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Wie schon "Juno" steht und fällt auch dieser neue Film von Herrn Reitman mit dem Drehbuch und den schauspielerischen Leistungen, denn leider ist er nach wie vor nicht sonderlich kreativ und ideenreich auf dem Regiestuhl. Doch im Gegensatz zu "Juno" stammt das (in Teilen sehr gelungene) Script diesmal von ihm selbst. Die erste Hälfte von "Up in the Air" weiß auch durchaus zu überzeugen als bittere Komödie über die leere Existenz eines pragmatisch organisierten coolen Solitärs (Clooney) inmitten eines von Rezessionsleid zerfressenen, im Prozess des Downsizing befindlichen Amerikas. Von Beruf Angestellten-Entlasser tingelt er mit dem Flugzeug von Stadt zu Stadt, von Firma zu Firma, sein Leben penibel in den Staufächern seines Reise-Trolleys verstaut, stolz auf seine zahlreichen Goldmeber-Karten und Priviligien, einer Philosophie des Einzelgängertums und der Freiheit von familiären Bindungen frönend, kein Zuhause sein eigen nennend. Konfrontiert wird er eines Tages mit den Lebensanschauungen seiner jungen, unerfahrenen Kollegin Natalie (Anna Kendrick), die ihn auf einer seiner zynischen Geschäftsreisen begleiten muss. Seinen Counterpart glaubt er indes in der viel reisenden Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) gefunden zu haben. Und spätestens, als die drei Figuren einen clever geschriebenen Dialog über Lebensführung und sich im Laufe der Zeit ändernde Erwartungen und Wünsche führen, denkt man als Zuschauer, dieser Film könnte vielleicht etwas Interessantes darüber zu erzählen haben, wie das Leben so spielt. Doch leider rutscht die zweite Hälfte des Films rasant in den Keller und vermag nicht das Versprechen erfüllen, welches die erste Stunde gegeben hat:

Bis zur Mitte überzeugt "Up in the Air" nämlich durch vielerlei Dinge. Durch eine clevere Geschichte, durch einen zynisch-parodistischen Blick auf Amerika in der Wirtschaftskrise, durch ein Gegenüberstellen von menschlicher Emotion und Tragik mit coolem Pragmatismus. Vor allem überzeugt der Film durch teilweise tolle Dialoge und guten Humor. Besonders jedoch die Konzeption der drei Hauptfiguren und ihre Verkörperung durch die Darsteller ist hervorzuheben. Clooney spielt hier auch für seine Verhältnisse ausgesprochen brillant. Vera Farmiga ist schon ein Erlebnis. Doch die eigentliche Überraschung ist die junge Anna Kendrick. Unglaublich starke Ausstrahlung, energiegeladene Performance. Muss man einfach lieb haben. Also wirklich lieb haben.


Doch wie schon angedeutet, rutscht "Up in the Air" in der zweiten Hälfte in den Keller. Natürlich weiß jeder Zuschauer, dass Clooneys Figur mit so einem Lebensstil nicht glücklich werden kann. Das hält den Film aber nicht davon ab, diesen Umstand penibelst auszubuchstabieren: Die zweite Hälfte des Films ist nichts weiter als ein enervierendes, sehnsüchtiges Schmachten nach kleinbürgerlicher Lebensführung und Moralvorstellungen. Und das Werk wird zu einer prototypischen, im Laufe der Filmgeschichte x-fach erzählten Besinnungsgeschichte. Regelrecht unerträglich sind die Szenen, in denen Clooney die Stätten seiner Jugend und Kindheit besucht, in seiner alten High School wehmütig in Erinnerungen schwelgt, die Hochzeit seiner Schwester besucht, seine leere Existenz zu überdenken beginnt. Grau-en-haft.

Ein Film, der vielversprechend begann, verkommt zusehends zu einem trivialen Plädoyer für familiäre Geborgenheit, dass es der Sau graust. Auch der Umstand, dass Ivan Reitman die Traute hatte, das Ganze nicht im Happy End zu beschließen, die Beziehung Clooney/Farmiga wie eine Luftblase zerplatzen lässt und Clooneys Figur als desillusionierten Mann zurücklässt, ändert nichts daran: Die zweite Hälfte von "Up in the Air" ist enttäuschender Weichspüler-Schmu ohne Biss. Schade, Chance vertan. Erfreuen wir uns also lieber an der ersten Stunde des Films (auch wenn diese ihrerseits schon nicht makellos ist). 

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