Review
von Leimbacher-Mario
Die Nacht wird zum Sarg
Der Feind deines Feindes ist dein Freund?! Auf den Spuren von Romero und Carpenter nur mit einem bis zum Maximum aufgedrehten Gewaltgrad wandelt „Die Horde“, einer der besseren, härteren und fieseren Zombiefilme seit der Jahrtausendwende. Wir folgen ein paar wütenden Polizisten, die aus Rache für einen ermordeten Freund und Kollegen einen dreckigen Plattenbau im Ghetto stürmen, dort vermummt unter den Drogendealern, Killern und Gangstern mal richtig aufräumen wollen. Doch gerade als die Kacke zu kochen beginnt, müssen sich beide Parteien mehr oder weniger notgedrungen zusammenschließen - denn die Zombieapokalypse hat selten ein gutes Timing und es stürmen Mengen an rasenden Untoten in das Gebäude...
„La Horde“ hat keine Helden, kennt nur Schmutz, Dreck, Gewalt und Gedärme. Mitternachtskino, wie es vor 10 bis 15 Jahren regelmäßig aus Frankreich kam. „Neue französische Härte“ und so. Seitdem ist das deutlich abgekühlt, aber ein „La Horde“ lässt sich dennoch sehr gut weggucken. Nun fast schon etwas nostalgisch. Natürlich am besten im Dunkeln, mit Kumpels, einem fetten Burger und vielleicht sogar etwas Hochprozentigem. Die Figuren sind allesamt Arschlöcher, das Gemetzel kennt kaum Limits, die Kampfchoreos zerdeppern ganze Flure. Und das Beste: man vermisst auch zu keinem Zeitpunkt Sonne, Hoffnung und Happy End. Ein wirklich gelungener Tritt in die Eier! Und ein böser, aber vielleicht gar nicht so weit hergeholter Blick auf eine Menschheit, die in weiten Bereichen vielleicht schon längst in den Abgrund gesprungen ist und es sich dort nun rotzend, fluchend, egoistisch, hasserfüllt und modernd gemütlich gemacht hat. „The Raid“ oder „Les Miserables“ (2019) trifft auf „Dawn of the Dead“ auf Steroiden.
Fazit: harter, nihilistischer, abgefuckter Frenchy, der genauso auf den Spuren Romeros wie der „neuen französischen Härte“ wandelt, immer auf die 12 geht und nichts anbrennen lässt. Heftiger Cop-Thriller, noch heftigerer Zombie-Fledderer. „Die Horde“ ist eine radikale Schlachtplatte. Mit Hackebeil, Shotgun und Fluppe im Mund. Oberflächlich, geradeaus und dunkel. Eine schwarze Seele. Wenn auch etwas arg einfach.