Review

Ein Polizist wird von einer Gruppe von Gangstern getötet. Seine Kumpels, inklusive der Frau, die er geschwängert hat, obwohl er verheiratet ist, sind natürlich angefressen und wollen die Gangster kalt machen, werden aber überrumpelt, weil sie sich anstellen wie die letzten Vollidioten. Doch als die Gangster die Polizisten umbrigen wollen, merken sie, dass überall Zombies herumirren, die ihnen ans Leder wollen. Nun müssen sie das Hochhaus verlassen, und das geht nur gemeinsam...

Frankreich ist ja im Moment sowas wie der Marktführer, wenn es um gute Horrorfilme geht. Martyrs, Inside und High Tension waren geniale und wegweisende Klassiker, und auch Frontier(s) war sicherlich kein schlechter Film, auch wenn seine Kontrahenten ihn schon ein wenig alt aussehen ließen. Der neuste Streich aus Frankreich nennt sich "die Horde", und ist ein Zombiefilm, der wie so viele Zombiefilme keine ungeschnittene Freigabe in Deutschland bekommen hat. Demzufolge waren sehr viele Fans gespannt auf den Streifen, denn das französische Horrorkino blüht, und der Zombiefilm erfreut sich ja sowieso schon sehr großer Beliebtheit. Doch das Ergebnis ist mehr als ernüchternd.

Am Anfang sieht man, wie die Polizisten sich rächen wollen, was nicht klappt. Dann als die Gangster die Zombies stehen, passiert erstmal eine Stunde lang nichts. Klar, hier und da gibts mal ne Backpfeiffe für die untoten Unholde, aber 90% besteht darin, wie sich die Leute gegenseitig anpflaumen, was schon nach relativ kurzer Zeit sehr ermüdend wird. Sie lernen noch einen alternden Gewaltfetischisten kennen, und irgendwann, so in der 70. Minute gehen sie dann ins Untergeschoss, wo sie ein paar Zombies abknallen.

Ich mache es kurz: Die Horde ist mit Abstand einer der 10 schlechtesten Zombiefilme der letzten 20 Jahre. Die Gründe dafür sind zahlreich.

Zum einen die Charaktere. Sie sind allesamt unsympathisch, peinlich und nervig. Allen voran die widerwärtige Frau, die sich den ganzen Film über benimmt wie wie Scheiße am Bein, und dann gegen Ende noch die "Heldin" wird. Sie ist wirklich so unerträglich, dass man als Zuschauer einfach jede Minute, in der sie im Bild ist, hofft, dass ein Zombie kommt und sie tötet. Doch das ist uns nciht vergönnt, sie ist überlebt. Das ist kein Spoiler, denn die Frau ist schwanger, und bei so einem Kommerzfilm ist es klar, dass sie nicht über die Wupper geht, da das Zielpublikum damit überfordert wäre. Doch auch die anderen Charaktere sind richtige Pfeiffen, und obwohl dreiviertel des Filmes daraus bestehen, dass sie sich ein unnötiges Gespräch halten, lernt man nichts, aber auch rein GARNICHTS über sie, sie bleiben bis zum Ende eindimensional und flach. Ein großes "Lob" an die Drehbuchautoren, solch schlechte Arbeit sieht man noch nicht mal bei deutschen Amateurfilmen.

Desweiteren ist der Aufbau total verpatzt. Am Anfang kommt ein wenig Action, dann passiert eine geschlagene Stunde nichts, und dann kommt der kurze und unspektakuläre Showdown, der genauso langweilig, enttäuschend und schlecht ist, wie der Rest dieses Films. Es gibt keine Spannung, ja noch nicht mal eine merkliche Bedrohung ist spührbar, da die Zombies so gut wie nie auftreten. Es wird zwar immer von ihnen geredet, aber die Ausnahmesituation, in der sich die Beteiligten befinden, wird von den Machern nie aufgezeigt. Nach einer halben Stunde denkt man: "OK, es kommt halt später noch was", und nach einer Stunde guggt man nur noch gelangweilt auf die Zeitanzeige des DVD Players und hofft darauf, dass es einfach nur bald zu Ende geht. Die Macher haben es erfolgreich geschafft, den klassischen 10 Minuten Durchhänger, in dem sich die Überlebenden verschanzen (den eigentlich fast jeder Zombiefilm hat) auf Spielfilmlänge auszubreiten. Es kommt einem fast so vor, als wäre es das Ziel der Macher gewesen, einen schlechten Film zu machen. Es ist kaum zu beschreiben, wie schlecht das Drehbuch ist, ich wette die Macher haben nicht einen guten Zombiefilm gesehen.

Ich würde jetzt gerne was zu den Effekten sagen, aber eigentlich gibt es keine. Es gibt eine Hand voll Kopfschüsse, diese bestehen aber lediglich aus einer halbsekündigen Sequenz, in der ein wenig CGI Blut herumspritzt. Auch hier merkt man die Erbärmlichkeit des Films: er verlässt sich auf seine ekelerregenden und grottenschlechten Charaktere, sein minderwertiges Drehbuch, seine nicht vorhandene Spannung und verzichtet einfach mal auf Splatterszenen. Und das in einem Zombiefilm! Dass der Film in Deutschland geschnitten ist, ist wohl eher Traditionssache oder so, ich denke die FSK hat sich einfach seit den 70ern geschworen keinen Zombiefilm ungeschnitten durch dir Prüfung zu lassen. Also auch hier Entwarnung an allen Fronten, für Gorehounds ist der Film auch nicht geeignet. Auch die Zombies sehen sehr schlecht aus, sie sind weder verwest, noch sonst irgendwie als Zombies zu erkennen, sie haben halt Blut ums Maul und benehmen sich aggressiv. Sie sehen aus wie stinknormale Großstadtjugendliche, die Crystal genommen haben.

Der Look ist zwar nicht schlecht, selbiges gilt für den Drehort, aber auch hier hat der Film kein Potential ausgeschöpft, und baut keine Athmosphäre auf. Im Endeffekt hat der Film keine positiven Eigenschaften, lediglich sein scheinbar solides Budget hat ihm seinen Status gebracht, denn heutzutage wird ja jeder Dreck, der genug Geld gekostet hat abgefeiert. Ich will jetzt niemandem auf die Füße treten, aber jeder, der auch nur das Plakat eines alten Romero oder Fulci Klassikers gesehen hat, kann diese Rotze gut heißen. Dieser Film ist einfach nur ein erhobener Mittelfinger in Richtung des gesamten Genres. Ohne zu übertreiben: Die Horde ist so schlecht, dass es mich sauer macht. Die uncut Version kostet 17-22 €, der Film ist keine 5 € wert, selbst 14 jährige dürften gelangweilt sein. Gegen Die Horde ist selbst Resident Evil Teil 2 ein Meisterwerk.

Diese neuen Zombiefilme (Dawn of the Dead Remake, Land of the Dead etc) sind nicht mein Fall, muss ich sagen, aber diese Filme hatten wenigstens einen Spannungsaufbau, Action und ein paar Effekte. Klar ist die Zeit der langsamen Zombies, von denen streng genommen keine Bedrohung ausgeht, vorbei, aber wo andere durchwachsene Beiträge der Neuzeit wenigstens einen Tribut an das Genre geleistet, und es halt für die breite Masse zugänglich gemacht haben, hat "die Horde" dieses Genre einfach nur vergewaltigt. Das traurigste daran ist, dass der Film teilweise auch noch gute Kritiken bekommen hat, und sich anscheinend nicht schlecht verkauft. Armes Deutschland...

Fazit: Der Film ist nicht zu empfehlen. Er ist dumm, nervig, langweilig und ereignislos. Selten habe ich in der letzten Zeit einen so gehypten Film so schlecht gefunden, dieser Streifen ist eine reine Frechheit und hat mit einem Zombiefilm ungefähr so viel zu tun, wie "Findet Nemo". Es gibt keine positiven Aspekte, und keinen Grund sich den Film anzusehen, er ist schlicht und ergreifend scheiße und versagt auf ganzer Linie. Es ist nunmal nicht alles Gold was glänzt, und die Splatter-Hochburg Frankreich hat sich nun zum ersten Mal so richtig auf die Schnauze gelegt.

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