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Im nächtlichen Verkehr von Chicago hat es ein fahrerloser schwarzer muscle-car sehr eilig - in einem Hinterhof angekommen, verwandelt sich das Fahrzeug flugs in einen roten Sportwagen und erregt auch sofort die Aufmerksamkeit zweier Dumpfbacken, die gerade aus einer Disco kommen. Doch der Flitzer, bei dem der Schlüssel einladend im Zündschloß steckt, erweist sich schnell als tödliche Falle, denn kaum sind die beiden eingestiegen, versperren sich die Türen und verdunkeln sich die Scheiben - das merkwürdige Fahrzeug tötet seine Insassen. Kurz darauf ist der Bolide wieder in schwarz unterwegs, rammt ein anderes Fahrzeug und wird, reichlich ramponiert, in eine Vertrags-Werkstätte der Chicagoer Polizei geschleppt. Als sich dort ein Mechaniker das Teil ansehen will, wird er vom plötzlich losfahrenden Killer-Fahrzeug gerammt und fliegt in eine Grube. In der mehrstöckigen Garage fällt das mörderische Treiben vorerst niemandem auf, da deren übereifriger Leiter Ray (Oded Fehr) damit beschäftigt ist, seine Leute herumzuscheuchen. Und da die Notausgänge auch blockiert bzw. zugeschweißt sind - schließlich sollen keine Junkies in der Garage übernachten - befinden sich die fünf Männer und zwei Frauen dann mitsamt dem mörderischen Boliden in dem Betongebäude eingeschlossen - ein tödlicher Wettlauf beginnt...

Die Thematik mit einem menschenverschlingenden Auto ist sicher nicht jedermanns Sache, und Regisseur Eric Valettes Super Hybrid wirkt auch streckenweise wie eine Hommage an die 80er Jahre, seien es die großen, ausladenden US-Schlitten, in die sich das Monster-Auto zeitweilig verwandelt oder auch die wenig ausgefeilten Charaktäre wie die nicht sonderlich intelligenten Mechaniker, die sexy Sekretärin oder der schikanöse Boss - von den belanglosen, nur als Füller dienenden Dialogen einmal ganz abgesehen. Auch das Fahrzeug selbst, dessen "eigene" Sichtweise auf das Geschehen öfters mit einer rötlichen Bildschirm durch die Frontscheibe gezeigt wird, erinnert frappierend an die Perspektive des Terminators (1984), das äußere Erscheinungsbild an K.I.T.T. aus dem Knight Rider (ab 1982) und die mörderische Vorgehensweise an Carpenters Christine (1983).

Was das tödliche Fahrzeug antreibt, woher es kommt und was dahinter steckt, bleibt freilich weitgehend ungeklärt, lediglich eine abgesonderte bläulich-ölige Flüssigkeit taucht dann und wann auf, und im Inneren wird mit Octopus-artigen Tentakeln zu Werke gegangen, wenn menschliche Nahrung verwertet wird - den Rest darf sich der geneigte Zuschauer selbst zusammenreimen. Wenn er dazu dann überhaupt noch Lust hat, denn das größte Problem von Super Hybrid ist nicht die creepy Prämisse mit dem sich stets regenerierenden, Fauch- und Grunzlaute von sich gebenden Auto mit einem schlangenartigen Monster im Motorraum und seinen sekundenbruchteilschnellen Verwandlungen und Standplatzwechseln, sondern die budgetbedingte Location in einer Garage. Wie viel abwechslungsreicher hätte sich das Treiben draußen auf den Straßen gestaltet, wenn beispielsweise auch Polizei oder Militär involviert worden wären, aber das hätte das schmale Budget gesprengt (die eingesetzten CGI-Effekte sind teilweise auch entsprechend grenzwertig), und so laufen die Eingeschlossenen, die zum Zeitpunkt des Geschehens, an einem Wochenende, sowieso keine Hilfe von draußen erwarten können, eben Stockwerk für Stockwerk vor dem tödlichen Boliden davon, was besonders im Mittelteil zu einigen Längen führt, da sich die Truppe tatsächlich von Rays Idee, das Monster einzufangen, begeistern läßt...

Erst zum Schluß hin wird ein wenig das Tempo angezogen, und auch wenn das vorhersehbare Ende (das geringe Spannungspotential rührt hauptsächlich vom Raten nach den zum Schluß Überlebenden her) inklusive Cliffhanger wohl niemanden mehr vom Hocker reißt, bleibt Super Hybrid für Genrefreunde sicher so etwas wie ein Geheimtip. Für die zwar nicht ganz neue, aber immer noch herrlich schräge Idee mit dem bösartigen Killer-Auto sind trotz einiger budgetbedingter Schwächen 6 Punkte angemessen.

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