Eine Idee allein macht weder einen Sommer noch einen guten Film.
Deswegen war es möglicherweise als Idee ganz reizvoll, das Invasionsthema der 50er-Jahre von Außerirdischen, die auf unserem Planeten Panik verbreiten einfach mal komplett auf den Kopf zu stellen und Menschen als Eindringlinge bei den Aliens darzustellen, als abendfüllender Animationsfilm ist das leider eher mäßig ausgefallen.
Das liegt hauptsächlich daran, daß man sich an das Konzept ZU detailgetreu gehalten hat, anstatt die Prämisse mal etwas aufzufrischen und zu verfremden. Also müssen sich die grünen Bewohner des Planten 51 in ihrer überschaubaren Weltsicht eben genauso klischeebefrachtet und spießig aufführen wie das Kleinstadtamerika des Norman Rockwell es uns so "pleasantvillesk" vorgelebt hat.
Die Bauten sind aus der obligatorischen Ami-Kleinstadt, alle sind naiv und brave Mittelstandsbürger, die Army ist komplett paranoid, die Wissenschaftler total gaga in ihrer Paranoiapanik, es gibt ein Museum und im Kino laufen Invasionsfilme, in denen "Humanoide" den Planeten in Schutt und Asche legen. Und währenddessen hadert "Alien McFly" damit, daß niemand ihn ernst nimmt, er seinen ersten Job hat, sein Freund ein Comicnerd ist und er für seine liebe, brave Freundin ohne wahrnehmbaren Charakter (außer Süß-sein) zu schüchtern, so daß diese sich an einen dümmlichen langtentakeligen Hippie-Protestler ohne Hirn hängt.
Das soll dann wohl satirisch verblendet wirken, ist aber nur brav und abgedroschen, den Witz dahinter hat man binnen drei Minuten geschluckt und wenn dann der tölpelhafte menschliche Astronaut auftaucht, der selbst in Panik nur noch mehr Panik provoziert, wenn er nicht gerade nachweist, daß ihn die NASA offenbar nur wegen seines kataloghaften Zahnpastalächelns und seines explosiven Egos eingestellt hat. Großspurig und von sich selbst überzeugt macht er alles nur noch schlimmer, was eh schon kompliziert ist und es bedarf schon der totalen Unfähigkeit paranoider Militärs, um aus der Area 51-Schaffe, die später abgeht (Untersuchungen, Autopsien, Selbstzerstörungsmechanismus, gähn...) noch so etwas wie einen Höhepunkt herauszupressen. Und einen Film, der zum 275.Mal binnen einer halben Stunde Laufzeit, den uralten "E.T."-Joke, am aufgehenden Mond vorbei zu fliegen aufgreift, kann man im 21.Jahrhundert nun wirklich nicht mehr mögen, das ist kreativer Witzkahlschlag.
Da muß dann ein kleiner Steinsammelrobot im Hundemodus herhalten (den böse Zungen als schöde bei "Wall-E" abgekupfert einstufen können), um das Geschehen wenigstens durch etwas Tempo aufzuwerten und mittels robotischer Niedlichkeiten die äußerst flachen Figurenkarikaturen aufzuwerten. Dazu kommen noch zwei tölpelhafte Soldaten hirnloser Bauart, denen die Synchro (und das ist die einzig kreative Wahl hier) die deutschen Stimmen von "Spongebob Schwammkopf" und "Patrick Star" gegeben hat, die das alles noch zusätzlich strecken.
Ein paar nette Vergleiche mit den den Werken der 50er kann man durchaus ziehen und die deutschen Stimmen sind mitunter den amerikanischen Sprachvorbildern angepaßt, aber alles in allem ist "Planet 51" zu beliebig, um wirklich ein funktionsfähigker Kinofilm zu sein. Stattdessen kaut er angemessen die Uraltthemen von Familie, Liebe und Karriere nach Schema F durch, ohne wirkliche Überraschungen zu bieten oder die Figuren auch nur ansatzweise originell genug zu zeichnen, um sich auch nur eine Viertelstunde an ihre Namen zu erinnern.
Es gibt sicherlich langweiligere und gestrecktere Animationsfilme, aber wer einen Pixarfilm kennt oder die weitestgehend originellen anderen Projekte des letzten Jahrzehnts genossen hat, weiß sofort, daß dieser bei weitem nicht mithalten kann, in jeder Hinsicht. (5/10)