Zwei Jahre sind vergangen, wo ein gewisser Rob Zombie mit seiner Neuinterpretation von Carpenter´s Kultopus "Halloween" für heißen Diskussions-und Zünststoff sorgte.
Zombie, der sich schon mit "Haus der 1000 Leichen" und "The Devil´s Rejects" unter den Fans einen Namen als Regisseur machen konnte, verlieh dem angestaubten Myers Mythos mit seiner Interpretation von 2007 ein neues Image.
Der Look gewohnt dreckig, die Charaktere schräg und irgendwo am Ende ihrer Existenz und halt recht abgewrackt. Das aber das Remake dennoch, gerade auf dieser Ebene funktionierte, das hätten die wenigsten vermutet, auch wenn es immer noch genügend "contra"-Stimmen für den Rob´schen Halloween und seiner Art der Interpretation gibt.
Und jene welche, die zu letzter Gruppe gehören, die werden um H2 wohl einen großen Bogen machen.
Denn Halloween 2 ist anders, gänzlich anders als erwartet und vielleicht weniger Halloween im eigentlichen Sinne, als so mancher Fan es sich gewünscht hätte. Doch es funktioniert dennoch.
Die ersten 20 Minuten des Films suggerieren noch einen gewohnten Halloween im schicken Slashergewand und bilden noch irgendwie eine Hommage an den regulären zweiten Teil von Rick Rosenthal´s Halloween 2, welchem Zombie hier offenbar Tribut zollt.
Doch nachdem diese Sequenz abgespult wurde, entpuppt sich der optisch dreckige Slasher schon fast als Drama mit düsterer Optik und ernster Charakterentwicklung.
Allen voran natürlich der Charakter der Laurie Strode, die ein völliges Wrack zu sein scheint, die eben die Geschehnisse von damals nicht so einfach weggesteckt hat. Die inzwischen in Therapie befindliche Laurie wohnt mittlerweile bei den Bracketts, welche sie nach dem damaligen Vorfall in ihre Obhut nahmen.
Doch das Zusammenleben in diesem Hause ist ein ständiger Konflikt, welchen auch Freundin Annie (Danielle Harris) immer wieder zu spüren bekommt.
Generell hat Zombie versucht, die ganzen Charaktere aus dem Vorgänger in ein neues Licht zu rücken welches sie nun von einer etwas anderen Seite beleuchtet. Man sieht also deutlich, was aus den Charakteren geworden ist und wie sie sich entwickelt haben. Ein intaktes und eher unkompliziertes Umfeld sieht anders aus, aber das kannte man ja schon aus dem Vorgänger. Doch ist die Charakterzeichnung im zweiten Teil doch noch um einiges düsterer und ernster ausgefallen, da eben alles irgendwie auswegslos erscheint.
Hauptaugenmerk und Zielperson in diesem Film ist natürlich M.Myers.
Wie auch im Vorgänger schon, macht der Riese Tyler Mane seine Sache mehr als amtlich.
Sein imposantes Erscheinungsbild prägt den M.Myers wie niemals zuvor, Respekt.
Hatte der gute Myers im Vorgänger erst zur Hälfte des Films seine eigentlichen Auftritte, so tritt er hier deutlich früher und öfters in Aktion. Und wenn er in Aktion tritt, dann ziemlich rabiat.
Hier wird nicht 2-3 mal auf die wehrlosen Opfer eingestochen, sondern dann gleich 10-14 mal, auch wenn diese schon tot am Boden liegen. Auch Myers selbst gibt erstmals "Laute" von sich, wenn der die Opfer zur Strecke bringt.
Zwar passieren viele der Kills im Off und sind noch nicht einmal übertrieben blutig, aber sie wirken halt in Ihrer Art der Wiederholungen recht hart.
Da wird dann eine Stripperin ca. 11 mal gegen einen Spiegel geschlagen, eine Krankenschwester wird gleich ca. 15 mal weggeschlitzt, wo im Grunde 2-3 Aktionen gereicht hätten. Aber hier gibt’s dann gleich das volle Brett. Das freut natürlich das Slasherherz.
Zombie kündigte ja schon im Vorfeld an, das sein H2 anders werden wird und auch das innere des M.Myers beleuchtet werden soll. Dies wird symbolisch nach jedem Kill in Form von einem weißen Pferd symbolisiert, welches seine Mutter ebenfalls begleitet. Dieser Umstand, was dieses Symbol des weißen Pferdes zu bedeuten hat, wird direkt als erstes im Film erklärt und im Grunde recht belanglos abgehandelt. Zombie wollte wohl nur schnell erklärt wissen, warum und in welchem Kontext das weisse Pferd erscheinen muss.
Ob dies aber so in dieser Art nötig gewesen ist und in seiner Präsenz auch so stark vertreten sein musste, das muss jeder für sich entscheiden. Für mich war es etwas sehr überpräsent.
Weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich der, das Michael nicht immer seine Maske auf hat, sondern auch in seinem "Hobo Outfit" auch mal ohne Maske durch die Gegend läuft. Mutiger Schritt von Zombie, wenn man Myers bis dato immer nur stumm mit Maske gesehen hat. Doch auch dies zählt für mich mit zu den innovativeren Neuerungen des Zombischen Franchise.
Zu den Charakteren selbst gibt’s noch nicht einmal soviel zu sagen. Der charmante und würdige Donald Pleasance Ersatz des Dr. Loomis in Form von Malcolm Mc. Dowell ist halt zu einem mediengeilen Arschloch mutiert, was sämtliche Sympathien über Bord geworfen hat. Brad Dourif als Sherriff Bracket spielt wie immer souverän und Danielle Harris als Annie macht eine recht gute Figur. Scout Taylor Compton als Laurie Strode hat mit ihrere depressiven und labilen Art den Hang dazu etwas zu nerven, macht aber das beste aus Ihrer Rolle.
Tyler Mane als Myers ist wie immer ein Garant für einen Killer der Superlative, besser kann man Myers nicht besetzten, groß und kantig, echt klasse.Der Look von H2 ist Zombietypisch dreckig und sieht auf dem 16mm gedrehten Film auch entsprechend schmutzig aus. Der etwas grobkörnigere Look passt perfekt und ist so gewollt.
Die Atmosphäre ist jedoch eher Halloween-untypisch, was eben an den vielen Neuerungen und dem fehlenden Score liegt.
Es ist halt ein gänzlich anderer Halloween, wie man ihn noch vom Vorgänger her kannte.
Dreckiger, düsterer und brutaler geht’s hier zur Sache.
Wer sich an den Neuerungen nicht stört, wird bestens unterhalten.Kurz noch einige Anmerkungen zu den unterschiedlichen Versionen.
Der hier in Deutschland vorliegende Dir. Cut ist mit der Spio JK Freigabe zwar gekürzt, jedoch noch absolut guckbar, da die Schnitte ziemlich gut gesetzt sind.
Der Film ist in den Handlungssträngen und der Charakterentwicklung etwas anders, vielleicht auch intensiver. Auch das Ende ist komplett anders.
Der Kinocut hingegen ist vielleicht nicht so komplex in der Charakterentwicklung, ist in sich aber vielleicht etwas runder und hat das für mich bessere und spektakulärere Ende.
Wer das Glück hat, die dt. Presse DVD zu besitzen, der hat den Kinocut in ungeschnittener Form auf Deutsch:)
Dennoch, ob nun in der Spio JK oder in der uncut Version, H2 macht Spaß, hat Charaktertiefe, ist düster und atmosphärisch, wen auch irgendwie keine richtige Spannung aufkommt.
Es macht aber Spaß, den Werdegang von Myers und Co zu verfolgen und die Charakterentwicklung zu beobachten.
Zwar ist es schade, das eben der Halloweentypische Grundtenor mit samt Score und dem stimmigen Haddonfield fehlt, aber das kann man verschmerzen.Daher, 9 Schlitzerstiche halte ich für mich persönlich da als angebracht.