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Einer der größten Kritikpunkte, denen sich Rob Zombies Halloween ausgesetzt fühlte, war wohl, dass viele Zuschauer es für unnötig, wenn nicht gar lästig, hielten, dass der Film versuchte, für alles eine Erklärung zu finden.
Da wirkt es auf eine gewisse Art nur konsequent, dass der gute Mann in seiner Fortsetzung tatsächlich noch einen Schritt weiter zu gehen scheint und die Dinge nun nicht nur erklärt, sondern sie auch noch durch seltsame Metaphern visualisiert. Ein weißes Pferd symbolisiert hier Michaels unterdrückte Wut.
Das Symbol des Pferdes wird nicht nur dadurch im Film verankert, dass Michaels Mutter ihm eine kleine Statue eines weißen Pferdes schenkt und er ihr daraufhin von einem Traum erzählt, den er von ihr und einem Weißen Pferd hatte, nein, um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen, beginnt der Film schon mit einem kurzen Text, der die Bedeutung des weißen Pferdes in der Psychoanalyse erklärt, Danke hierfür. Von nun an vergeht kaum eine Szene mit Michael, die ohne eine Traumsequenz mit Mutter und Pferd auskommt. Dass sich in vielen dieser Sequenzen auch noch der junge Michael aufhalten darf, der hier von einem anderen Schauspieler verkörpert wird als im ersten Teil, sei hier nur am Rande erwähnt.

Wenn man sich nun fragt, warum Herr Zombie hier diesen visuellen Overkill betreibt, so liegt die Vermutung nahe, dass ihm da jemand eine der ältesten Film-Weisheiten verraten hat: “show it, don't tell it.”
Das ist zwar normalerweise immer eine gute Idee, wenn dieses “Zeigen” allerdings aus Symbolen besteht, die man noch dazu ausladend lang und breit erklärt, obwohl sie auch ohne Erklärung schon in etwa die Subtilität eines Holzhammers besitzen, dann geht der Schuss doch vielleicht etwas nach hinten los.
Denn spätestens wenn man gegen Ende der Produktion bemerkt, dass die meisten dieser Szenen dem Film nichts hinzufügen außer Laufzeit, sollte eigentlich die nächste nicht minder klassische Weisheit greifen: “when in doubt, cut it out.”
Hat ihm also noch niemand diese Regel verraten, oder, noch schlimmer, stellten sich im Schnitt tatsächlich keine Zweifel ein?

Man weiß es nicht. Doch das ist nur eine von vielen Fragen, die nach dem Konsum diese Films offen bleiben. Eine andere wäre, welchen tieferen Sinn die Macher mit diesem Film verfolgen. Und auch hier kann man maximal spekulieren.
Ist das nun ein Genre-Film, der versucht künstlerischen Anspruch vor zu täuschen, indem er die typischen und hinlänglich bekannten Slasher-Szenen mit pseudo-tiefsinnigen und tatsächlich schön in Szene gesetzten Traum-Einstellungen ergänzt oder unterbricht?
Ist es Kunst, die gekonnt versucht, sich im Genre-Film zu verstecken?
Oder ist es am Ende gar der vielleicht erste Versuch des epischen Theaters, sich des Genre-Films zu bemächtigen?
Das zumindest wäre ein schöner Gedanke, schließlich trägt die Inszenierung hier durchaus ihren Teil dazu bei, dass der Zuschauer eigentlich schon vorher weiß, was gleich passieren wird. Wenn man sich allerdings tatsächlich in diese Richtung bewegen wollte, sollte man vermutlich nicht so tun, als wolle man Spannung erzeugen.

Im Grunde spielt es aber wohl kaum eine Rolle, was er sein will, denn eines ist der Film in jedem Fall: halbherzig und damit inkonsequent.

Was ihn allerdings durchaus auszeichnet, sind eindeutig die visuelle und die auditive Ebene. Die sind nämlich letzten Endes tatsächlich recht ansprechend ausgefallen, leider reicht das aber bei Weitem nicht aus, um einen über die narrative Ebene hinweg zu trösten, die sich in Nichtigkeiten und Klischees nahezu ständig selbst übertrifft und noch nicht einmal davor zurück schreckt, eine Szene im Nachhinein zum Traum zu erklären.
Wenn das kein Klischee für eine schlechte Erzählung ist, dann weiß ich auch nicht mehr.

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