Review
von Sir Fuckalot
Über den Inhalt der Erzählung soll an dieser Stelle kein Wort verloren werden. Jedes noch so ungenaue Anreissen der Handlung würde zwangsläufig gewisse Überraschungen und Skurrilitäten verraten. "De laatste dagen van Emma Blank" funktioniert am besten, wenn man vorher nichts weiß. Das folgende Review richtet sich daher an jene, die den Film schon gesehen haben. Wer denn Film noch nicht kennt, dürfte mit den folgenden Zeilen, also meiner Interpretation des Films, herzlich wenig anfangen können.
Die Ereignisse im Hause Blank, mögen sie auch skurril und sehr speziell sein, lassen sich lesen als allgemeine Metapher auf die Zwänge und die Unfreiheiten des Individuums im Familienleben. Schöner Kontrast zu den Mainstreamfilmen, welche Familie ständig als Hort der Geborgenheit und Liebe mystifizieren. Vermutlich geht es dem Film aber in erster Linie um etwas anderes. Nämlich darum, dass die Etablierung diktarorischer Strukturen und eisernen Reglements die bestehenden Konflikte und Reibepunkte innerhalb einer Gesellschaft zwar nur eine gewisse Zeit lang deckeln und unterdrücken können, bevor diese wieder ausbrechen.
"De laatste dagen van Emma Blank" ist ein beachtlicher Hybrid aus grotesker Komödie und Drama. Ein Film, der voller komischer, cleverer, manchmal auch schockierender Ideen steckt. Man weiß manchmal nicht, ob man lachen oder erschrocken sein soll. Die irgendwie theatralisch anmutende Beschaffenheit seiner Erzählung gleicht Warmerdam durch geschickten und abwechslungsreichen Umgang mit den Räumlichkeiten des auf ein ländliches Anwesen reduzierten Settings der Erzählung und erschafft so interessante Bewegungs- und Spielräume für seine Figuren.