Review

Mr.Fox ist eine elegante Erscheinung. Groß gewachsen, gepflegt gekleidet und voll bester Manieren, wenn er seiner Frau Felicity die Wahl lässt, welchen Weg sie bei ihrem gemeinsamen Spaziergang einschlagen. Als sie sich für den kürzeren entscheidet, weist er sie darauf hin, dass der andere Weg die bessere Aussicht böte, woraufhin sie auf seinen Vorschlag eingeht. Doch so schön der Weg ist, der die Beiden zu einem Bauernhof führt - ihr alleiniges Ziel liegt darin, Tauben zu stehlen.

Bei Mr. Fox und seiner Frau handelt es sich nämlich um ein Fuchspärchen, aber wie schon diese erste Szene verdeutlicht, mit sehr menschlichen Zügen. Diese zeigen sich auch an Mr.Fox' Hang, mit dem Feuer zu spielen, denn als er eine Fuchsfalle vor dem Stall entdeckt, aus dem sie gerade erfolgreich gekommen waren, juckt es ihm in den Fingern. Er löst sie in dem Glauben aus, die Falle käme an einer anderen Stelle herunter, was sich als Irrtum herausstellt. Gefangen und in Erwartung der Bauersleute, gesteht ihm seine Frau, dass sie schwanger ist. Voller Freude, aber zusätzlich durch die Situation gewarnt, verspricht er ihr für den Fall, dass sie lebendig davon kommen, nie wieder zu stehlen.

Natürlich entkommen sie, was sich nach einem Handlungssprung von mehreren (Fuchs)Jahren in der Konsequenz zeigt, dass er inzwischen als Kolumnist arbeitet, einen schulpflichtigen Sohn namens Ash hat, und sonst ein solides, eher bescheidenes Leben in einem Fuchsbau verbringt. Doch in Mr.Fox gären noch die alten Erinnerungen an sein früheres aufregendes Leben und als sein Blick, bei der Suche nach einer neuen Wohnung in einem Baumstamm, plötzlich auf drei große Bauernhöfe fällt, steht sein Entschluss fest. Er kauft die Wohnung und schmiedet einen Plan, wie er in die drei bestens bewachten Bauernhöfe einbrechen kann.

Was sich nach einem klassischen Heist - Film anhört, ist erst einmal die Verfilmung eines Kinderbuchs von Roald Dahl, dazu noch kindgerecht mit handgemachten Puppen in Stopp – Motion - Technik umgesetzt. Das wird auch an der einfach erzählten Story deutlich, die keine Verschachtelungen oder Rückblenden braucht, sondern geradlinig von den Einbrüchen in die drei Bauernhöfe erzählt, mit der darauf folgenden Racheaktion der Bestohlenen, die dem Fuchs an den Kragen wollen. Das dabei auch dessen Familie, der er sein neues Abenteuer verheimlichen wollte, in Gefahr gerät, erhöht nur die Schwierigkeiten des Fuchses, der sowohl ums Überleben, als auch den inneren Familienfrieden kämpfen muss. Glücklichweise hat er dafür eine große Zahl von Tieren an seiner Seite.

Diese Einfachheit in der Struktur lässt auch Kinder großes Vergnügen an einem Film empfinden, der sprachlich und in der psychologischen Anlage ein Erwachsenenpublikum anspricht. Weniger die Vater – Sohn – Problematik kann dabei überzeugen, die eher an konventionelle Erzählgewohnheiten angelehnt ist, sondern viel mehr die Verzahnung zwischen menschlichen und tierischen Verhaltensmustern. Offensichtlich wird das, wenn der distinguierte Mr.Fox nach seiner kultivierten Tischrede frisst wie ein Tier, raffiniert, wenn er – auf seine Schwächen angesprochen – das wilde Tier erwähnt, dass in ihm steckt. Denn im Gegensatz zu den drei dümmlichen, groben und hinterhältigen Bauern, die ihn mit allen Mittel verfolgen, ist Mr.Fox ein Muster an Kultur, aber gleichzeitig so von sich eingenommen, dass seine Umwelt darunter leidet.

Roald Dahl gelingt mit dieser Anlage, die im Film von Wes Anderson kongenial umgesetzt wurde, eine Verkehrung der klassischen Fabel. Nicht das Tier steht hier für einen Menschen, sondern ein Mensch in Tiergestalt erinnert sich an seine tierischen Instinkte und die Figuren in Menschengestalt benehmen sich wie wilde Tiere. Und damit ist der Film wieder ganz nah an der Realität, die er mit viel Tempo, Krach und Witz umsetzt – vergnüglich für Actionfans, Trickfilmliebhaber und Anhänger hintergründigen Humors (8/10).

Details
Ähnliche Filme