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Es ist das Labour Day Wochenende des Jahres 1946, und just als sich die feuchtfröhliche Party auf der kleinen Insel dem Ende zuneigt, wird Ida Parsons (Shay Garner), die Tochter des Gastgebers, im Wald neben dem großen Wohnhaus von einem betrunkenen Verehrer brutal vergewaltigt. Doch die blutige Rache folgt sogleich, denn Idas wütende Schäferhunde, die offensichtlich gewittert haben, daß ihr Frauchen in Gefahr ist, entkommen aus dem Zwinger und zerfleischen den Schänder an Ort und Stelle. Ida gibt dem zuckenden Bündel Mensch mit einem handlichen Stein den Rest. 36 Jahre später retten sich fünf Teenager und ein aufgelesener Verirrter auf die Insel, nachdem ihre Jacht im dichten Nebel auf Grund gelaufen und in Flammen aufgegangen ist (ein schaurig übler Spezialeffekt). Wie sich herausstellt, hat Ida die Dog Island genannte Insel als Exil gewählt, um dort ihren an Akromegalie leidenden Sohn, das Resultat der Vergewaltigung, großzuziehen. Doch der deformierte Mann hat großen Hunger, und so kommen die ungebetenen Gäste in Gestalt von Sandy (Janet Julian), Eric (David Wallace), Nick (John Wildman), Carla (Janit Baldwin), Donna (Joy Boushel) und Bert (Layne Coleman) gerade recht.

Ein monströser Kannibale auf der Jagd nach Teenagern, das ist doch ein Selbstläufer, oder? Was kann man da bitteschön groß falsch machen? Nun, leider einiges, wie man sieht. Zum Beispiel kann man den Film lust- und spannungslos inszenieren, ohne Höhepunkte, ohne Schauwerte, ohne Pep. Man kann die Figuren so eindimensional und uninteressant gestalten, daß einem ihr Schicksal schnurzpiepegal ist und man gar nicht in Versuchung kommt, mit ihnen mitzufiebern. Und man kann außerdem die Morde - das leckere Salz in der gemeinen Slashersuppe - entweder sehr blutleer in Szene setzen oder überhaupt gleich im Off stattfinden lassen. All dieser Vergehen schuldig ist Regisseur Paul Lynch bei Humongous, einem überaus öden Backwoods-Slasher, der selbst gegen den auch nicht gerade berauschenden Prom Night abstinkt (ja, auch dieser Slasher geht auf Lynchs Konto). Dabei ist der Auftakt äußerst vielversprechend. Die realistisch anmutende Vergewaltigung - die Penetration ist komplett aus der Sicht des Opfers gefilmt! - ist sehr brutal und unangenehm (die MPAA bestand für ein R-Rating auf einige Kürzungen), und die beinharte und überraschend blutige Hundeattacke setzt danach sogar noch einen drauf.

Doch damit hat der Film auch schon sein Pulver verschossen, und man könnte fast meinen, daß nach dem ungewöhnlichen aber stimmigen Vorspann jemand anderes die Regie übernommen hat, so stark fällt Humongous plötzlich ab (Detail am Rande: Regieassistent war Ray Sager, "The Wizard of Gore"). Die Einführung der klischeehaften Protagonisten (eine Schlampe, ein nerdy Chick, ein dämliches Arschloch, usw.) ist noch halbwegs okay, und auch das Ansteuern der nebelverhangenen Insel ist hübsch stimmungsvoll geraten, doch der magere Rest ist kaum erwähnenswert. Paul Lynch versucht krampfhaft, eine alptraumhafte Atmosphäre der ständigen Bedrohung á la The Texas Chainsaw Massacre aufzubauen, scheitert damit aber eher kläglich und etabliert stattdessen eine zähe Atmosphäre der gepflegten Langeweile. Das knurrende Monster ist mehr zu erahnen als zu sehen, da es bis auf einige Großaufnahmen (wie z. B. einer Pranke oder eines Auges) meist im Schatten bleibt. Die dummen Teenager machen es mit ihren teils unfaßbar idiotischen Aktionen dem Biest alles andere als schwer, so daß sich am Ende das obligate Final Girl mit dem Kannibalen das letzte Gefecht liefern kann. Der Showdown im Bootshaus ist ganz nett, aber ein toller Beginn und ein ordentliches Finale sind für einen "guten" Slasherfilm definitiv zu wenig. Sehen und gleich wieder vergessen, mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.

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