Review

„Ich will, dass es keine Überlebenden gibt – das gilt besonders für Barbara Gibson!“

Die italienische Kino genießt bei sich weniger mit der Materie Auskennenden mitunter den Ruf der Plagiatsschmiede, die sich mehr schlecht als recht an erfolgreiche Titel aus dem Ausland aus kommerziellen Erwägungen heraus hängte. Wasser auf die Mühlen dieses eigentlich unzutreffenden Klischees ist der lausige „Star Wars“-Rip-Off „Kampf um die 5. Galaxis“, den ausgerechnet Meister-Regisseur Aldo Lado („Malastrana“) mit Enzo. G. Castellari („The Riffs – Die Gewalt sind wir“) als Second-Unit-Regisseur und weiteren namhaften Filmschaffenden im Jahre 1979 verbrochen hat.

Der entflohene Imperator Lord Graal (Ivan Rassimov, „Mondo Cannibale“) beauftragt seine Armee damit, auf dem ehemals „Erde“ genannten Planeten Metropolis (wie kreativ, übrigens auch das erste gesprochene Wort des Films) das Element Kapatron zu stehlen, mittels dessen der verrückte Wissenschaftler Kraspin (Arthur Kennedy, „Hexensabbat“) arglose Menschen in böse und quasi unzerstörbare, willenlose Humanoiden verwandeln kann. Diese sollen u.a. Graals Frau Lady Agatha (Barbara Bach, „Malastrana“) helfen, weibliche Opfer für ihre Verjüngungskur mittels eines von Kraspin gebrauten Serums heranzuschaffen. Als erster muss Pilot Golob (Richard Kiel, „Der Spion, der mich liebte“) dran glauben, der mit seinem Roboterhund unterwegs war. Als Humanoid lautet sein Auftrag nun, die Wissenschaftlerin Barbara Gibson (Corinne Cléry, „Geschichte der O“) zu töten, bevor diese gefährlich werden kann – obwohl Graal ihn eigentlich seinem älteren Bruder, der ihn in den Space-Knast brachte, auf den Hals hetzen wollte. Doch Babsi wehrt sich mitsamt ihres ostasiatischen, über spezielle Fähigkeiten verfügenden Schülers Tom Tom (Marco Yeh) redlich…

Puh, ich weiß nicht, ob ich die Prämisse jetzt korrekt wiedergegeben habe, denn bei laberlastigem und unnötig verkompliziertem Science-Fiction-Kitsch schalten meine Ohren automatisch auf Durchzug. Die beknackte Story hat auch gar nicht so viel mit George Lucas‘ Sternenoper zu tun – aber der Look! Einige Weltall-Szenen wurden 1:1 aus „Star Wars“ nachgebildet und natürlich stand nur ein Bruchteil des Budgets zur Verfügung, so dass hier Improvisationstalent gefragt war – das von halbwegs respektabel bis zum Schießen komisch reicht. Für die Spezialeffekte verantwortlich: „Anthony M. Dawson“ alias Antonio Margheriti, Italophilen als Low-Budget-Genre-Regisseur mit Händchen für Miniatur-SFX bekannt. Ivan Rassimov gibt mit schwarzem Helm und Umhang Darth Vader für Arme, während Richard Kiel offenbar eine Art Han Solo darstellen soll, Barbara Bach Prinzessin Leia imitiert und der Roboterhund bei R2-D2 in die Schule ging. Welch eine Darstellerriege also, die hier in mies abgekupferten Rollen verheizt wird – und Ennio Morricone dirigiert dazu den Synthesizer! Der absolute Brüller aber ist Corinne Clérys Frisur, die aussieht, als trage sie totes Federvieh auf dem Kopf… oder einen Flughund.

Die Plemplem-Handlung wird angereichert mit vielen, vielen Laserstrahlen, Actioneinlagen und Explosionen, etwas nackter Haut, dem lästigen, aber mitschießenden Roboterhund und dem ultranervigen neunmalklugen Streberkind Tom Tom, das schlichtweg alles kann, bis es endlich auf einem Serviettenhalter davonbraust. Zu einem unfreiwilligen Running Gag avancieren die zahlreichen Absichtsbekundungen und Aufforderungen, Barbara Gibson zu töten, die sinnigerweise den „Humanoiden-Abwehrcode“ vergessen hat… Morricone wechselt zwischenzeitlich zum heroischen Bombast, was unpassender als in diesem Film schwerlich wirken könnte. Richard Kiel und Kennedy chargieren um die Wette, Lord Graal wird als „die Inkarnation des Böses“ enttarnt und das ultrakitschige Happy End setzt dem Schwachsinn die Krone auf.

Obwohl „Kampf um die 5. Galaxis“ (vollkommen sinnbefreiter deutscher Titel) unverkennbar auf flache Familienunterhaltung (statt auf totalen Wahnsinn wie Luigi Cozzis ungleich empfehlenswerterer „Star Crash“) getrimmt wurde, hat es eine härtere Szene in den Film geschafft, in der eine entblößte Dame in einem Folterinstrument durchbohrt wird; auch der Bach’sche Alterungseffekt ist nicht ganz zu verachten. Gefahr geht von diesem Film aber lediglich für die grauen Zellen aus, denn der Hirnrissigkeitsfaktor bewegt sich in ähnlichen Regionen wie im weiteren Italo-Sci-Fi-Gaga „Einer gegen das Imperium“. Lados Weltraumschmierentheater ist ein perfektes Beispiel für gänzlich misslungenes Plagiatskino, für das, was dabei herauskommt, wenn man sich aus Trittbrettfahrerei jeglicher Kreativität und Originalität entledigt und ein zum Fremdschämen trashiges Stück italienische Filmgeschichte, fabriziert von Leuten, die es eigentlich wesentlich besser konnten. Abgehärtete Freunde des größeren Celluloid-Unfalls werden gerade deshalb ihren Spaß damit haben, ich schau mir lieber noch einmal „Star Crash“ an.

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