Review

Mario Bava, der prägende Regisseur aus Italien, hat mit  "Blutige Seide" einen wunderbaren Giallo abgeliefert, er schon damals die Grundstruckturen des Genres festigte und bis heute noch Gültigkeit hat.
Vor dem Modesalon der Contessa
Christina Cuomo wird das Model Isabella während eines Stromausfalls brutal ermordet. Inspektor Silvester nimmt die Ermittlungen auf, tappt aber zunächst im Dunkeln. Als auf einer Modeschau das Tagebuch von Isabella gefunden auftaucht, wird es der kompletten Belegschaft des Modesalons Angst und Bange, da niemand eine saubere Weste hat zu haben scheint. Das Tagebuch verschwindet noch auf der Modeschau und prompt schlägt der maskierte Killer wieder unter den Models zu...

Bava liefert hier den perfekten Prototypen des Giallos ab. Maskiert, mit Ledermantel und schwarzen Handschuhen ausgestattet, schlägt der Killer, für einen Film von 1964, recht rabiat und blutig bei den hübschen Damen zu. Die Schlichtheit der Maskerade ist gerade deren Pluspunkt.
Bava zaubert hier mal wieder tolle Kontraste aus Licht und Schatten und speziell hier eine unvergleichliche Farbpalette. Gekonnt setzt er Farbakzente in die Kulisse, die wunderschön pompös und ausladend von der Linse eingefangen wurde. Schon der Vorspan schwelgt in einem Farbenrausch, in dem die Darsteller kurz gezeigt werden. Der Killer arbeitet sich recht kreativ von Dame zu Dame. Bava streut immer mal wieder Hinweise, lockt aber auch mal hier und da mit falschen Fährten. Zu Beginn sind im Grunde alle Verdächtig und fürchten sich vor dem Tagebuch, das ihre Machenschaften ans Licht bringen könnte.
Die Darsteller liefern anständige Leistungen und der Film bietet eine herrliche 60er Jahre Atmosphäre. Das liegt auch hier speziell an den Farben und Bavas zusätzliche Farbtupfen. Speziell rot schießt den Zuschauer plakativ an. Dazu gesellen sich mal wieder Bavas exzellente Kamerafahrten, ein wohliger Spannungsbogen, komplett ohne Durchhänger. Dadurch, das der Zuschauer meistens schon vorab weiss, das der Killer anwesend ist, steigert er hier die Spannung zusätzlich und schafft den einen oder anderen suspense Moment. Gekonnte Schnitte, eingestreute Perspektiven mit dem Killer im Hintergrund oder als Schatten vorbeihuschend, drehen zusätzlich an der Spannungsschraube.
Der Soundtrack bietet ein süffisantes Hauptthema, das ab und an variiert wird und wird durch hervorragende Effekte und weitere Musikstücke ergänzt.
Wer auf Giallos steht kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch Krimi Fans sind hier gut beraten, Bava liefert wiederholt gekonnte Film-Kunst ab. Ein Schmaus für die Augen in einer wunderbaren Umsetzung, wie man es vom Meister gewohnt ist. Angesichts der Produktionsjahres 1964 geht es recht blutig zur Sache und wer nicht gerade mit "so alten" Produktionen auf Kriegsfuß steht, wird auch noch heute hervorragend unterhalten. Für Bava Fans sowieso ein Muß!

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