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Ryan Bingham (George Clooney) arbeitet für eine Firma, die es sich zur Aufgabe gemacht hat rückgratlosen Chefs unter die Arme zu greifen wenn es darum geht Mitarbeiter zu entlassen. Bingham erledigt seinen Job effizient, mit den immer gleichen Sprüchen unterbindet er die verständlichen für ihn peinlichen Gefühlsausbrüche mancher Entlassener. Er kennt nahezu alle Varianten von Reaktionen seiner „Opfer“ und weiß damit umzugehen. Kurz, er ist ein Profi in seinem Job. 

Eines Tages wird er in die Firmenzentrale beordert. Dort eröffnet sein Boss (Jason Bateman) den Angestellten, dass fortan nicht mehr durch die USA gereist wird um Kündigungen auszusprechen, sondern dies per Video-Konferenz geschehen soll. Die Idee stamme von der jungen Angestellten Nathalie (Anna Kendrick) und die Kostenersparnis sei enorm. 

Ryan ist absolut gegen diese Idee, meint Nathalie hätte zu wenig Erfahrung in dem Job um einen solchen Vorschlag zu machen, diese Form der Entlassung sei respekt- und würdelos usw. Sein Boss ordnet daraufhin an, dass Nathalie zwecks Sammelns von Informationen an einer von Ryans Kündigungs-Rundreisen durch die USA teilnimmt. 

Diese Reise verändert sowohl Ryan als auch Nathalie… 

Ohne zu übertreiben, „Up In The Air“ von Jung-Regisseur Jason Reitman ist einer der mit Abstand besten Filme der letzten Jahre. Wenn ich bedenke, dass derlei Filme eigentlich gar nicht meinem Beuteschema entsprechen, verwundert mich diese Ansicht umso mehr! 

Das Drehbuch für sich betrachtet ist schon eine kleine Offenbarung und dürfte nach dem gewinn des Golden Globes auch bei der anstehenden Oscar-Verleihung eine gewichtige Rolle spielen. Die Drehbuchautoren Jason Reitman und Sheldon Turner haben es geschafft ein Script abzuliefern, dass sowohl witzig ist als auch zum nachdenken anregt. Gespickt mit teilweise wunderbaren Charakteren wie eben Ryan und Nathalie, die vor dem Hintergrund dieser skurrilen „Kündigungs-Firma“ agieren und Dialoge spendiert bekamen wie man sie schon sehr lange Zeit im Kino vermissen durfte. 

Da ich den Film in der Originalfassung, also in Englisch, sah, kann ich bloß hoffen, dass die dt. Synchronisation nicht in die Hose geht. Manche Dialoge dürften schwer zu übersetzen sein wie z.B. dieser, als Clooney im Flieger sitzt und die Stewardess Getränke in Dosen reicht. Clooney versteht diese falsch und fragt „Cancer?“, die Stewardess antwortet „Can, Sir?“ 

Damit wären wir auch schon beim zweiten Sahnestück des Films angekommen – der Besetzung! 
George Clooney alleine ist schon das Anschauen wert. Der anfänglich arrogante, überhebliche Charakter, der sich und anderen alle Nachteile seines Lebens schönredet, ja sogar eine Art Philosophie daraus bastelt, wird von ihm nahezu perfekt verkörpert. Aber auch in den Momenten, die einen für Veränderungen offenen und verletzlichen Ryan zeigen wirkt Clooney immer überzeugend. Die Nominierung für den Golden Globe erfolgte deshalb absolut zu Recht. Die bis dato sicherlich beste schauspielerische Leistung von George Clooney!! 

Unterstützt wird er durch ein nicht minder gut aufspielendes Ensemble etwas weniger populärer Darsteller und Darstellerinnen. 
Da wäre zuerst Anna Kendrick zu nennen, die die Nathalie spielt. Ebenfalls eine Idealbesetzung. Die vermeintliche knallharte Karrierefrau, die auch nicht davor zurückschreckt Menschen die Existenzgrundlage per Videoschaltung zu entziehen entpuppt sich im weiteren Verlauf als eigentlich total überforderte junge Frau, die irgendwie in diesen Job geschlittert ist, ganze andere Pläne hatte, aber funktionieren muss und auch noch will. Spätestens als sie sich nicht mehr hinter der Anonymität der Videokamera verstecken kann und mit Ryan unterwegs ist, mit den Schicksalen der Gefeuerten konfrontiert wird, lernt sie wo ihr Platz im Leben ist. Genau diese Veränderung bringt Anna Kendrick sehr gut rüber und hat ganz nebenbei noch ein herrliches Gespräch über Wünsche und das älter werden mit Clooney und Vera Farmiga. 

Vera Farmiga, die dritte im Bunde spielt hier Alex, Ryan`s anfänglichen One-Night-Stand, der sich zu dessen Love Interest, oder in den Worten seiner Schwester, zum Date entwickelt. Auch wenn es anfangs nicht so scheint, so ist diese Rolle doch eine Art weibliches Pendant zu Clooneys Charakter. Eine interessante Rolle, mit einigen herrlichen Szenen z. B. als sie und Ryan ihre Plastikkarten vergleichen oder das bereits erwähnte Gespräch, die Vera Farmiga sehr gut ausfüllt! 

Das Ensemble komplettieren Jason Bateman als Ryan`s etwas schmieriger Boss und Zack Galifianakis in einer schrägen Cameo-Rolle als gefeuerter Mitarbeiter. 

Unter diesen Voraussetzungen hatte Regisseur Reitman vermeintlich leichtes Spiel, doch der Jungregisseur gab sich nicht damit zufrieden sich auf das exzellente Script und den genauso gut aufspielenden Cast zu verlassen. Er verpasste dem ganzen Film noch etwas an zusätzlichem Feinschliff u.a. in Form der immer wieder gezeigten Luftbilder amerikanischer Städte, die dazu dienen Ryans Charakter bzw. seine innere Distanziertheit zu vermitteln. 

Fazit: „Up In The Air“ ist ein wirklich sehens- und empfehlenswerter Film, der die Gratwanderung zwischen Komödie und Drama mühelos schafft, dabei bestens unterhält und den Zuschauer sogar etwas zum nachdenken anregt!

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