Review
von Leimbacher-Mario
Where is... my Mind...
Obwohl dieser „Brain Dead“ zwei Jahre vor (!) dem zusammengeschrieben „Braindead“ von Splattermeister Peter Jackson erschien, steht er bis heute massiv in dessen Schatten, ist er quasi in Vergessenheit geraten. Unverständlich, denn „Brain Dead“ ist nicht nur die einzige Kooperation der beiden großen Holywood-Bill P.'s, bei denen ebenfalls bis heute einige Schwierigkeiten haben, diese auseinanderzuhalten, sondern auch ein mitreißender und cleverer Psychothriller mit makaberen Horroreinlagen. Produziert von Frau Corman (jip, Gattin des B-Movie-Produzentengiganten) und inszeniert von einem gewissen Adam Simon, der sich später für „Carnosaurus“ verantwortlich zeichnen sollte, dessen Karriere und Bekanntheit gefühlt schneller beendet war als sie angefangen hatten.
„Brain Dead“ erzählt von einem führenden Wissenschaftler in einer hochtechnisierten und profitgierigen Firma, die gerne an psychisch kranken Menschen Gehirnforschung betreibt. Doch schon bald scheint ihm sein eigener Denkapparat Streiche zu spielen und er gerät selbst sehr verstörend in die verschwimmende Ziellinie seiner ethisch äußerst zweifelhaften Forschung... Was die Peter Jackson-Goresternstunde an Rasenmähern und Hektolitern Lebenssaft bietet, kann dieser „Brain Dead“ - den man auch als campigere Version von Lynchs „Lost Highway“ (ebenfalls mit Pullman!) beschreiben könnte - mit Intelligenz, Ambivalenz und eben den zwei Bills in Topform wieder ausgleichen. „Brain Dead“ von 1990 nimmt den Ausdruck Brainfuck ziemlich wörtlich und kann definitiv genauso sehr verstören wie Spaß bereiten. Pullman spielt den abdriftenden Mad Scientist bravurös, die Kommentare zum Thema Ethik, Wissenschaft, Persönlichkeit und Realität sind vielschichtig, ein wenig erinnert das mysteriöse und schwer unterhaltsame Teil auch an den brandneuen „Possessor“ vom Cronenberg-„Söhnchen“. „Brain Dead“ ist so fies wie traurig, versetzt sich/uns meisterhaft in die Lage von schizophrenen oder unter Paranoia leidenden, allgemein psychisch kranken Personen, und verliert trotz all seiner (wiederum wortwörtlichen) kopflastigen Komplexe nie seine Leichtigkeit, seinen Spieltrieb, sein Augenzwinkern. Etwas wirr - aber es lohnt sich diesen Knäuel aufzudröseln! Plus: der Score kann auch was!
Fazit: auf rutschigen Treppenstufen in den Abgrund... Weder „Brain Dead“ selbst noch seine zwei Bills sollten verwechselt werden! Denn hierbei handelt es sich um feinsten Paranoia-Horror zwischen „Re-Animator“ und „Jacob's Ladder“. Mit etwas mehr Schmunzeln. Gehirnschmalz, Grauen und Galgenhumor. Gefällt mir!