ACHTUNG! SPOILER!
In Boston wird die junge Ehefrau Meg Kelton (Gigi Darlene) von einem Nachbar vergewaltigt. In Notwehr erschlägt sie den Mann mit einem Aschenbecher. In ihrer Verzweiflung über die Tat und aus Angst vor den Konsequenzen beschließt sie, ihren Mann und die Stadt zu verlassen. Mit einem Koffer und einer Handtasche setzt sie sich in den Bus nach New York. Während ihrer Odyssee durch die riesige Stadt lernt sie einen Alkoholiker kennen, der durch ihre Unwissenheit rückfällig wird, sie wird verprügelt, macht Bekanntschaft mit lesbischer Liebe und wird erneut vergewaltigt. Schließlich wird sie von einem Kriminalbeamten als gesuchte Mörderin entlarvt...und erwacht schreiend aus einem Albtraum. Doch zu ihrem entsetzten muss sie erleben, dass der Traum wieder von vorne beginnt...
BAD GIRLS GO TO HELL erzählt eine hochdramatische Dreigroschengeschichte, der ein eigentümliches Moralverständnis zugrunde liegt. Denn nachdem die Hauptdarstellerin am Anfang des Films von einem Nachbar im Hausflur belästigt wurde, erpresst der Täter die Frau mit den Worten: „Come to my apartment or I tell your husband what happend!"
Als der Mann sie später in seinem Appartement vergewaltigt, ist die regelrecht entfesselte Kamera hautnah dabei, was der Szene eine hohe Intensität verleiht. Überhaupt ist die Kameraführung von C. Davis Smith sehr bemerkenswert und hebt den Film aus der Masse ähnlicher Produkte heraus. Seiner Arbeitsweise haftet in vielen Szenen ein fast improvisatorischer Touch an, vor allem immer dann, wenn die Kamera, scheinbar völlig Wahl- und Ziellos, dem Treiben einiger Tauben im Central-Park folgt, unbeteiligte Passanten einfängt, durch kahle Baumkronen schweift oder die Skyline von New York ins Bild rückt. Smith arbeitet dabei häufig mit der Handkamera und ist in vielen Szenen sehr nah am Objekt. Seine Kameraführung ist unruhig, beobachtend, manchmal geradezu lauernd. Die kontrastreichen s/w Bilder haben häufig einen beinahe dokumentarischen Charakter, stellenweise fühlt man sich an Filme des cinéma vérité erinnert. Doris Wishmans „Markenzeichen", nämlich Einstellungen in denen nur die Füße oder Beine von Darstellern oder Statisten zu sehen sind, kommt in BAD GIRLS GO TO HELL zudem vehement zum Tragen. Einige dieser Einstellungen wurden von Smith in extremen close-ups gefilmt und erinnern an Underground- oder Experimentalfilme.
Mit der reizenden und recht niedlichen Gigi Darlene, die laut IMDb in Berlin geboren wurde (als Heli Leonore Weinreich), hatte Wishman zwar keine begnadete Schauspielerin in der Hauptrolle, jedoch eine sympathische Frau, die mit Ihrer angenehmen Natürlichkeit den Film mühelos trägt.
Männer dagegen werden im Film entweder als eklige Schleimbolzen, potenzielle Vergewaltiger oder sonst wie kaputte Typen porträtiert und spielen darüber hinaus so gut wie keine Rolle.
BAD GIRLS GO TO HELL ist ein herrlich absurdes Drama auf Illustrierten-Niveau, mit einer beachtlichen, ehrgeizigen Bildsprache. Für heutige Verhältnisse ist der Film mit seiner Mischung aus verschämten Nuditäten, Pin-up-Posen, angedeuteter lesbischer Liebe und Mädels in Dessous jedoch ziemlich harmlos.
Regisseurin Doris Wishman war eine der ganz wenigen Frauen, die sich in der Männerdomäne des (S)exploitation-Kinos etablieren konnte. Sie begann ihre Karriere als Filmemacherin in den frühen 60er Jahren mit typischen und harmlosen Nudistenfilmen (nudie-cuties), darunter der amüsante „Nude on the Moon". Ab Mitte der 60er drehte sie zunehmend sogenannte „roughies", Filme, die Sex und Gewalt kombinierten. BAD GIRLS GO TO HELL war ihr erster Film nach diesem Muster und wie alle ihre Filme drehte sie auch diesen ohne O-Ton. Erst in der Post-Produktion wurden dann die Dialoge hinzugefügt. Schon diese Vorgehensweise verleiht vielen ihrer Filme eine eigenwillige Atmosphäre, zumal die sprechende Personen zumeist entweder gar nicht im Bild sind oder sich von der Kamera abwenden. In den 70er Jahren inszenierte Wishman u.a. zwei berühmt-berüchtigte Trashfilme mit dem Busenwunder Chesty Morgan und den Sex-Change-Streifen „Let Me Die A Woman".
Doris Wishman war bei den rund 30 Filmen die sie inszeniert hat in der Regel für alle filmtechnisch relevanten Aufgaben zuständig, schrieb die Drehbücher und war ihre eigene Produzentin. Nur die Kamera und den Schnitt überließ sie anderen. Eigentlich war diese bemerkenswerte Frau das Paradebeispiel eines „Auteurs", allerdings in einem wenig geachteten Bereich des Filmbusiness.
BAD GIRLS GO TO HELL ist ein kleines Exploitation-Meisterwerk mit einem großartigen Titel!
Aus der Webung:
Sexy, raunchy, dirty, violent and RATED X!!!
Strictly Adult Filmfare.
A terrifying, screaming plunge to the depths of hell!
Intimate! Passionate! Compassionate!
This is not a nudist or girlie film, not a birth or narcotic film, not a veneral disease film. It is a dramatic, hard-hitting adult story of a girl in trouble...big trouble.