Harvey Keitel spielt hier den Bad Lieutenant, einen kaputten New Yorker Cop, dessen Leben so wenig wert ist, daß er nicht mal mehr einen Namen hat. Er säuft, Kokst und setzt beim Baseball auf das Verliererteam, von dessen Star, Strawberry, er sich Rettung erhofft. Die gibt ihm dieser auch, indem er immer wieder verschlägt, bis die Schulden für den Lieutenant nicht mehr tilgbar sind. Im Verlauf seiner Ermittlungen zur Vergewaltigung einer Nonne, wodurch er sich das nötige Geld verdienen will, um seine Schulden zu bezahlen, erkennt er, daß ihm nur noch eine Chance bleibt, seine Seele zu retten. Die Nonne hat ihren Peinigern vergeben, also hat vielleicht auch er ein Recht auf Vergebung? Als er nun die Vergewaltiger schnappt und so seine Spielschulden bezahlen könnte, läßt er sie frei und gibt ihnen noch all sein Geld mit. So besiegelt er sein Schicksal, die Erlösung seiner Seele, und wartet vor dem Busbahnhof auf den Tod.
Das ist wohl einer der heftigsten Filme überhaupt. Ferrara hat es hier geschafft, sein Hauptthema, den Kampf zwischen Gut und Böse, die Erlösung durch Selbstauslöschung, auf die fast alle seiner Helden hinarbeiten, perfekt zu inszenieren. Die Dialoge der Figuren (besonders mit Zoe Lund), die "Bekehrung" des Lieutenant und die ganze Art des Films sind brilliant. Obwohl alles sehr ruhig passiert, ohne hektische Schnitte oder brutale Szenen, ist man froh, wenn der Film vorbei ist und man sich wieder sammeln kann. Ferrara hat es wieder mal geschafft, die Abgründe der menschlichen Seele schonungslos offen darzulegen. Perfekt! Kult! Ansehen!!
Harvey Keitel hat mit diesem Film bewiesen, das Robert DeNiro nicht uneinholbar an der Spitze der Schauspieler liegt. Hoffentlich sieht man noch mehr vergleichbare Filme mit diesem genialen Schauspieler.
Verdiente 10/10 Punkten