Antonio Margheriti war wie viele andere italienische Regisseure seiner Generation in verschiedensten Genres zu Hause. So drehte er beispielsweise den rauhen, unbarmherzigen Kriegsfilm "Il ultimo cacciatore", der trotz seiner actionlastigen Darstellungsweise die katastrophalen psychischen Auswirkungen des Krieges eindrücklich zu zeigen versteht, oder auch Gruselstreifen wie "Nella stretta morsa del ragno", der wie der im folgenden vorzustellende Film mit Klaus Kinski in einer Hauptrolle besetzt ist. Aber auch Sandalenfilme, Science-Fiction-Reißer und Gialli wurden von Margheriti, der sich oft in wörtlicher Übersetzung seines Namens als "Anthony Dawson" im Vorspann präsentierte, verantwortet. Eines seiner eindrucksvollsten Werke ist sicherlich "E dio disse a Caino" (Und Gott sprach zu Kain"), für den deutschen Markt reißerisch als "Satan der Rache" betitelt. Der Vielgenrefilmer nutzte seine diesbezügliche Erfahrung hier, indem er einen Western mit starken Gruselelementen schuf.
Klaus Kinski spielt - untypisch als Sympathieträger - den gebrochenen Helden: Er ist Gary Hamilton, ein Mann, dem von seinem vermeintlichen Freund Acombar (eindrucksvoll und brachial auftretend: der norddeutsche Schauspieler Peter Carsten) übel mitgespielt wurde, der mit einigen Freunden Hamilton ein Verbrechen unterschob und sich seinen Besitz samt Frau aneignete. Hamilton wurde zu zehn Jahren Schwerstarbeit verurteilt. Nun ist seine Zeit gekommen. Im Steinbruch schuftend, beweist er zuvor noch seine Schnelligkeit, indem er eine Schlange tötet, kurz bevor sie ihn gebissen hätte. Ein bedeutungsschwangeres Vorspiel, dem die Entlassung durch den Gouverneur folgt.
Hamilton gibt sein weniges Geld für ein Pferd und ein Gewehr aus und begibt sich zu seiner einstigen Heimatstadt, in der nun Acombar wie ein Diktator herrscht. Die drei Brüder Jim, Pedro und Miguel, Handlanger bei seinem Verbrechen an Hamilton, sind seine treuesten Verbündeten. Sein Sohn, mit dem er große Pläne hat, kommt zu Besuch und trifft in der Postkutsche auf Hamilton, der ihm seine Whiskyflasche (das einstige Indiz für seine Verhaftung) als Ankündigung für Acombar mitgibt. Gary Hamilton kommt nicht allein zurück in die Stadt: Ein Tornado wirbelt Sand und Stroh auf, macht die Pferde panisch und dient ihm so als Schutz vor Acombars Leuten, die inzwischen alarmiert sind. Zudem hilft ihm seine genaue Kenntnis der Keller und geheimen Gänge unterhalb der Stadt dabei, seine Verfolger einen nach dem anderen kaltblütig auszuschalten. Dies wird in einem für die Entstehungszeit hohen Grad der Brutalität gezeigt.
Virtuos setzt Margheriti Hamiltons Versteckspiele um. Während Acombars Männer sich in Wut reden und kopflos die Stadt nach ihm durchstöbern, ist er nahezu überall. Seine kalten Augen glänzen aus Türspalten und Kellerfenstern hervor, und meistens werden unmittelbar darauf seine Gegner präzise liquidiert. Der Tornado ist ebenso omnipräsent wie er, und so verschmelzen Rächer und Naturgewalt zu einer Bedrohung übermenschlichen Ausmaßes, die auf die Verfassung ihrer Feinde auch psychisch derart einwirkt, dass sie sich am Ende teilweise sogar gegenseitig erschießen. Acombar muss sich aber auch noch einer anderen persönlichen Katastrophe stellen: Sein Sohn hat die Wahrheit über sein Verbrechen an Hamilton erfahren. Trotzdem will er seinem Vater, den er nun hasst, im unvermeidlichen Endkampf beistehen.
Die Zeichnung der beiden Hauptfiguren ist bemerkenswert und durch die Darsteller kongenial umgesetzt. Während Kinskis Hamilton zwar durch seine ungerechte Verurteilung und das langjährige Leiden im Steinbruch die Sympathien grundsätzlich auf seiner Seite hat, gibt es keinen Moment, in dem er sich durch ein Zeichen emotionaler Bewegung gänzlich als Liebling des Zuschauers anbieten würde. Das Gegenteil ist der Fall: Seine Kälte und die absolute, kompromisslose Konzentration auf den Rachegedanken rückt ihn in ungreifbare Ferne und verdeutlicht, dass der Steinbruch seine Berechnung und die Präzision seiner Handlungen geschärft, sein Fühlen aber zerstört hat. Acombar dagegen hat seine ganze Existenz auf einem Verbrechen aufgebaut, aber er ist bei allem ohnmächtigen Wüten ein Mensch, dessen Beweggründe emotional nachvollzogen werden können: Sein ganzes Handeln, so verabscheuungswürdig es sein mag, ist auf seinen abgöttisch geliebten Sohn gerichtet, dessen erträumte Laufbahn ihm als illusionäres Ziel permanent vorschwebt. Die Entzweiung mit ihm zerstört Acombars Welt lange, bevor Hamilton es vermag.
In Margheritis Western ist die Bild- und Tonsprache des Gruselfilms omnipräsent. Der bedrohliche Blick Kinskis, Dunkelheit, das beängstigende Pfeifen des Windes, verborgene Gänge und das unheilverkündende Läuten der Kirchturmglocke sind prägende Elemente des Films. Mit Peter Carsten, der die Wutausbrüche und die zum Schluss mitleiderregende, fanatische Liebe zu seinem Sohn in drastischer Emotionalität ausspielt, hat Kinski einen würdigen Gegenpart. Die Filmmusik von Carlo Savina trägt ihren Teil zur Gruselstimmung bei, während das starke, spiritual-artige Titellied "Rocks, Blood and Sand" von Don Powell dem Ganzen eine mystische Erlösungssehnsucht hinzufügt. Entsprechend dem Titel wird mit einem abschließenden Bibelzitat (Kain wird des Mordes an seinem Bruder angeklagt) das Töten in seiner Gänze verurteilt.
Zwei fulminante Hauptdarsteller, ein virtuoser Regisseur und viele Faktoren dichter Atmosphäre machen "E Dio disse a Caino" zu einem herausragenden Western, den man als Freund des Genres kennen sollte.