Michael Sheen spielt den britischen Fußballtrainer Brian Clough, der mit Derby County ungeahnte Erfolge verbuchen konnte und nun in die großen Fußstapfen von Don Revie in Leeds tritt, der wiederum nun die englische Nationalelf trainiert. Bei Leeds United wird er binnen kürzester Zeit zu einer kontrovers diskutierten Personalie, während er sich bei den Spielern unbeliebt macht und bei den Fans wenig Anklang findet.
Vor allem dank seiner Erfolge mit vergleichsweise kleinen Clubs gilt Brian Clough als einer der besten Trainer in Englands Geschichte, auch wenn er in seiner Zeit bei Derby und besonders bei Leeds immer sehr umstritten war. Und Regisseur Tom Hooper, der sich zuletzt Elizabeth I. annahm, gelingt es ausgezeichnet, die Biografie des englischen Trainers, der zwei mal den Europapokal der Landesmeister und zwei mal die englische Meisterschaft gewinnen konnte, interessant aufzubereiten und unterhaltsam zu vermitteln.
Dies beginnt bei der überaus gelungenen Charakterkonstruktion von Clough, der hier sehr differenziert dargestellt wird. Clough ist ehrgeizig, er will den Erfolg, aber auch guten und vor allem fairen Fußball spielen, weswegen ihm die vergleichsweise unfairen, brutalen Spieler von Leeds United auch ein Dorn im Auge sind. Er hat mit seiner Art zu spielen und dem guten Händchen seines Assistenten Erfolg, leidet aber auch an einer gewissen Selbstüberschätzung, weswegen es zum Machtkampf mit diversen Präsidenten und Vorsitzenden und schließlich auch zur Trennung von seinem Assistenten, seinem langjährigen Freund kommt, mit der dann auch der sportliche Erfolg schwindet. Nebenbei gibt es auch Einblicke hinter die Kulissen des Fußballgeschäfts, auf die Macht- und Strukturverhältnisse zwischen Spielern, Trainer, den Funktionären und den Medien.
Des Weiteren verhindert Hooper geschickt, dass sich eine gewisse Monotonie und Langatmigkeit in sein Biopic einschleicht, indem er das Wirken Cloughs nicht chronologisch erzählt, sondern parallel zu seiner Zeit bei Leeds United immer wieder Rückblenden zum Aufstieg des englischen Trainers einbringt, die diesem und seinen Beweggründen immer mehr Profil verleihen. Hänger gibt es dabei keine, sondern einen durchweg gelungenen Unterhaltungswert, da Hooper das Tempo hoch hält, ohne dabei zu überhasten und die Biografie darüber hinaus mit einem Schuss Humor immer wieder auflockert. So kann man "The Damned United", bei dem es zu den ganz großen dramaturgischen Spitzen im Endeffekt dann doch nicht ganz reicht, wenig vorwerfen.
Michael Sheen, der bereits Tony Blair in "The Queen" und David Frost in "Frost/Nixon" gelungen verkörperte, macht sich auch hier in seiner Rolle sehr überzeugend und bringt seinen Charakter erneut gelungen auf die Leinwand. Er wirkt als Clough zwar über weite Strecken sympathisch, stellt aber auch dessen Überheblichkeit gelungen dar und ermöglicht somit einen differenzierten Blick auf die Figur. Daneben wissen auch die restlichen Darsteller voll zu überzeugen, wobei besonders die Routiniers Colm Meaney und Jim Broadbent einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Fazit:
"The Damned United" ist ein interessantes Biopic von Brian Clough geworden, das mit seiner gelungenen Erzählweise, dem starken Michael Sheen und der guten Charakterkonstruktion seiner Hauptfigur punktet.
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