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Mit Undisputed ist Regisseur Walter Hill (Straßen in Flammen) zwar ein optisch ansehbares Boxer-Drama gelungen, doch inhaltlich verläuft der Streifen größtenteils nur auf Sparflamme. Da können auch große Namen im Cast sowie pseudo-coole HipHop-Mucke nichts ändern. Besser als Supernova ist der Film zwar allemal, doch bleibt auch hier fraglich, ob Hill je wieder zu alter Stärke zurück finden wird. Die glorreichen 80er Jahre sind vorbei, und so auch die Zeiten, wo er mit Stars wie Arnold Schwarzenegger oder Eddie Murphy noch ordentlich an den Kinokassen abstauben konnte. Hills heutige Produkte sind da mehr oder weniger eher als Fließbandware oder Durchschnittprodukte bekannt. So halt auch Undisputed, der, wie so viele andere Filme auch, voll ungenutztem Potential steckt.

Eine Anklage wegen Vergewaltigung bringt den ungeschlagenen Schwergewichtsweltmeister James "Iceman" Chambers (Ving Rhames) in den Knast. Hier trifft er auf Monroe Hutchens (Wesley Snipes), den seit Jahren unbesiegten Box-Champion im Gefängnisring. Ein Umstand, den der aggressive Iceman nicht hinnehmen kann. Es ist eine Frage der Ehre herauszufinden, wer der Beste ist. Das ist die Gelegenheit für den alten Gangster Mendy Ripstein (Peter Falk), der hier lebenslänglich büßt. Mit seinen weitreichenden Verbindungen zu beiden Seiten des Gesetzes bietet sich ihm die Gelegenheit, einen letzten großen Kampf zu promoten. Es kommt zum Showdown der Giganten im Ring, um den inoffizielen Undisputed-Champion-Titel...

Sowohl Ving Rhames (Con Air) als auch Wesley Snipes (Futuresport) können eine gewohnt solide Leistung vollbringen. Dabei ist Rhames' Charakter der wesentlich aktivere sowie agressivere Part in dem lokalen Szenario. Ständig bricht er in Wutausfällen aus und haut jedem dumm dahergelaufenen Knasti eines auf die Nuss, um allen zu zeigen, wer der King im Ring ist. Snipes' Charakter hingegen lässt lediglich beim Stahlkäfig-Boxen die Sau raus, während er außerhalb des Rings eine Ruhe an den Tag legt, bei der Ghandi glatt grün vor Neid werden könnte. Immerhin hat er ja einen netten Zeitvertreib, da sich Zahnstocher bestimmt überall finden lassen. Columbo Peter Falk (Cookie) gibt als Mafia-Buchhalter eine mäßige Vorstellung ab, die er besser hätte über die Bühne ziehen können. In den Nebenparts sind dann noch so bekannte Visagen wie Michael Rooker (Replicant) als Knastaufseher und Wes Studi (Octalus) als Chambers' Knast-Lakai zu sehen.

Action kommt in Undisputed leider nur zu Beginn und im Showdown vor. Dafür können die Fightszenen sich aber sehen lassen. Rasant geschnitten und mit einer ordentlichen Choreographie kann vor allem das Finale über ein paar Klischees innhalb des dürftigen Actionsektors hinwegtäuschen. So ist Monroe Iceman anfangs natürlich unterlegen, kann sich dann aber sammeln, um Iceman Saures zu geben. Außerdem wird hier überwiegend fair gekämpft, was bezüglich des Sports ja auch eine gute Sache ist, doch hätten die Kontrahenten wenigstens den Stahlkäfig nutzen können und ihr Gegenüber mal gegen die Gitterstäbe hämmern können. Das hätte wenigstens etwas Abwechslung ins Spiel gebracht. Wenn man schon in so einer Location kämpft, warum sollte man sie denn nicht auch nutzen können? So verbleiben die Kämpfe nach dem typischen Rocky-Schema, wo einer der Boxer zuerst unterlegen ist, schließlich das Blatt aber wenden kann. Solche oder ähnliche Filmfights hat man einfach schon zu häufig gesehen. Auch was die Spannung betrifft, so kann der Finalkampf nicht alles halten. War dessen Ausgang zu Filmbeginn noch unklar, so kann man sich den Ausgang irgendwie denken, sobald sämtliche Sympathien auf Monroes Seite überschlagen. Zwischendurch müssen zwei lahme Revolten den Zuschauer bei Laune halten, was nur ansatzweise klappt. Ansonsten ist die Handlung recht dialoglastig, und die vereinzelten Protagonisten labern sich 'nen Wolf, ohne das dabei was wirklich Nützliches bei rauskommt. Gut ist hingegen die Idee, sämtliche Knastis mit der Einblendung ihrer Namen und Verbrechen vorzustellen, wenngleich das bei einigen Insassen scheißegal ist, da sie eh keine allzu wichtige Rolle inne haben. Optisch macht Undisputed einiges her, kann aber sich damit auch nicht wirklich oben halten. Und dann dann noch der achso geniale Einfall irgendwelche HipHop-Mucke als Musikuntermalung einzusetzen. In solch ein Szenario gehören harte Rockklänge und nicht belangloses Gelispel von daher gelaufenen Möchtegern-Gangstern. Doch so  ein musikalischer Unfug scheint ja zur Zeit besonders bei den Kids schwer in Mode zu sein. In manchen Filmen mag HipHop-Mucke ja auch gut passen, doch hier eben nicht. Handlungstechnisch kann Undisputed auch keine Preise gewinnen, da es einfach nur eine 08/15-Story mit einer großen Klischeepackung ist.

Können die soliden Darsteller, die passabel inszinierten Boxkämpfe und die nette Optik den Film noch gerade so über Wasser halten, wird doch sehr deutlich, dass man mehr hätte draus machen können. Ich denke mal, das Undisputed 2 da für Abhilfe sorgt...    

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