Review

Tja, hier haben wir es nun, den Ur-Giallo, das Werk des ehemaligen Kameramanns Mario Bava.

Dass Bava es lernte, perfekt eine Kamera zu führen, und ein Gefühl für Settings, den Einsatz von Licht/Schatten und Farben hat, das merkt man dem Film wirklich in jeder Sequenz an. Welch Spiel mit Licht und Farben Bava in den barocken Settings entwirft, ist schon bemerkenswert, wenn auch teilweise etwas übersteigert, fast schon irreal.

Die Farbe Rot ist allgegenwärtig, da werden z. B. rote Kleiderpuppen als Ankündigung der blutigen Morde an den Mannequins platziert oder wird den Opfern das drohende Schicksal mittels roter Telefone „angekündigt“.

Auch der Score überzeugt, der die jeweilige Stimmung aber auch Ablenkungsmanöver gut unterstützt, ohne je zu aufdringlich zu werden.

Allerdings hat der Film auch seine Schwächen. Ein wirklich spannender Plot ist Bava leider nicht eingefallen. Zwar werden diverse falschen Spuren gelegt, anfangs baut sich auch eine bedrohliche und spannende Atmosphäre auf, die aber vor allem der erwähnten Kameraführung, dem Spiel von Licht und Schatten und den virtuos inszenierten Morden zu verdanken ist.

Die Charakterzeichnung ist leider relativ dürftig, was wohl (auch) der Verschleierung geschuldet ist. Das Spiel der Protagonisten ist zum Teil recht anstrengend und grenzt das eine oder andere Mal an Overacting.

Die eigentliche - recht frühe - Auflösung kommt nicht sehr überraschend und die Motive sind (wie fast immer) die gleichen.

Letztendlich kann man doch resümieren, dass sehr viel Style aber etwas wenig Substance diesen Film beherrscht.

„Blutige Seide“ ist ein wegbereitender und einflussreicher Film, der vermutlich einen Argento inspiriert haben dürfte (der allerdings wesentlich blutiger zu Werke ging), aber für sich betrachtet ist er kein herausragendes Meisterwerk.

8/10

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