Eine Zeit lang war der Fehlgriff im Videoregal für unkundige Horrorfans fast schon ein Fandom-In-Joke: statt Peter Jacksons "Braindead" hatte man aus Versehen den zwei Jahre zuvor produzierten "Brain Dead" gegriffen, in dem weder Zombies vorkommen, noch übel rumgematscht wird.
Hat man dann also einen total öden Mistfilm erworben oder sind es nur die enttäuschten Erwartungen?
Letzteres eher, denn Adam Simons ("Carnosaurus") Debüt, basierend auf einer Geschichte des "Twilight Zone"-Autoren Charles Beaumont ist eigentlich solides Filmmaterial aus der (so auch der Originaltitel der Vorlage) "Paranoia"-Ecke, derer von "Shock Corridor".
Mit gerade mal 75 Minuten Lauflänge und einem absoluten Miniaturbudget gedreht, kann einem Schlimmeres zustoßen, als den sonstigen Edel-Nebendarstellern Bill Pullman ("Independance Day") und Bill Paxton ("Aliens") beim Gehirnstürm zuzuschauen. Dabei wird nur mit der alten Frage jongliert, ob das, was man gerade sieht und Protagonist Pullman erlebt, die Wirklichkeit, ein Traum, sein Koma oder die Paranoiaentrale in seinem Frontallappen ist.
Als begnadeter Gehirnforscher mit schlechten Forschungsgeldaussichten soll er nämlich aus einem Angestellten der üblen Multi-Corp-Firma "Eunice" den Verfolgungswahn rausoperieren, damit die Angestellten (der superschmierige Paxton) und der Chef (der gemütliche George Kennedy) an eine spezielle Formel herankommen, die wohl irre lukrativ, aber auch sehr gefährlich ist. Als die Aussichten immer schlimmer werden, tut er wie geheißen, doch alsbald läuft er vor ein Auto und hat fortan selbst Probleme mit seltsamen Erscheinungen, unheimlichen Zeitgenossen (ein blutbefleckter lachender Mann) und wirklichkeitsverändernden Szenenwechseln.
Solide komprimiert, muß das Publikum die volle Dröhnung Orientierungslosigkeit mitmachen, die Figuren und ihre Rollen wirbeln durcheinander, Namen wechseln den Besitzer, Absichten, Ziele und Motive mutieren. Im Schränken tun sich Abgründe auf, aus denen man ins Meer fällt, woraufhin man aber nicht am Strand, sondern auf dem Bürgersteig wieder aufwacht. Hat man jetzt seine Familie oder doch nur seine Frau ermordet und wollte sie mit Paxton in die Kiste oder liegt man selbst doch nur auf dem OP-Tisch und irgendein Chirurg pummelt schon seit Filmbeginn im eigenen Gehirn rum. Oder ist das ganze Durcheinander vielleicht doch nur der Traum eines Schmetterlings?
Substanziell Philosophisches darf man hier nicht erwarten, der Paranoia-Trip ist rein wirkungsbezogen und ohne größere Aussage, macht aber letztendlich Spaß, wenn man sich mit der Handvoll Sets, die überhaupt finanzierbar waren in 20 Tagen, erstmal angefreundet hat. Obwohl es häufig kolportiert wird, hat der Film mit dem Stil David Lynchs übrigens eher wenig zu tun, verschafft aber auf TV-Film-Niveau dem Zuschauer das Gefühl wirkungsvoller Desorientierung. Mit Logik ist es nicht weit her, dafür sorgt aber auch die ironisierte Inszenierungsart, die bisweilen die Figuren komplett überzeichnet.
Anfangs wähnt man sich in dem Kellerraum mit den vielen Gehirnen im Glas und den suspekten Experimenten inclusive Pullmans Nerd-Erscheinung sogar in einer grotesken Parodie, bis Bill Paxton seinen eiskalten und aalglatten Konzern Exec auspackt und die Sache immer ernster wird. Doch Visionen und falsche Realitäten sind absurd genug, um immer wieder auf die morbid komische Schiene abzugleiten, wofür auch "Harold and Maude"-Veteran Bud Cort als ursprünglicher Patient Halsey sorgt, der wie ein Derwisch durch seine Szenen tanzt und Absonderliches von sich gibt, worüber er sich selbst am meisten amüsiert.
Weitere Gründe, sich nicht allzu wohl zu fühlen (neben dem alptraumhaften Drehbuch) sind auch gewisse horrible Sequenzen, die meistens mit dem "lachenden Mann" zu tun haben (hier kann man mit Gewalt eine Lynch-Analogie verorten, wenn man denn möchte) und den Zuseher hin- und hergerissen zurücklassen.
Mag Simon auch kein absoluter Könner als Regisseur sein, der Film funktioniert für sich allein gelassen, als seltsames Unikat, dem man seine billige Machart zwar manchmal ansieht, der aber gerade wegen der anämischen Kargheit und der stilisierten Bilder stets wie ein leicht weichgezeichneter Traum wirkt, in dem Figuren von einem zum nächsten Schauplatz schweben. Kurios, leicht bizarr und gut besetzt, ein Schnellschuß wie es ihn öfter geben sollte - und wie er nicht von der Filmgeschichte begraben werden sollte. (7/10)