Review

Der kanadische Horrorfilm der 70er/80er hatte schon immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen, denn wo die südlicheren Vertreter aus den USA praktisch am Fließband präsentierten und die ganze schöne von „Halloween“ und „Friday“ losgetretene Schock- und Schlitzerwelle bald herunterwirtschafteten, wirken die meisten kanadischen Beiträge wie „Ab in die Ewigeit“ , „Terror Train“ oder „Blutiger Valentinstag“ immer noch wie solide produzierte Filme, die nur für einen schnellen Dollar ins gleiche Horn bliesen, als die Zeit gerade reif war.

An „Humongous“ war für mich eine Weile leider kein Herankommen, weil der Film zwar immer wieder bei YT auftauchte, dort aber gerne mal geschnitten war, aber inzwischen konnte ich auch diese Lücke schließen. Und siehe da, auch hier erkennt man wieder mal eine eigene Handschrift, solide „production values“ und jede Menge Atmosphäre.

Leider machte das nicht verständlicher, warum der Film so einen Ruf wie Donnerhall hatte, wenn es um die Effekte geht, denn gerade diese sind eher eine Schwäche des Films. Es gibt nicht viele von ihnen und ihre Wirkung ist eher mittelprächtig.

Zur Story: fünf junge Leute öden sich in ihrem edlen Urlaubsörtchen ein wenig an und planen eine Bootstour auf Daddy kleiner Motoryacht. Leider sind sich die führenden Brüder nicht sonderlich, was daran liegt, dass der Jüngere ein arrogantes und unkontrollierbares Arschloch ist. Es dauert auch nicht lange und bedarf nur des nächtlichen Auffischens eines verlorenen Seemanns, bis Aggro-Bubi einen Vorwand findet, um das Boot zu schrotten. Damit stranden die Betreffenden dann alle sechs auf dem geheimnisvollen „Dog Island“, wo es wilde Hunde gibt.

Nun zur kunstvoll vorab aufgebauten Back Story aus der Nachkriegszeit, als eine Verlegertochter auf einer nächtlichen Party vergewaltigt wurde, bis ihre treuen Vierbeiner aus dem Schänder Hackfleisch machten. Gänzlich ihrer Lebensfreude beraubt, wurde sie zur überernsten Eremitin, die sich die Insel nachgerade nur noch mit den Hunden teilte.
Das alles präsentiert der Film in einer nostalgischen Vorspannvariante in Form eines postkartenähnlichen Fotobilderbogens, der zu elegischer Musik die Veränderungen an der jungen Frau dokumentiert, nachdem man Zeuge ihrer Schändung schon vorab wurde.
Leider erfolgt danach erst ein Wechsel ins bewährte Teenagerfach, wobei nie so ganz klar wird, was eigentlich Nicks Problem ist, der offenbar auf seinen Bruder, seine (Ex-?) Freundin und jeden sonst irgendwie wütend zu sein scheint. Das Ausmaß seines Arschlochseins findet keine Entsprechung im Verhalten seiner Freunde, aber bis auf diese tickende Zeitbombe, ist alles noch takko und zum Glück auch nicht zu sehr ausgewalzt.

Nach dem erwartbaren Ungemach mit einem Schiffbrüchigen erfolgen danach zahlreiche ziemlich kurzsichtige Handlungen, die dazu führen, dass die Gruppe auf der schon besprochenen Eremitinnen-Insel mit Hunden landet. Von den Hunden ist nicht viel zu sehen, aber weil er bisher so produktiv war, geht Nicks Sturkopf als erster über den Jordan, wo dann auch das einzige Mal noch ein Hund zu sehen ist. Stattdessen geht nämlich auf der Insel etwas oder jemand um, den Regisseur Paul Lynch zögert, uns im Detail zu zeigen.

Ach ja, Paul Lynch…
Der Regisseur hatte sich zuvor schon „Prom Night“ einen Namen gemacht (er rutschte dann aber verstärkt wieder ins TV ab), allerdings halte ich weder diesen angeblichen „Slasher-Klassiker“ noch sein ödes Skript noch seine lendenlahme Umsetzung für einen gelungenen Grusler.
Und auch in diesem Fall streiten sich beim finalen Produkt Licht und Schatten: der Drehort mit seinem ansehnlichen, wenn im beginnenden Verfall begriffenen Herrenhaus ist einer der feinsten, die so eine kleine Produktion auf die Beine stellen konnte. Kamera, Ausstattung, Beleuchtung, das ist alles aus der ganz großen Suspense-Schule direkt in den Michigan Lake verpflanzt.

Doch Lynch schafft es nur, die Atmosphäre seiner Pfründe einigermaßen ins Bild zu setzen, die spannende Hetzjagd auf sechs junge Leute durch einen monströsen Unbekannten handelt er leider nicht mit dem gleichen Geschick ab.
Tatsächlich ist der Film insgesamt überraschend „light on gore“ – das Meiste, was potentielles Geschmodder hätte bieten können, wurde entweder mit dem Hackmesser so kurz geschnitten, dass man kaum noch erkennen kann, was geschah oder es wird komplett ausgeblendet und man bekommt später nur das Ergebnis in Leichenform zu bieten. De facto einen heftigen Splattereffekt hat die Produktion zu bieten, sieht man mal ab, was der oder die letzte Überlebende dann mit dem Angreifer noch anstellt, als es ans Leben geht.

Aber alles in allem ist das Tempo zu gedrosselt, die Atmo zu ausgewalzt und es mangelt der Geschichte an einer zentralen Identifikationsfigur, die mit Vernunft und Sachverstand den Zuschauern zuarbeitet. Stattdessen verlegt man sich auf Infohäppchen und Spekulationen, die meistens weiter hergeholt sind als alles, was sich die Zuschauer nicht sowieso schon gedacht haben. Auch fehlt der Produktion nach der derben Pre-Title-Sequenz im Restfilm minimum eine Figur, die alles substanziell noch angereichert hätte.

Es ist aber nicht alles schlecht, nur weil hier der falsche Mann am richtigen Ort einen nicht recht ausbalancierten Film dreht, aber im Gegensatz zu den am Anfang erwähnten Klassikern fehlt es „Humongous“ einfach an einer Portion straffem Terror vor der Schlußviertelstunde. Es passiert einfach nicht genug, auch wenn das Ergebnis sehr hübsch aussieht.
Insofern liefert Lynch hier dann doch nur Mittelmaß ab, in meinen Augen aber deutlich besser als sein Klassiker „Prom Night“, der kurioserweise auch viel von einer intensiven Pre-Title-Sequenz profitierte, dann aber über den größten Teil der Slasherstrukturen blutarm hinweg döste. (5/10)

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