Der Inhalt wurde hier schon sehr gut beschrieben. Der Terrorist Stephen Arthur Younger (Michael Sheen) plaziert mehrere Atombomben in den USA die in einigen Tagen detonieren werden und lässt sich von FBI, CIA usw. fangen um seine Forderungen erfüllt zu bekommen um dann eben diese doch Bomben zu entschärfen.
In diesem Zusammenhang bekommt er es inbesondere mit FBI Agent Brody (Carrie Anne-Moss) und dem Verhörspezialist Henry H.H.H. (Samuel L. Jackson) zu tun. Um es gleich vorab zu sagen. Wir haben es hier mit einem der spannensten Thriller der letzten Jahre zu tun, hochkarätig besetzt, perfekt inszeniert und für einen Mainstream Film sehr gewalttätig umgesetzt. Ich kann die Höchstnoten hier durchaus verstehen. Wieso ich keine Höchstnote vergeben konnte steht in den nächsten Absätzen.
Es ist positiv dass der Film auch schnell zur Sache kommt und die eigentliche Handlung in einen grossen Verhörraum verlegt. Tatsächlich könnte man bis auf einige Aussenszenen das ganze auch als Theaterstück aufführen da die Hauptintensität sich in diesen Räumlichkeiten abspielt. Dort treffen der Verhörspezialist Henry auf Agent Brody und es beginnt ein Kampf der Methoden und Weltansichten in bezug auf die Behandlung und Folterung (!) von politischen Gefangenen nicht nur zwischen den beiden sondern zwischen 2 potentiellen politischen Systemen.
Agent Brody möchte trotz der ernsten Lage der Gefahr von Millionen Toten bei Detonation der Bomben nur legale Mittel zur Befragung des Terroristen anwenden. Henry wendet von Anfang an derbste Methoden der Quälerei und Folterung an. Selten habe ich in einem Mainstream Film so explizite Gewalt angewendet gesehen. Dies ist sehr mutig und trägt absolut zur Aufwertung des Films bei. Es wird hier unvorhersehrbar kompromisslos mit Gewalt gegen den Terroristen vorgegangen. Daraus entwickelt sich eben der geschilderte Zweikampf zwischen Brody und Henry in bezug auf die notwenigen Schritte und Handlungen.
In klassischer Weise spitzt sich die Spannung extrem zu und man erwischt sich dabei wie der Puls mit hochgeht und die Hände verkrampfen und man emotional stark mit den Protagonisten mitgeht. Schauspielerisch bieten sich die o.g. beiden Hauptdarsteller ein ebenbürdigen Schlagabtausch auf sehr hohem darstellerischen Niveau. Trotz einiger logischer Schwächen und Ecken und Kanten fesselt einem der Film von Anfang an bis zum Ende. Und das Ende selbst ist auch einigermassen einmalig konsequent.
Weitere inhaltliche Details sollen hier nicht preisgegeben werden da der Ausgang doch einigermassen unerwartet ist. Die Spannung soll also noch erhalten werden. Im Laufe der Handlung besticht der Film durch den ein oder anderen kleinen Story-Twist und Konsequenz in der Handlung von Henry die man so nicht erwartet hätte. Natürlich ist das ganze schon noch in ein klassisches Hochglanz-Hollywood Format gepackt worden. Aber dies sollte einer Höchstnote nicht abträglich sein.
Ich geben anderen 10er Bewertungen hier Recht. Formal, storytechnisch, schauspielerisch und von der Umsetzung her würde ich auch sicher mindestens eine 9/10 Punkten geben können. Für mich muss sich aber ein Film auch an der Message messen lassen. Welche inhaltlichen, politischen oder weltanschaulichen Schlüsse kann man aus dem dargebotenen ziehen ?
Daraus ergibt sich für mich die Abwertung auf eine 7/10. Ich kann keinen Film eine Höchstnote geben der sich - ohne die Story zu verraten - die radikalsten Foltermethoden von Gefangenen zu eigen macht und damit die dunkelsten Seiten der - amerikanischen - Aussenpolitik am Ende als moralisch richtige Handlungen darstellt. Ich respektiere absolut wenn dies zur politischen Einstellung von vielen Menschen passt und hier deshalb politische "Hardliner" Höchstnoten vergeben können. Am Ende geht es tatsächlich um die eigene Moral und das muss jeder für sich selbst entscheiden wie er gehandelt hätte.
Dazu muss natürlich auch gesagt werden, dass in vielen anderen Ländern der Welt die Menschenrechte ganz anders mit Füssen getreten werden. Auch kann man dies als eine Ausnahmesituation oder sogar eine Kriegssituation begreifen und da müssen sicherlich auch andere Methoden erlaubt sein. Dennoch geht es hier um Prinzipien der Menschenrechte die kein Staat verletzen sollte. Wenn der Damm aber trotzdem bricht ist Missbrauch Tür und Tor geöffnet.
Wie ich selbst in der Situation der betroffenen Verhörpersonen als Mensch oder "Täter" gehandelt hätte oder welches die "effektivere" Verhörmethode ist steht auf einem anderen Blatt. Auch eine simple Aufrechnung von Zahlen von Opfern als Konsequenz der einen oder anderen Entscheidung im Laufe des Films ist sicherlich keine moralische Leitlinie der ich klaren Kopfes folgen würde.
Mehr kann man nicht erklären ohne inhaltliche Details die die Spannung vermindern vorwegzunehmen. Deshalb erhält der Film wie gesagt overall die starke 7/10, formal als Film an sich eine 9/10, insgesamt, von der moralischen Aussage her aber leider etwas abgewertet. ABSOLUT SEHENSWERT !!!!!