Review

Der kleine Michael versteht die Welt nicht mehr:
Was haben Mama und Papa gemacht, als sie da letzte Nacht so leicht bekleidet aufeinander rumgerollt sind?
Wieso bekomm’ ich Ärger, wenn ich in der Schule Bilder von toten Menschen male?
Warum gibt es zu Hause immer so viel Fleisch zu essen?
Fragen über Fragen… Doch eines ist sicher: mit Mikes Eltern, besonders mit seinem Vater, stimmt irgendetwas nicht. Zusammen mit einer Freundin vom Mond und der Schulpsychologin geht der kleine Bub den Sachen auf den Grund…

Lässt der Titel noch eine lockerflockige Horrorkomödie im Stile von „Meine Mutter ist ein Werwolf“ oder „Mein Großvater ist ein Vampir“ (beides Meilensteile in der Rubrik „Filme, die die Welt nicht braucht“) erahnen,
entpuppt sich der Film recht flott als völlig geisteskranke Horrorsatire, zwar durchaus mit humoristischen Anwandlungen versehen, im Grundton aber stets todernst und bitterböse.

Handlung weist der Streifen lange nicht wirklich auf. Im Zentrum des Geschehens stehen just Protagonist Michael – ein untersetzter, schüchterner Außenseiter, der irgendwie mit sich und seiner Umwelt nicht ganz im Einklang zu sein scheint – und dessen gefühlte, von schauderhaftem Horrorgedröhne untermalte Realität. Viele Szenen hätten gar keine so krasse Wirkung, wäre da nicht diese bedrohliche Hintergrundmusik…
In gewisser Weise trifft PFUI TEUFEL! mit der Darstellung von Mikes Gefühlswelt den Nagel aber schon ziemlich perfekt auf den Kopf, wie es in einem so aussehen kann, wenn man sich von allem und jedem missverstanden und ungeliebt fühlt. Da wird oft das normalste Gespräch zum brutalsten Verhör und der leichteste Seitenhieb zum fiesesten Schubser… Gut, selbst wenn ich einen schlechten Tag schieb’, hab’ ich meistens keine Visionen von Würsten, die mir an die Gurgel wollen, wie unser Dreikäsehoch hier, aber irgendwie könnte ich mich schon gut reinfühlen, was der Streifen im übertragenen Sinne zu vermitteln versucht.

Ganz böse karikiert und verunmenschlicht wird hier der amerikanische Mittelstand.

- Bestandteil 1: der Vater
Ein hart arbeitender, Pfeife rauchender, Hemd und Krawatte tragender Ehemann mit einem
Haarschnitt, nach dem man die Uhr stellen kann. Zucht und Ordnung sind seine Bibel, weshalb
er seinen Sohnemann, von dem er offen zugibt, maßlos enttäuscht zu sein, auch
wahlweise mit „Soldat“ oder „Versager“ anredet.

- Bestandteil 2: die Mutter
Hauptfunktionen: Mutter, Eheweib und Köchin, die zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt.

- Bestandteil 3: das Kind
Hier leider: Kind kaputt…

In gewisser Weise kommt die Rasselbande hier fast einer alptraumhaften Version einer Familie aus einer 50er-Jahre-Sitcom gleich. Allerdings ist nie so wirklich klar, wie viel nun Realität ist, und wie viel sich nur in Michaels verschrobenem Verstand abspielt.
Als sich dann am Ende herausstellt, dass die Eltern tatsächlich Kannibalen sind und sich im Keller und in der Kühltruhe bereits die Leichen stapeln, ist man schon fast zu sehr von der von blutigen Alpträumen, Fleischaversion und versagter Vaterliebe malträtierten Psyche unseres jungen Antihelden gefangen, um dem Gezeigten noch Glauben schenken zu können.
Aber sei’s drum: Dieser Schinken ist von Anfang bis Ende 100% Psycho und ihr werdet eure Eltern nach dem Genuss dieser Geisterbahnfahrt gewiss mit anderen Augen sehen…

Was man nun von diesem Film lernen kann:
1.) Alle Erwachsenen sind Kannibalen.
2.) Die ganze Welt besteht aus Chemikalien.
3.) Hände von Erhängten brennen ewig.
4.) Wenn man eine schwarze Katze in den Ofen steckt, sie schmoren lässt und anschließend
auf den verkohlen Knochen rumkaut, wird man unsichtbar.
(…bitte keine Fragen…)


„Aber Dad, ich hab’ Angst im Dunkeln.“
- „Michael, der Keller ist dunkel, dein Zimmer ist dunkel, es ist alles dunkel in der Nacht.
Bald werden wir alle Lichter ausmachen und dann ist es überall dunkel.
Aber du weißt, da ist ein ganz dunkler Platz, da müssen wir alle sehr vorsichtig sein.
Du weißt, wo das ist?“

*tippt sich an die Schläfe und lacht*


Fazit:
Horrorhafte Außenseiterstudie und bitterböse Satire auf den „American Way Of Life“ in einem. Zwar nicht wirklich übermäßig spannend, dafür aber durchgeknallter als jeder "American Psycho".
War das da im Kühlfach wirklich die gefrorene Weihnachtgans oder… oder vielleicht doch der Kopf der Nachbarin, die bereits vor Wochen in Urlaub gefahren ist…!?!? …WAAAAAAAH!!!

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