Review
von Leimbacher-Mario
Ein Cowboy hing am Glockenseil
In der passend betitelten italogermanischen Spaghettiwesterncoproduktion verbringt Klaus Kinski brodelnd und stoisch (und schon während des Intros) zehn Jahre unschuldig in einem Steinklopfarbeitslager. Als seine Zeit der Begnadigung gekommen ist kennt er nur einen Weg - den der Rache gegen seinen (mittlerweile reichen) Verräter und dessen Bande von damals, sodass innerlich wie umweltlich ein brutaler Sturm aufzieht…
Red Kinski Redemption
Angekündigt wurde der bibelfeste „E Dio disse a Caino…“ mir als Westerngeheimtipp mit Gothichorrorvibes, der es in seinen besten Phasen mit der A-Liga rund um Leone oder Peckinpah aufnehmen könnte. Und selbst wenn das fast unerreichbare Messlatten sind und gerade der Beginn dieses Kinski-Revengers noch etwas lahmt, will man hier zustimmen. Das Ding ist ganz feines, fast apokalyptisches, schmelzendes und unterschwelliges Spaghettiwesterneis. Kinski grimmig wie in besten Zeiten, dennoch hier mal nicht Bösewicht, nur einsilbiger Antiheld. Die Hinrichtungen sind erbarmungslos, Eastwood lässt später grüßen. Der Titeltrack ist soulig, Tarantino lässt später ganz ungeniert grüßen. Die Damen sind hübsch und hilflos, der Bösewicht ist leicht zu hassen, sein Filmsohn durchläuft eine erstaunliche Charakterentwicklung. Die Atmosphäre ist von Blitzen, Wind und Donner durchzogen, dass die Megaföne am Set wohl das meiste vom Budget allein durch die Stromrechnung geschluckt haben könnten. Auch der Equalizer und sämtliche Djangos und Sartanas dieser Welt zollen hierzu später Tribut, sodass man insgesamt ebenfalls den durchlöcherten und blutigen Hut vor Margheritis Rachefantasie ziehen muss. Schwarz und hart.
Fazit: im Auge des Sturms sieht Kinski rot - „Satan der Rache“ wäre ein gutes Doppel etwa mit „High Plains Drifter“ und ist eine exzellente, verdammt düstere Spaghettiwesternplatte mit Horrorvibes und Racheengelgelüsten!