert. Es ist mehr als verständlich, dass die Freundschaft der drei Personen und ihre unterschiedlichen Charaktereigenschaften für eine humoristische Behandlung der einzelnen Problematiken geradezu prädestiniert ist. So erinnern die ersten Minuten auch sehr stark an eine Screwballkomödie, wenn sich unsere Protagonisten in aberwitzigen Wortduellen verschaukeln, und nicht an ein Luftfahrtdrama. Nichtsdestotrotz ist diese Phase nicht fehl am Platz, da hier auf eine sehr schöne Art und Weise die Freundschaft der Personen authentisch herübergebracht wird. Die Probleme starten, auch wenn der Zuschauer von Dizzys Fehltritten aus früheren Tagen schon unterrichtet wurde, mit dem Auftreten des weiblichen Geschlechtes, was schlußendlich zur Katastrophe führt. Hier lässt sich streiten und auch nur spekulieren, inwiefern das Frauenbild negativ, respektive konservativ dargestellt wird, denn die Tatsache, dass Tommy eine Pilotenausbildung ableistet, ist eigentlich doch eine recht emanzipierte Betrachtungsweise. Da sie aber nicht ganz unschuldig am Ausgang des Filmes ist, ignorieren wir einmal das verantwortungslose Verhalten von Dizzy, kann man diesen Punkt eben aber auch andersherum angehen bzw. deuten, dass es nämlich ohne das Auftreten der Frau in dieser Männerdomäne nicht so hätte enden müssen.
Auch wenn in dieser Phase die witzige Herangehensweise noch nicht abgelegt wurde, so bahnen sich schon hier dunkle Gewitterwolken am Horizont an, seien es die Probleme mit Dizzys Fluglizenz, seine Vergangenheit oder die Streitigkeiten mit Tommys Freund, die schon Vorboten für ein nahendes Unglück sind. Nun besinnt man sich wieder althergebrachten Statuten wie z.B. der Ehre und so startet Dizzy, geplagt von Schuldgefühlen, zu seinem Himmelfahrtskommando. Leider kommt diese Phase meines Erachtens zu kurz, denn das dramatische Finale ereignet sich dann doch recht schnell und ein intensiverer Spannungsaufbau hätte sich sicherlich nicht negativ auf das Gesamtbild ausgewirkt. Wichtig bei dieser Art von Film ist natürlich ebenso ein authentisches Bild vom Fluggeschehen in den Dreißiger Jahren und hier kann „Höhe Null“ im Großen und Ganzen überzeugen. Einige Aufnahmen scheinen hier sogar während des Fluges entstanden zu sein und es wird sowieso viel Wert darauf gelegt, nicht zu viele Studioaufnahmen der Flieger einzubauen, denn ein Großteil wurde mit echten Flugzeugen abgedreht, was nicht nur für Luftfahrtfans interessant sein dürfte, diese aus unserer Sicht alten Maschinen in bewegten Bildern zu sehen. Bei den dramatischen Szenen erkennt man dann die Rückprojektionen zwar deutlich, was den Spaß jedoch nicht mildert, da dies einfach dazu gehört. Durch den eher dunklen Hintergrund können dann aber einige zu offensichtliche Tricks kaschiert werden. Einzig der archaisch anmutende „Tower“ möchte kein wirklich authentisches Gefühl vermitteln. Man kann ja auch nicht alles haben. Typisch amerikanisch ist dann die finale Szene, in der die „Keep-on-doing-Mentalität“ vermittelt wird.

Nicht unwesentlich tragen die Schauspieler zum Gelingen des Filmes bei. Allen voran James Cagney, der hier in einer etwas anderen Rolle sein Talent unter Beweis stellt. Hier und da kommt zwar sein verruchtes Image durch, sei es sein Frauenverschleiß oder das Draufgängertum, doch im Grunde verkörpert er eine sehr sympathische Figur, die man sich gut als Freund vorstellen könnte. Auch wenn diese seichten Szenen für den Zuschauer sehr vergnüglich sind, so stellt Cagney besonders zum Ende hin, in seinen nachdenklichen Minuten, sein Talent zur Schau, wenngleich er hier nicht so wie in anderen Werken brillieren kann. Mit Pat O’Brien als Jake und Stuart Erwin stehen ihm ebenfalls zwei talentierte Kollegen zur Seite die, wie oben schon erwähnt, besonders bei Auftritten im Dreierpack überzeugen können. Bei O’Brien sei noch zu erwähnen, dass seine Darstellung des innerlich teilweise gespaltenen Managers, der sich für Dizzy einsetzen möchte, dabei aber auch immer das Wohl der Linie im Kopf hat, teilweise zu hölzern und teilweise auch zu unglaubwürdig ist, insbesondere wenn er etwas über die gemeinsame Vergangenheit Dizzys und seiner Ehefrau erfährt. Eine emotionsgeladenere Darbietung wäre hier wünschenswert gewesen. Bei den weiblichen Schauspielern verhält es sich so, dass sie nur schwerlich aus dem Schatten des männlichen Casts hervorkommen können, wenngleich die Verkörperung der Tommy durch June Travis durchaus akzeptabel ist.

Auch wenn es „Höhe Null“ besonders beim Ende etwas an Schwung und Spannung fehlt und auch die Darstellung der Frau einige Fragen aufwirft, so handelt es sich trotzdem um einen guten Film rund um Freundschaft, Ehre und Luftfahrt, der nicht nur auf Gegenliebe bei Klassikerfreunden stoßen dürfte. Es ist sicherlich nicht Howard Hawks beste Arbeit aber sehenswert ist sie allemal.

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