Rob Zombies düsteres und erstaunlich erfolgreiches Remake von John Carpenters Horrorklassikers "Halloween" zeigte auf, daß auch frevelhaft neuverfilmte Klassiker in der heutigen Zeit durchaus ihren Reiz haben können.
Nun wagt sich Zombie auch an eine direkte Fortsetzung seines Remakes, enttäuscht dabei jedoch sowohl Fans des Originals (was ja nicht verwundert) als auch die seines Remakes deutlich.
Zwei Jahre nach den schrecklichen Ereignissen zu Halloween:
Laurie Strode leidet noch immer unter entsetzlichen Alpträumen bezüglich der Geschehnisse dieser Nacht. Sie lebt jetzt bei der ebenfalls traumatisierten Annie und deren Vater, Sheriff Brackett.
Während Laurie zur Therapie geht, Medikamente noch und nöcher schluckt und insgesamt ihr Leben einfach nicht mehr in den Griff zu bekommen scheint, verarbeitet Annie das Ganze wesentlich besser. So kommt es auch ab und an zu Spannungen in der Beziehung der beiden Freundinnen.
Sam Loomis, Michael Meyers Arzt, bringt währenddessen mit großem TamTam ein Buch über "Amerikas skrupellosesten Serienkiller" heraus und enthüllt dabei auch Details aus Michael Familienleben auf pikante Art und Weise.
So erfährt die traumatisierte Laurie aus den Seiten des Buches alsbald, daß sie Angel Meyers, die Schwester des Killers ist.
In der Nacht von Halloween kommt es dann zu weiteren mysteriösen Ereignissen und alsbald ist klar, daß der nach der Nacht vor 2 Jahren verschwundene Killer wieder da ist und sein Werk vollenden möchte...
Zunächst baut Zombie geschickt die Erwartungen an ein direktes Remake der Rick-Rosenthal-Fortsetzung ab, indem er eine Einführungs-Hommage an diese inszeniert, die den geneigten Zuschauer auch durchaus an die Sitze fesseln kann.
Doch als sich die wahre Natur dieser ersten 25 Minuten entpuppt, beginnt eine lange andauernde Talfahrt in die Tiefen der Psycho-Klischeekiste des Serienkillerfilms.
Lange dauernd, denn Rob Zombie, dessen Remake Teil 1 schon nicht der rasanteste Film war, nimmt sich 119 Minuten Zeit für seine "wütender-Killer-nimmt-erneut-Rache" - Story und das sind entschieden 19 Minuten zuviel.
So wandelt sich der anfangs spannende Slasher-Film in ein wirres Psychogramm, dem man zugute halten kann, daß sich Zombie plausibel mit der Thematik beschäftigen möchte aber zu diesem Zweck immer wieder völlig nebensächliche Szenen einstreut, die den Film unnötig in die Länge ziehen und die Spannung immer wieder im Keim ersticken.
Es gibt mehr brutale Morde als in Teil 1 und mehr Sherry Moon Zombie, die ihr Ehemann wohl nur in allerlei Traumsequenzen drückte, um ihr eine Rechtfertigung für die enorme Screentime zu geben, die sie dieses Mal ausfüllt.
Eine echter Sinn für ihrer Auftritte ist nämlich nicht ersichtlich.
Aus Laurie Strode wird eine über die maßen schlecht gespielte kaputte Schlampe, die ihre Probleme für die wichtigsten der Welt hält und zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar ist.
Überraschend gut kommt dieses Mal Danielle Harris als Annie weg, denn diese scheint die einzige zu sein, welche ihre Rolle ernst genug nimmt, um ein wenig Differenziertheit aus ihr herauszuholen.
Sowohl Malcom McDowell als auch Brad Dourif spulen ein Standardprogramm runter.
So bleibt unter dem Strich eine wirre Story mit sehr gutem Anfang und einem glücklicherweise konsequentem Ende, in dem die Diskrepanz zwischen schnell heruntergekurbeltem Slasher und ernst zu nehmenden Darstellerleistungen allzu offensichtlich hervortritt.
Mit ein bißchen mehr Sorgfalt in der Charakterzeichnung der Hauptpersonen und deren Ausführung wäre "Halloween 2" eine gute Fortsetzung geworden, doch das fertige Produkt ist leider nicht mehr als "Freitag der 13 Teil 3"!