ACHTUNG ! SPOILER !
„I'm mooning over you my little moon doll / with a sad and broken heart / I'm mooning over you my little moon doll / for soon the time will come to part / I'm crying over you my little angel / who lives high above the sky / I'm crying over you my little angel / for back to earth I soon must fly / I lost my love to a moon doll / who dances for the stars / I lost my love to a moon doll / and my heart still bears a burning scar / I long for you my little moon doll / for it's you who makes the moon so bright."
Der schmalzige Song „Moon Doll", dem diese Zeilen entnommen wurden, erklingt ganz am Anfang von NUDE ON THE MOON, noch bevor die Credits einsetzen. Bildlich unterlegt ist das Liedchen mit der sehr schlichten Zeichnung einer „Mondlandschaft". Text und Musik zu diesem, von Ralph Young in angemessen rührseligem Timbre vorgetragenen „Hit" stammen von Judith J. Kushner, der Nichte von Doris Wishman, die mehrfach mit ihrer Tante zusammenarbeitete.
Die Handlung des Films dreht sich um die beiden Wissenschaftler Jeff Huntley (William Mayer) und Prof. Bill Nichols (Lester Brown), die von der Idee besessen sind, mit einer selbst konstruierten Rakete zum Mond zu fliegen. Eine unverhoffte Erbschaft ermöglicht es ihnen, diesen Traum zu realisieren. Rasch wird der Plan, auf den die beiden seit Jahren hingearbeitet haben, in die Tat umgesetzt. Nach einem gelungenem Start und einer weitgehend ruhigen Reise durchs All setzt ihre Rakete schon bald sanft auf der Oberfläche des Mondes auf. Zu ihrer Überraschung stellen sie fest, dass es hier aussieht wie in einem Nudistencamp in Florida! Während sie Flora und Fauna erkunden und zahlreiche Fotos von allem machen, was ihnen interessant erscheint, werden sie plötzlich von einigen nur spärlich bekleideten Männern und Frauen umzingelt und gefangen genommen. Sie werden vor die ebenfalls halbnackte Königin des Mondes (Marietta) gebracht, in die Jeff sich sofort Hals über Kopf verliebt. Nach einigem Hin und Her wird Frieden geschlossen und Jeff beschließt, nicht wieder zur Erde zurückzukehren. Es gelingt Bill aber, ihn von diesem Vorhaben abzubringen und schon bald sind sie auf dem Rückflug. Wieder zu Hause angekommen, stellen sie fest, dass sie ihre Kamera versehentlich auf dem Mond zurückgelassen haben. Daher sind sie nicht in der Lage, Beweise für ihr Abenteuer vorzulegen. Bei der NASA glaubt man ihnen kein Wort, zumal man hier ihre Rakete als „nicht weltraumtauglich" einstuft. Jeff allerdings findet doch noch sein Glück, als er erkennt, dass seine Sekretärin Cathy (Marietta), die er in seiner Fantasie plötzlich nackt vor sich sieht, eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der Mondkönigin hat...
NUDE ON THE MOON war der dritte Filme von Doris Wishman, der ungekrönten „Queen of the Nudies." Für Zuschauer von heute sind Nudistenfilme vergleichsweise unschuldige, kuriose und zumeist langweilige Angelegenheiten, die aber in keiner Sub-Geschichte des Films fehlen dürfen. Die Protagonisten in diesen Filmen (in der Regel echte Anhänger der Freikörperkultur) bewegen sich zumeist nur sehr behutsam, um bloß nicht aufreizend auf das Publikum zu wirken, alle behalten ihre Höschen an oder drapieren Handtücher über allzu intime Körperteile, und man vergnügt sich im allgemeinen mit höchst albernen (Ball)Spielchen.
Doris Wishman hat sich für NUDE ON THE MOON immerhin so etwas wie eine Geschichte ausgedacht und nicht einfach nur ihre Kamera durch ein Nudistencamp getragen. Noch dazu ist die Story herrlich verschroben, wenn zwei Westentaschen-Astronauten mal eben, quasi im vorbeigehen, zum Mond fliegen, depperte Dialoge austauschen und am Ende mit leeren Händen da stehen. Das ganze unsinnige Spektakel wartet mit monochrom eingefärbten, simplen Trickaufnahmen aus dem Archiv auf, mit denen der Flug und die Landung der Rakete illustriert werden, die „Raumanzüge" sind zum piepen und die Mondbewohner sind mit Plastikantennen bestückt, wie man sie aus dem Karneval kennt. Die Königin kommuniziert via Telepathie mit ihren Untertanen, weshalb sie dabei aber flüstert bleibt ihr Geheimnis! In einer Szene betreten die beiden Hauptdarsteller das Gelände des „Huntley Rocket Project" und es entspinnt sich folgender Dialog: „Now, there she is. All set to go!" - „What a beautiful sight!" Zu vermuten ist, das die Beiden über ihre Rakete philosophieren. Dem Zuschauer aber wird dieser „beautiful sight" kompromisslos vorenthalten! Im inneren der „Rakete" sieht es im Übrigen aus wie im Cockpit einer alten Propellermaschine und die beiden Astronauten unterhalten sich mit Hilfe von Handmikrofonen, obwohl sie direkt nebeneinander sitzen. Zudem haben die Piloten plötzlich Funkkontakt zu irgendeinem „Kontrollzentrum", über dass aber weder vor noch nach dem Flug auch nur ansatzweise gesprochen wird.
Doch immerhin, welcher von Wishman's Mitbewerbern im Sexploitation-Genre hätte auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet, seinen Film mit solchen „teuren" Sperenzchen aufzuwerten? Damit zählt NUDE ON THE MOON zu den interessanteren Produktionen in diesem Segment des Kinos, auch wenn die Kunst der Darsteller den Zuschauer wahrlich zu Tränen rührt. Immerhin war die Hauptdarstellerin Marietta mit einem ansehnlichen Body gesegnet. Aber dass dies alles dennoch nichts mit Erotik zu tun hat, sollte sowieso klar sein. Im Übrigen taucht so gut wie keiner der Darsteller nochmal in irgend einem anderen Film auf.
Auch technisch gibt es einiges zu bemängeln, so etwa zahlreiche Anschlussfehler und gewagte Achsensprünge. Aber was soll's: die Doris war ja noch am lernen dranne! Sie ist übrigens gleich in der ersten Szene in einem Cameo zu sehen, wenn man nicht blinzelt!
In einem Kino, das im Film zu sehen ist, läuft gerade Doris Wishmans erster Film „Hide out in the Sun" in „Nudearama"(!), wie es auf der Anzeigentafel heißt. Auf dem Plakat zum Film wird dieser „Gimmick" allerdings als „Nuderama" bezeichnet.
Gedreht wurden die „Mondszenen" in „Coral Castle", Florida, einem skurrilen "sculpture garden in stone", der zwischen 1920 und 1950 angeblich von einem einzigen Mann Namens Edward Leedskalnin errichtet wurde. Die Geschichte dieses seltsamen, einzigartigen und von Mythen umrankten Projekts, heute eine Touristenattraktion, kann man unter https://coralcastle.com nachlesen. (Stand: 08/2019) Neben NUDE ON THE MOON wurden hier im Laufe der Jahre auch noch Szenen für weitere Filme gedreht.
Laut IMDb haben Doris Wishman und der Kameramann Raymond Phelan (Pheelan in den Credits) den Film gemeinsam unter dem Namen „Anthony Brooks" inszeniert und auch gemeinsam das Drehbuch unter dem Namen „O.O.Miller" verfasst. Belege gibt es dafür aber scheinbar nicht. Zudem wird hier der Film mit einer Laufzeit von 83 Minuten geführt, doch auch dafür gibt es keinen Nachweis. Alle verfügbaren Fassungen laufen ca. 70 Minuten. Im Katalog des „American Film Institut" ist der Film nicht verzeichnet.
Die holländische VHS Fassung von „Springtime Film / Incredibly Strange Films" (1991) hat eine Laufzeit von 70:07 Minuten und ist ab 16 Jahren frei gegeben.
Der Song„Moon Doll" ist zu finden unter https://www.youtube.com/watch?v=1ArtkQ1r6tw (Stand: 08/2019)
Siehe auch mein Review zu Wishman's „Bad Girls Go To Hell" unter https://www.ssl.ofdb.de/review/18149,789188,Ich-will-dich-ohne
Aus der Werbung:
A far out Trip! (VHS)