Terence McDonaugh ist der Bad Lieutenant: Er raucht Crack, er nimmt Koks, gegen seine mörderischen Rückenschmerzen (und für seine Sucht) bedient er sich praktisch komplett aus der Asservatenkammer (wenn er nicht gerade Nachtschwärmer anhält und ihnen ihren Stoff abnimmt, am Besten dabei noch einen Fick mit der überprüften Frau abstaubend), er hat Wettschulden und seine Freundin ist eine Edelhure. Als Mensch eher auf der Verliererspur, taugt er aber als Polizist was: McDonagh soll ein Massaker an einem illegalen Afrikaner und dessen Familie aufklären, und kommt schnell dahinter, dass der Gangsterboss Big Fate hinter der Bluttat steckt. Nachdem Big Fate aber mit jeder Menge unverschnittenem Koks zu tun hat, schlägt McDonagh ihm einen Deal vor: Geld und Stoff gegen Informationen über Razzien und Festnahmen.
Eines vorweg: Dieser Film ist kein Remake! Er ist genauso wenig ein Remake von Abel Ferraras BAD LIEUTENANT, wie Luca Guadagninos SUSPIRIA ein Remake des gleichnamigen Argento-Klassikers ist. Beide Male lehnt sich der neuere Film an den älteren an, übernimmt Charaktere oder Topoi, und schafft damit etwas ganz eigenes und anderes.
CALL OF PORT – NEW ORLEANS, wie BAD LIEUTENANT ursprünglich eigentlich hätte heißen sollen, ist in erster Linie ein Film über einen drogenabhängigen und korrupten Cop. Punkt. Ein Noir in der Tradition von Filmen wie IM ZEICHEN DES BÖSEN oder PRINCE OF THE CITY – DIE HERREN DER STADT, und damit kommt man sehr schnell zu Nicolas Cage, der den Film in jeder Szene beherrscht. Cage schreit, Cage stöhnt, Cage jammert, Cage triumphiert … Dass er dabei ab und an ein ewig über das Ziel hinausschießt ist bei dem Mann ja nun nichts Neues. Da gibt es diesen Moment, wenn sich nach der Metzelei an ein paar Mafiosi McDonaughs 50.000$-Problem in Luft aufgelöst hat, und er und seine Kumpane auf die Leichen starren. “Schieß nochmal“ sagt McDonaugh, und erneut „Schieß nochmal. Seine Seele tanzt noch.“ Und tatsächlich tanzt etwas Derwischartiges zwischen den Toten und lässt sich erst durch ein paar weitere Schüsse aufhalten. Und Cage lacht und schneidet Grimassen und staunt Löcher in die Luft …
Eine Polizei-Groteske. Ein Cop-Drama, das so gar nicht dramatisch ist, sondern leicht und skurril dahinfließt. Eine märchenhafte Studie über einen Absturz ins gar nicht Bodenlose. Eine absolute Überraschung, in jeder Hinsicht. Nur der Schluss war mir als bekennendem Schwermut-Fan ein paar Ecken zu schokoflockig, aber das ist eine Sache der persönlichen Vorliebe. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass der märchenhafte Schluss perfekt zu dieser eher fabel-haften Geschichte passt …