Die adelige Cristina führt zusammen mit Max eine Modelagentur. Als das Model Isabella brutal ermordet wird, ermittelt die Polizei unter Inspektor Silvestri. Doch die polizeiliche Untersuchung ist nicht sehr erfolgreich, da sich weder in der Agentur, noch bei Isabellas Freund Frank, Hinweise oder ein Motiv ergeben. Nicole, ein weiteres Model der Agentur, entdeckt Isabellas Tagebuch, das die kompromittierenden Aufzeichnungen über Drogen, Erpressung und Intrigen unterhalb der Angestellten der Agentur enthält. Als Nicole das Tagebuch der Polizei übergeben will, wird auch sie Opfer eines Mordanschlags. Inspektor Silvestri steht weiterhin vor einem Rätsel und muss den Fall von neuem aufrollen.
"Blutige Seide" ist ein Kriminalfilm des Regisseurs Mario Bava (DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT, IM BLUTRAUSCH DES SATANS) aus dem Jahr 1963, der in italienisch-französisch-deutscher Koproduktion entstand. Der film-dienst beschreibt den Streifen als eine "sorgfältig ausgestattete und in der weiblichen Hauptrolle gut gespielte Kriminalunterhaltung im Moritatenstil".
Bavas Krimi markiert dabei aber vielmehr die Geburtsstunde des Giallo, der im Laufe der Jahre durch Regisseure wie Dario Argento, Sergio Martino und Mario Bava selbst, hinsichtlich Inszenierung und Stilmittel weiter entwickelt und perfektioniert wurde - hier aber bereits die ersten Grundzüge und Versatzstücke des Subgenre erkennen lässt.
Hier, wie in jedem anderen Giallo auch, steht eine unheimliche Mordserie (in diesem Fall an Frauen bzw. Models) im Fokus der Handlung. Die Kills sind gewohnt stilvoll und, für damalige Verhältnisse, mit den genretypischen Härten inszeniert. Bava kombiniert dabei eine intensive Farbdramaturgie mit Licht-, Schatten- und Spiegeleffekten, die dem Film die stilistisch anspruchsvollen Nuancen verleihen und später in den Inszenierungen Argentos zur formvollendeten Kunstform erhoben wurden.
Im stilvollen Ambiente inszeniert, überzeugt "Blutige Seide" mit einer liebevollen und edlen Ausstattung. Angesiedelt im illustren Jet-Set-Milieu, setzt Bava bewusst auf falsche Fährten, um den Zuschauer hinsichtlich des Täters und seines Motivs in die Irre zu führen - was auch anfangs durchaus funktioniert, da der Film mit einigen überraschenden Wendungen und Twists aufwartet.
Handwerklich einwandfrei in Szene gesetzt, sorgen vor allem auch einige irrationale Handlungsweisen des Killers und manche Dialoge für leicht trashige Momente und einen Hauch von unfreiwilliger Komik.
Die Auflösung kommt etwas verfrüht, wirft aber noch ein paar trickreiche Entwicklungen ins Spiel. Letzten Endes ist Mario Bava ein höchst stimmungsvoller, atmosphärisch dichter und leidlich spannender Genre-Beitrag mit internationaler, namhafter Besetzung gelungen.
7/10