New Orleans kurz nach Hurricane Katrina. Der Polizist Terence McDonagh (Nicolas Cage) will einen eingesperrten Häftling vor dem Ertrinken retten und verletzt sich dabei schwer.
Der Dank sind seine Beförderung zum Lieutenant und chronische Schmerzen, die er ständig mit Medikamenten und später Drogen betäuben muß.
Als eine senegalesische Familie tot aufgefunden wird, wird McDonagh mit den Ermittlungen betraut. Diese führen ihn schnell zum lokalen Drogen-Boss Big Fate (Xzibit), dem er allerdings nur schwer etwas nachweisen kann.
Dummerweise hat Terence aber auch noch jede Menge anderer Probleme am Hals...
Sein Drogenquelle in der Asservatenkammer der Polizei bekommt plötzlich kalte Füsse, was dazu führt, dass sich Terence seinen Stoff fortan in mühevoller Kleinarbeit u.a. durch Kontrollen jugendlicher Club-Besucher besorgen muß.
Seine Freundin, die Prostituierte Frankie (Eva Mendes) hat Probleme mit einem ihrer Freier, was dazu führt, dass Terence plötzlich ein Killer-Kommando und 50 000 Dollar Schulden am Hals hat.
Sein Buchmacher Ned (Brad Dourif) will endlich Terence`s Spielschulden bezahlt bekommen und nebenbei noch die Speeding-Tickets einer Verwandten durch ihn verschwinden lassen.
Und zu allem Überfluß gibt es noch die Probleme zwischen seinem Vater und dessen Freundin....
All dies zusammen ist für einen unter Drogen stehenden Polizisten schwer zu bewältigen, doch Terence kriegt trotzdem irgendwie die Kurve.
Werner Herzog, Nicolas Cage, Bad Lieutenant , Brad Dourif und Eva Mendes!??
Diese Kombination erschien mir vor dem Ansehen des Streifens wie eine Art filmisches Brechmittel, doch es gibt durchaus noch Überraschungen...
Einige Zuschauer werden Werner Herzog`s "Bad Lieutenant" natürlich mit Abel Ferrara`s gleichnamigem Horror-Trip aus dem Jahre 1993 mit Harvey Keitel in der Titel-Rolle vergleichen wollen. Ich gebe zu, mir ging es ebenso, doch interessanterweise scheinen Werner Herzog bzw. der Drehbuchautor William A. Finkelstein doch etwas intelligenter zu sein, als die meisten anderen Leute, die sich sonst mal schnell zwischen zwei Kaffee-Latte an ein Remake großer, guter oder sonstwie bekannter Filme machen.
Einer der großen Fehler im Falle von Remakes ist, dass im Prinzip dieselbe Story, nur mit anderen Darstellern, und geringfügigen Änderungen verfilmt wird. Das Ergebnis ist fast immer eine inspirationslose schlechte Kopie der Vorlage.
Genau diese Fehler wurde hier nicht begangen, was schon mal meinen absoluten Respekt verdient!
Natürlich wäre ein derart erklärungsarmer Selbstzerstörungs-Trip wie ihn Ferrara seinerzeit mit Harvey Keitel verfilmte auch auf die Einfache erneut zu drehen gewesen. Indem sich Herzog und Finkelstein aber gegen ein solches Vorgehen entschlossen haben, bleibt der Status des Originals in meinen Augen unangetastet und makellos.
Was die Beiden hier geschaffen haben ist vielmehr eine Hommage an den ursprünglichen Bad Lieutenant, die alle Grauzonen des Originals ausleuchtet, diese in einen neuen Kontext bringt und letztlich einen deutlich besseren, weil anderen, Film hervorgebracht hat.
Wo Ferrara auf erklärungslose, episodenhafte Düsternis setzte, toppen Herzog und Finkelstein diese locker mit einer zwar haarsträubenden, aber in sich stimmigen Handlung, die auch den Charakteren deutlich mehr Entfaltungsspielraum bietet.
Alleine dadurch wird die Kinotür für die Zuschauer schon halb geöffnet und nicht wie im Falle von Ferrara durch die sperrige, schwer zu verdauende und kaum nachvollziehbare Handlung, quasi von innen zugenagelt.
Damit meine ich jetzt nicht, dass der Film ein absolutes Mainstream-Massen-Produkt geworden ist - Nein, er hat schon seine Ecken und Kanten, aber diese sind einfach so gut in die Handlung eingebettet, dass sie eben nicht nerven und den Film zu einer insgesamt homogenen Einheit machen.
Wenn man bedenkt, dass hier Werner Herzog am Werk war, der mir persönlich nur durch seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski in Erinnerung ist und dessen Filme immer mit einer ordentlichen Portion Wahnsinn und Schwergängigkeit geschlagen waren, dann fehlen mir echt die Worte.
Herzogs "Bad Lieutenant" kommt nämlich mit einer geradezu sagenhaften Leichtigkeit und Lockerheit daher, die ich dem Mann absolut nicht zugetraut hätte.
Ohne den schon legendären "Wahnsinn" in Herzogs Filmen geht es aber auch hier nicht. Zwar hat Herzogs Abonnement-Irrer, Klaus Kinski schon vor längerer Zeit den Löffel abgegeben, Ersatz wurde aber in Form des ehemaligen Oscar-Preisträgers Nicolas Cage gefunden, dem man zur Absicherung noch den sowieso immer latent schrägen Brad Dourif in einer Nebenrolle zur Seite stellte.
Im Falle von Cage hatte ich echte Bedenken, ob er eine solche Präsenz wie seinerzeit Harvey Keitel im Original überhaupt hat bzw. eine solche hier aufbauen kann.
Durch das etwas anders gelagerte Script, war Cage nicht unbedingt zur One-Man-Show verdammt, spielt jedoch den ganzen Rest des Casts sowas von an die Wand, dass es teilweise eine echte Freude ist ihm zuzuschauen.
Vergessen sind plötzlich seine ganzen miesen Auftritte in den letzten Jahren, denn Cage hat hier endlich mal wieder eine Rolle bekommen, die ihm liegt und die ihm einen Heidenspaßzu machen schien.
Alleine schon sein durch die Verletzung bedingter Gang ist in Verbindung mit seinem Gesichtsausdruck ein echter Brüller. Cage wirkt hier wie Bruno Ganz in "Der Untergang".
Dazu gesellen sich jede Menge an verrückten Ausrastern, von denen mir der, als er die alten Damen im Altersheim heimsucht, sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Der Kerl, der da hinter der Tür hervorkommt, hätte genausogut Klaus Kinski sein können und Cage wirkt hier auch wie ein hyperverrückter Kinski auf Drogen. Allerdings hat der Wahn hier auch seine Pausen und tragikomischen Szenen, wie z.B. die am Ende, als Cage mit dem zu Beginn des Films geretteten Ex-Knacki zusammentrifft.
Machen wir es kurz. Cage spielt hier seine mit Abstand beste Rolle seit Jahren!
Der restliche Cast verblasst zwar etwas neben Cage, dennoch gibt es auch hier solide bis gute Leistungen zu sehen. Ob Mendes, Dourif oder auch Val Kilmer, alle wirken absolut überzeugend in ihren Rollen und tragen mit ihren Performaces dazu bei, einen mehr bodenständigen Gegenpol zur Rolle von Nicolas Cage zu bieten, welcher den ganzen Film dann auch insgesamt im Gleichgewicht hält.
Fazit: Auch wenn diese Fassung des "Bad Lieutenant" deutlich zuschauerfreundlicher als das Original ausgefallen ist, liegt hier noch immer kein massenkompatibles Blockbuster-Kino vor. Werner Herzog liefert hier vielmehr eine überraschend gut gelungene Thriller-Drama-Satire ab, die ich persönlich für echt sehenswert halte!
(7,5 von 10 Punkten)