Review

Nicht zu verwechseln mit dem französischen Agentenfilm gleichen Namens, der zufälligerweise auch dasselbe Genre abgrast. Hofbauer’s Werk nutzt die exotische Kulisse für eine Mischung aus James Bond und Jerry Cotton, wobei eher der letztere, biedere Weltenretter dominiert und stellt anders als der Sexploitation / Drama / Wallace – Verschnitt Die jungen Tiger von Hongkong [ 1969 ] sogar filmisch ganz passable Unterhaltung dar. Dafür ist im Gegensatz der Trashfaktor nicht so hoch, einige gute Ansätze dafür sind aber durchaus gegeben. Gedreht auf Eastman Color und in Ultrascope.

Basierend auf dem Roman „La rivière des trois jonques“ von Georges Godefroy und dem Drehbuch des Dokumentarfilmers Hanns Karl Kubiak erzählt der ganz kurzweilige Film ausgehend von einem doppelten Agentenmord in HK die Geschichte des CIA – Agenten Mike Scott [ Stewart Granger ], der aus seinem dreimonatigen Urlaub geholt wird, um die Verschwörung aufzudecken. Zusammen mit seiner Partnerin reist er an den Schauplatz des Verbrechens, um sich dort sofort zu trennen: Carol Eden [ Rosanna Schiaffino ] schleust sich als Funkerin bei dem Sägewerk – Besitzer Pierre Milot [ Sieghardt Rupp ] ein; Scott nimmt Verbindung zu seinem Kontaktmann Norman auf [ Paul Klinger ]. Beide bleiben jedoch über ihre Miniatur – Transistoren [ lies: Funkgeräte ] in Kontakt, die jeweils im Armband und in der Uhr versteckt sind.
Schnell findet Scott heraus, dass Milot mit Hilfe seiner drei Dschunken elektronische Fernsteuerungsgeräte für Atomraketen schmuggelt; ebenso schnell steht er auf der Abschussliste dessen Killers Pereira [ Horst Frank ]. Und dann wird auch noch Carol enttarnt...

Die Besetzung ist eher facetten- und abwechslungsreich als gut, besonders Granger soll wohl einen Hauch von Hollywood versprühen, wirkt aber in seinem gesetzten Alter eher wie ein reifer Dandy frisch in der Pension. Zudem stattet man ihn hier mit einem Faible für Spielzeugeisenbahnen, Whiskey und blutjungen Damen aus, die er dann auch der Reihenfolge nach frönen darf; für einen hippen Agenten ist er sichtlich zu ergraut. Deswegen kann man auch besonders die wenigen Actionszenen vergessen, die sämtlich sehr knapp und dazu noch gestelzt gehalten sind; vor allem die Kämpfe sind allesamt eher nicht vorzeigbar. So sonderlich viel passiert aber auch nichts, wodurch sich der Film zwischendurch eher in einen Kriminalfilm statt einem Actionreisser umwandelt, auch immer mit der besonderen Note des Schundfilmes versehen. In Unkenntnis der literarischen Vorlage riecht diese auch eher nach Bastei Lübbe Groschenheft, allerhöchstens Paperback statt Hardcover; die Handlung wartet mit sehr vielen bekannten Begebenheiten statt Überraschungen auf. Selbst die Enttarnung des lange Zeit unsichtbaren Bosses der gesamten Organisation dürfte nur diejenigen überraschen, die zwischendurch ein Nickerchen gemacht haben; dass Carol irgendwann auffliegt steht im Regelbuch des Genres und wird durch ihr provokatives Auftreten – lautes Quatschen im leeren Raum, Schäferstündchen mit Scott im Hause von Milot – noch verschärft provoziert.
Die Spannungsschraube wird auch erst am Ende leicht angezogen, wobei der Showdown auf hoher See die abwechselnde Dummheit aller Beteiligten leicht überreizt und man deswegen schon wieder froh ist, dass es nun vorbei sei. Selbst der bedrohliche Riz Ortalani Score kann da nichts mehr zaubern.

So lenkt meistens nur der exquisite Lokalkolorit von der Behäbigkeit des Filmes ab, das Tempo macht jedenfalls keine Angst. Anders als der anfangs eingeworfene Schauplatz San Francisco befindet man sich nämlich bei HK direkt vor Ort, wobei die zum Klischee erstarrten Vorstellungen herangezogen werden, um den Schauplatz zu veranschaulichen: Zuerst besucht man die „Pagode der sieben Glückseligkeiten“ und trifft sich danach in der „Suzy Wong Bar“, um dort weitere Abenteuer beim verzweifelten Stäbchenessen auszutragen.
Um sich besser in der euro – asiatischen Millionenstadt zurecht zu finden, wird Scott auch mit Smoky [ ausgerechnet Harald Juhnke ] ein Dolmetscher, Reiseführer und späterer Kumpan zur Seite gestellt, der alles mögliche im Film spricht, ausser Chinesisch. Mit dessen gutturalen Lauten haben wohl auch die Einheimischen ein Problem, so dass diese meistens auf Deutsch radebrechen, was sich natürlich wie folgt niederschlägt: „Ja, Mistel, viel geledet. Bitte nicht flagen, habe Flau und viele Kindel“.

Letztlich ist der Film also genau das, was man angesichts der Beteiligten erwartet, muss sich dementsprechend hinterher keiner beschweren. Für den geneigten Zuschauer ist es auch ganz amüsant und unterhaltsam, der Rest dürfte angesichts der biederen Machart und den vollkommen verhunzten Actionszenen relativ früh sein Heil in der Flucht suchen. Vorm Ansehen vielleicht die Devise von Juhnke nachahmen; dieser agiert die meiste Zeit recht beschwipst.

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